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Ihr nächstes gemeinsames Projekt ist eine Sitcom für den ORF: In „Salambo“ spielen Thomas Stipsits (li.) und Manuel Rubey ein schwules Paar, das ein Stundenhotel betreibt.
Ihr nächstes gemeinsames Projekt ist eine Sitcom für den ORF: In „Salambo“ spielen Thomas Stipsits (li.) und Manuel Rubey ein schwules Paar, das ein Stundenhotel betreibt. - Foto: christandl jürg

Letztes Update am 30.12.2012, 13:52

"Mach es mal nicht so langweilig". Das dynamische Duo Thomas Stipsits und Manuel Rubey über ihr Schwarzsehen fürs Fernsehen.

KURIER: Ihr Kabarettprogramm „Triest“ ist der Grund für dieses Interview. Darin ziehen Sie eine natürlich frei erfundene TV-Starschauspielerriege von Christiane Hörbiger bis Harald Krassnitzer gehörig durch den Kakao. Sie beide sind auf diesem fiktiven Set die Loser. Welche traumatischen Erfahrungen haben zu dem Programm geführt?
Manuel Rubey: In diesem Beruf gehört es naturgemäß dazu, dass man immer wieder erniedrigt wird. In der Figur des Regisseurs wirken all jene Menschen, die uns im Laufe der Jahre erniedrigt haben. Krassnitzer und Hörbiger sind Platzhalter im System, wir wollen sie nicht durch den Kakao ziehen. Viel mehr uns und die ganze Branche.
Thomas Stipsits: Wir hatten ein bissl Angst, weil wir dachten, es ist zu speziell und jemand, der damit nichts zu tun hat, kennt sich nicht aus. Aber in Wahrheit funktioniert es grad deswegen, weil man einmal nicht selber der Trottl ist, sondern ein anderer.
Rubey: Und Inkompetenz am Arbeitsplatz gibt's offensichtlich in allen Berufen.

Was war Ihre schlimmste Erfahrung punkto Erniedrigung?
Rubey: Die ist sehr lange her. Da hat man in der Erwartung, dass „Mitten im Achten“ ganz groß einschlägt, einen Piloten für ein Nachfolgeprojekt gedreht. Da wurde ein deutscher Seifenopernregisseur engagiert, der nichts zu tun hatte, außer die Statistinnen anzubraten. Wir hatten kein Wort gewechselt, dann habe ich die erste Einstellung gespielt und er sagt vor versammelter Mannschaft ins Mikrofon: Mach es mal nicht so langweilig.

Sie waren auch gemeinsam in „Braunschlag“. Sie sind jetzt Lebensmenschen geworden?
Rubey: Aber bitte im Thomas-Bernhard’schen, nicht im Petzner’schen Sinn. Da legen wir großen Wert drauf.
Stipsits: Es gibt ein blindes Verständnis zwischen uns. Mittlerweile ist es schon so, dass, wenn wir mit jemandem reden, ich am Blick vom Manuel erkenne, was er über die Situation denkt.

Wie sehen Sie eigentlich fern? Zapper oder Einnicker?
Stipsits: Ich bin bewusster Fernseher. Ich besorge alles auf DVD und schau sie mir an, wenn ich Zeit habe. Das heißt nie – die DVDs stehen original verpackt im Regal. Beim Fußball bin ich kein Zapper. Das ist heilige Zeit.
Rubey: Fußball ist das Einzige, das ich live konsumiere. Ich muss Thomas aber korrigieren, er ist der klassische Einnicker, der DVDs sogar zum Einschlafen schaut. Ich kann nicht schlafen, so lange ein Fernseher läuft.

Was bedeutet für Sie „Unterhaltung mit Niveau“?
Rubey: Toll ist alles, was von HBO kommt, oder die grandiose BBC-Serie „Extras“ mit Ricky Gervais. Das sind allerdings alles Dinge, die in den USA und in England Nischen sind. Ich fürchte, dass Niveau in Zukunft eher in den Nischen zu finden sein wird. Bei uns hat das mit ja auch „Braunschlag“ funktioniert.

Der ORF als Nische?
Stipsits: Der ORF macht das eher in der Art gut, dass er alles abdeckt, was alle Leute interessiert. Ich persönlich bin ein großer ORF III-Fan. Der österreichische Film ist dort sehr gut positioniert. Wobei: Betroffenheitskino ist mir zu viel. Ein Film muss mich so erwischen, dass ich nicht nach zwei Minuten merke: Um Gottes Willen, das ist was Ernstes. Das ist übrigens auch bei politischem Kabarett so. Da ist es auch gut, wenn ich es erst ganz spät merke.
Rubey: Unser Ansatz ist, den „kleinen Mann“, die „kleine Frau“ zu zeigen, wodurch das Scheitern einer Faymann-Politik viel offenbarer wird als bei Politik-Parodien.

