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Kurier Fotowettbewerb 2014
Bei Kuhn meist nur an der Rampe stehend: Emily Righter als Cherubino und Giulio Boscetti als Figaro.
Bei Kuhn meist nur an der Rampe stehend: Emily Righter als Cherubino und Giulio Boscetti als Figaro. - Foto: Tiroler Festspiele Erl/Tom Benz

Letztes Update am 28.12.2012, 14:59

Von Kinderkrankhei­ten und szenischer Verweigerung. Gustav Kuhn zeigt im Festspielhaus Erl seine Sicht auf Mozarts "Figaro". Wenig überzeugend.

Nach der glanzvollen Eröffnung regiert im neuen Festspielhaus in Erl nun der sogenannte Opernalltag. Bei der Premiere von Wolfgang Amadeus Mozarts „Le nozze di Figaro“ war Intendant Gustav Kuhn denn auch erstmals in seiner Doppelfunktion als Dirigent und Regisseur zu erleben. Hauptgesprächsthema aber war (zu Recht) nicht diese Aufführung, sondern die neue Parkgarage.

Diese wird zwar heftig beworben, bietet den Autos genug Platz, hat aber auch einen massiven Nachteil. Bei Regen oder Schnee – beides soll es im Winter ja gelegentlich geben – ist der etwa zehnminütige Weg im Freien von der Garage zum Festspielhaus für jeden Besucher eine gewisse Herausforderung.

Tonfallprobleme
 

Und dass sich ein Verantwortlicher der Festspiele in der Pause bei den Besuchern für „den Ton“ der dortigen Einweiser entschuldigen muss, sollte auch nicht vorkommen. Das sind Kinderkrankheiten, für die noch Lösungen gefunden werden müssen.

Aber zur „Nozze“-Premiere: Die war szenisch vor allem ein Konzert in schönen Kostümen (Lenka Radecky) und auf fast leerer, betucht-weißer Bühne (Jan Hax Halama) mit wenigen Requisiten. Denn Regisseur Kuhn bezieht zu diesem Werk gar keine Stellung, vermeidet Interaktionen zwischen den Protagonisten. Von einem „tollsten Tag“ fehlt bei dieser Nicht-Regie jede Spur. Statisch, fad, ohne Personenführung wird an der Rampe gesungen. Das ist zu wenig.

Wie auch Kuhns Dirigat (sehr sicher das Orchester der Tiroler Festspiele Erl) etwas aus der Zeit gefallen scheint. Gewiss: Kuhn zelebriert Mozart, setzt dann wieder auf gnadenlose Überhitzung; einen Spannungsbogen gibt es da zu selten – bei Wagner etwa ist dieser Maestro deutlich mehr in seinem Element.

Die Sänger sind großteils jung, schön und gesanglich in Ordnung. So ist Sophie Gordeladze als Susanna das vokale Zentrum der Produktion, so ist Sabina von Walther eine gute Gräfin und Rita Lucia Schneider eine quirlige Marcellina. Nicht auf dieser Höhe: Emily Righter als stimmlich blasser Cherubino.

Giulio Boscetti ist ein sicherer Figaro, Michael Kupfer ein solider Graf. Die kleineren Rollen sind adäquat besetzt. Dennoch gibt es hier sehr viel Luft nach oben.

KURIER-Wertung: **** von *****

Bilder vom neuen Festspielhaus

 

(KURIER) Erstellt am 28.12.2012, 14:59


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