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Hinreißend: Cecilia Bartoli und Lawrence Brownlee in „Comte Ory“.
Hinreißend: Cecilia Bartoli und Lawrence Brownlee in „Comte Ory“. - Foto: Theater an der Wien/PhotoWerk/Werner Kmetitsch

Letztes Update am 24.02.2013, 16:36

Bartolis verspäteter Triumph in Wien. Rossinis „Le Comte Ory“ als Glücksfall einer Opernproduktion.

Darf man es einmal ganz deutlich sagen? Das Theater an der Wien ist und bleibt das spannendste Opernhaus der Stadt. Warum? Ganz einfach: Auch wenn vielleicht nicht immer alles gelingt, an der Wien wird das Musiktheater richtig gelebt. Sogar unter schwierigen Bedingungen.

Eine Virusinfektion hatte Opernstar Cecilia Bartoli eine Woche lang schachmatt gesetzt; die Premiere und zwei Folgevorstellungen von Gioachino Rossinis „Le Comte Ory“ bestritt die Südafrikanerin Pretty Yende – eine phänomenale Einspringerin.

Nun aber ist Bartoli wieder gesund und bot dem Publikum das, was dieses erwartete: Ein Feuerwerk an vokaler Virtuosität und Spielwitz. Als Gräfin Adèle demonstrierte die Mezzosopranistin eindrucksvoll, warum sie zu den begehrtesten Sängerinnen der Gegenwart zählt. Und das in einer Produktion, die Maßstäbe setzt.

Szenenbilder

 

Gesamtkunstwerk

Denn das Regie-Duo Moshe Leiser und Patrice Caurier hat Rossinis komische Oper rund um den hormongesteuerten Grafen Ory, der nicht nur Gräfin Adèle mit allerlei Tricks erobern will, brillant in Szene gesetzt. Ein grandioses, inzwischen fast eingeschworenes Ensemble sorgt für Spaß und Tempo.

Ein Umfeld, in das sich die Bartoli perfekt einfügt. Sie versteht es, in einen einzigen Ton, in eine einzige Koloratur so viel Farbe, so viele (auch emotionale) Schattierungen einzubringen, dass man aus dem Staunen kaum herauskommt. Bartolis Wandlung von der prüden zur erotischen (der Page ist es, nicht der Graf!) Frau ist purer Genuss. So lustig, so verführerisch kann Oper sein.

Doch nicht nur Bartoli ist ein Ereignis: Tenor Lawrence Brownlee ist ein stimmlich wie auch darstellerisch toller Graf Ory, der an der Seite des Superstars Bartoli keine Wünsche offen lässt. Brownlee ist ein idealer Widerpart.

Dazu kommen die ausgezeichnete Sopranistin Regula Mühlemann als kecker, letztlich siegreicher Page Isolier sowie der sehr gute Pietro Spagnoli als des Grafen Gefährte. Die sehr starke Liliana Nikiteanu und Peter Kálmán holen sich in den kleineren Partien ihre Pointen. Gleiches gilt für den exzellenten Arnold Schoenberg Chor.

Am Pult des Ensembles Matheus sorgt Jean-Christophe Spinosi für ein Feuerwerk an zündenden Melodien. Dieser Rossini ist rassig, hat viel Esprit. Und Cecilia Bartoli erntet – wie alle anderen – den ihr zustehenden Jubel. Grandios.

KURIER-Wertung: ***** von *****

(kurier) Erstellt am 24.02.2013, 16:32

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