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"Schwanensee" im wenig romantischen Jetzt des Halbwelt-Millieus.
"Schwanensee" im wenig romantischen Jetzt des Halbwelt-Millieus. - Foto: Mats Bäcker

Letztes Update am 31.12.2012, 14:25

"Schwanensee" mit Beats und Samples. Die Schwäne tragen weiße Pelze. Und Tschaikowskys Musik trifft auf Streetdance bei der Show "Swan Lake Reloaded".

Schwanensee im Stockholmer „Dansens hus“. Eine Show beamt das vielleicht berühmteste Ballett der Welt, bei dem die Schwanenprinzessin Odette und ihr böser Zwilling Odile meist von der gleichen Person getanzt werden, ins 21. Jahrhundert.

Der schwedische Choreograf, Tänzer und Produzent Fredrik „Benke“ Rydman hat in seiner modernen Interpretation das klassische Märchen von Prinz Siegfried und der schönen Odette, deren Liebe zueinander durch den Fiesling Rotbart auf die Probe gestellt wird, ins Rotlichtmilieu von heute verlegt.

Remixed – verfremdet

Die Geschichte um Liebe und Gier, Abhängigkeit und Betrug wird so zu einem kühnen Stück modernen Tanztheaters. „Swan Lake Reloaded“ hat im Frühjahr 2013 Österreich-Premiere im MuseumsQuartier.

Tschaikowskys Musik wird bei dieser frischen und urbanen Version mit Beats unterlegt, gesampelt, und bekommt neue Klangfarben durch neue Tracks schwedischer Electro-Produzenten.

Aber nicht ausschließlich Remixe bilden die Soundkulisse: Schwedische Soul-Pop-Rock-Reggae-Rap-Stars wie Salem Al Fakir, Moneybrother, Eye N’I oder Adiam Dymott haben eigens Songs für die Produktion komponiert.

Zu den überraschenden Musikeffekten und zur temporeichen Choreografie voller Streetdance-Elemente kommt ein spektakuläres Lichtdesign von Linus Fellbom und Emma Westerberg, die bereits mit internationalen Stars wie Björk und Rufus Wainwright gearbeitet haben.

Fellbom kreierte die Beleuchtung für bisher mehr als 160 Produktionen und sorgt demnächst auch wieder in Österreich beim Ballett „Ein Sommernachtstraum“ (Premiere: 16. März) von Jorma Elo und Felix Mendelssohn-Bartholdy an der Volksoper für das richtige Licht.

Die Kostümbildnerin Lehna Edwall arbeitet nicht nur für die Theater-, Opern- und Musical-Bühnen, sondern hat auch schon Filme – etwa die Serie „Kommissar Wallander“ – ausgestattet.

In Wirklichkeit eher schmächtig wirkt der Tänzer Daniel Koivunen: Auf der Bühne mutiert er als Baron von Rotbart in einer diabolisch kühlen Performance zum Zuhälter und Drogendealer, der seine Schwäne – drogenabhängige Prostituierte – mit Heroin versorgt. Er funkt prompt dazwischen, als sich die schöne Odette (Maria Andersson) in Prinz Siegfried (Robert Malmborg) verliebt.

Impressionen von "Swan Lake Reloaded"

 

Tradition und Zeitgeist

Der künstlerische Leiter Fredrik Rydman feierte als Mitglied der Streetdance-Kompanie „Bounce“ europaweit Erfolge und begann mit Shows wie „Insane in the Brain“, einer Inszenierung von „Einer flog über das Kuckucksnest“.

Auch bei „Swan Lake Reloaded“ geht’s ihm darum, „eine komplexe Handlung mit modernen tänzerischen Mitteln ausdrucksstark und bildgewaltig darzustellen“. Ins erzählerische und künstlerische Konzept bindet er die technisch und akrobatisch anspruchsvollen Choreografien einer Streetdance-Show ein. Er will Hochkultur und Entertainment zum audiovisuellen Gesamtkunstwerk fusionieren. So gehören zum zehnköpfigen Ensemble auch renommierte Breakdancer wie Fredrik „Kaos“ Wentzel.

www.swan-lake-reloaded.de 26. 2.–3. 3., MuseumsQuartier Wien, Halle E; Karten 01 / 96 096 und unter www.oeticket.com

(KURIER) Erstellt am 31.12.2012, 14:25
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