Was würden Sie im TV gerne machen, was auf keinen Fall?
Rubey: Ich würde gerne mit Thomas Stipsits in „Wetten, dass ..?“ auftreten. Nicht mit einer Wette, sondern als Showact zwischen der dritten Wiedervereinigung von Genesis und Robbie Williams. Und dann ein bisschen auf der Couch plaudern.
Stipsits: Kann ich unterschreiben. (Er lacht.) Ich wette, dass ich alle Mondscheiner-Lieder nach drei Sekunden rückwärts gespielt erkenne.
Rubey: Auf keinen Fall würde ich Dancing Stars oder Dschungelcamp machen.
Stipsits: Das kann ich auch unterschreiben.

Seit einiger Zeit ist alles Super-. Von Talent bis Model. Warum drängen die Menschen ins TV?
Rubey: Das sind immer noch die 15 Minuten Ruhm von Warhol. Es gibt offenbar ein Bedürfnis, zumindest punktuell bigger than life zu sein.
Stipsits: Das ist wie eine Droge. Es geht um Anerkennung, darum, geliebt zu werden. Deshalb funktioniert Facebook so gut, da kannst jeden Schas posten und es gibt Leute, die reagieren: Katze hat Durchfall – Kommentar: Schade. Arm. Oder so.

Wird das TV noch als moralische Anstalt wahrgenommen?
Rubey: Von meinen Großeltern schon noch, im Freundeskreis nicht mehr. Alles, was Talkshow, Privatfernsehen, Werbewahnsinn ist, kann diesen Anspruch für sich nicht geltend machen.
Stipsits: Es gibt Unterschiede. Lanz im Talk ist gut. Der sympathischste Südtiroler neben den Kastelruther Spatzen. Das sage ich nicht wegen „Wetten, dass ..?“, gell.
Rubey: Auf die Nerven geht mir auch, dass die Sender Formate kopieren. Von verliebten Bauern über Koch- und Heimwerkersendungen ...
Stipsits: Das ist jetzt ein Boom. Momentan ist jeder, der einen Löffel halten kann, ein TV-Promikoch; das rennt sich tot.
Rubey: Ich sehe es pessimistischer. Ich sehe, dass sich alles banalisiert, dass die Aufmerksamkeitsspannen immer geringer werden, dass nicht in Bildung investiert wird – und man das am Fernsehen merkt. Ich glaube sogar, es wird noch schlimmer.

Sie schreiben für den ORF eine Sitcom namens „Salambo“?
Rubey: Wir spielen ein schwules Paar, das ein Stundenhotel leitet. Wir wollen bewusst Homosexuellenalltag zeigen und nichts Tuntiges. Es gibt einen sexsüchtigen Stammgast, Simon Schwarz, und eine jüdische Putzfrau, Ruth Brauer-Kvam. Wir haben abgegeben und hoffen, dass es dafür Geld geben wird.

Ist das das Projekt, das dem ORF als Quotenhit gefehlt hat?
Rubey: Ich weiß nicht. Nach der Erfahrung von „Mitten im Achten“ tu ich lieber tiefstapeln als angeben. Mich hat Fernsehen demütig gemacht.
Stipsits: Man kann Erfolg nicht programmieren. Darber entscheidet das Publikum. Wenn das nach der ersten Folge abdreht und sagt: Das ist nix, dann ist es nix.

Außerdem, Herr Stipsits, Sie haben gerade einen Tatort mit dem Titel „Angezählt“ abgedreht.
Stipsits: Ja, meine dritte Uniformiertenrolle hintereinander. Sie wissen eh. In Österreich ist man schnell in der Uniformierten-Schublade ...

Was kommt von Ihnen 2013?
Rubey: Zwei Kinofilme: „Zweisitzrakete“ von Hans Hofer – Stipsits war auch dabei – und „Die Werkstürmer“ von Andreas Schmid. Im TV gibt es verschiedene Optionen – vor allem „Salambo.“
Stipsits: Ich habe derzeit keine Angebote. Ich warte auf die nächste Uniformiertenrolle.

Was ist mit Kabarett?
Stipsits: Wir machen als Duo weiter. Wir sind eine gute Ergänzung des anderen. Manuel ist der zwänglerische Ordnungsfreak.
Rubey: Und Thomas ist der kreative Chaot, der was in den Block reinfetzt, zu mir sagt: Wie findest das? – und ich kann’s nicht mal entziffern.
Stipsits: Das Programm wird in Episoden ablaufen. Die Hauptperson ist ein Mann, der beschlossen hat, im Wald zu leben.

(kurier) Erstellt am 31.12.2012, 08:52

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