Bartolis verspäteter Triumph in Wien

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Foto: Theater an der Wien/PhotoWerk/Werner Kmetitsch Hinreißend: Cecilia Bartoli und Lawrence Brownlee in „Comte Ory“.

Rossinis „Le Comte Ory“ als Glücksfall einer Opernproduktion.

Darf man es einmal ganz deutlich sagen? Das Theater an der Wien ist und bleibt das spannendste Opernhaus der Stadt. Warum? Ganz einfach: Auch wenn vielleicht nicht immer alles gelingt, an der Wien wird das Musiktheater richtig gelebt. Sogar unter schwierigen Bedingungen.

Eine Virusinfektion hatte Opernstar Cecilia Bartoli eine Woche lang schachmatt gesetzt; die Premiere und zwei Folgevorstellungen von Gioachino Rossinis „Le Comte Ory“ bestritt die Südafrikanerin Pretty Yende – eine phänomenale Einspringerin.

Nun aber ist Bartoli wieder gesund und bot dem Publikum das, was dieses erwartete: Ein Feuerwerk an vokaler Virtuosität und Spielwitz. Als Gräfin Adèle demonstrierte die Mezzosopranistin eindrucksvoll, warum sie zu den begehrtesten Sängerinnen der Gegenwart zählt. Und das in einer Produktion, die Maßstäbe setzt.

Szenenbilder

Lawrence Brownlee als "Le Comte Ory" und das Ensemble Cecilia Bartoli kann die ersten beiden Aufführungen am 16. und am 18.2. nicht singen. Hier ist sie bei Probenaufnahmen als "La Comtesse Adele de Formoutiers" neben Lawrence Brownlee (als "Le Comte Ory") zu sehen. Cecilia Bartoli als "La Comtesse Adele de Formoutiers" und Lawrence Brownlee als "Le Comte Ory" Cecilia Bartoli als "La Comtesse Adele de Formoutiers" ein Kreuz tragend und Mitglieder des Ensembles Lawrence Brownlee als "Le Comte Ory", Regula Mühlemann als "Isolier" und Cecilia Bartoli als "La Comtesse Adele de Formoutiers" (von hinten nach vorne) Pretty Yende sprang für die kurzfristig erkrankte Cecilia Bartoli ein. Den Wienern ist Yende als Siegerin des Hans-Gabor-Belvedere-Gesangswettbewerbs 2010 in Erinnerung. Damals hatte die Sängerin nicht nur den Hauptpreis in der Kategorie Oper als auch im Fach Operette gewonnen, sondern auch noch den Preis der internationalen Medienjury sowie den Kammeroper-Publikumspreis mit nach Hause genommen.

  Pretty Yende hatte die Rolle bereits Anfang des Jahres an der New Yorker MET gesungen und ist als Adele bereits für 2014 an die Mailänder Scala engagiert.

  Lawrence Brownlee (l.) als "Le Comte Ory" und dei glänzende Einspringerin Pretty Yende als "La Comtesse Adele de Formoutiers" Lawrence Brownlee als "Le Comte Ory", Regula Mühlemann als "Isolier" und Pretty Yende als "La Comtesse Adele de Formoutiers" (von hinten nach vorne) Lawrence Brownlee als "Le Comte Ory" Regula Mühlemann als "Isoier" und Lawrence Brownlee als "Le Comte Ory" Peter Kalman als "Le Gouverneur" mit dem Arnold Schoenberg Chor. Sängerinnen des Schoenberg-Chors Pretty Yende als "La Comtesse Adele de Formoutiers" (stehend), Regula Mühlemann als "Isoier" und Lawrence Brownlee als "Le Comte Ory" mit Ensemblemitgliedern

Gesamtkunstwerk

Denn das Regie-Duo Moshe Leiser und Patrice Caurier hat Rossinis komische Oper rund um den hormongesteuerten Grafen Ory, der nicht nur Gräfin Adèle mit allerlei Tricks erobern will, brillant in Szene gesetzt. Ein grandioses, inzwischen fast eingeschworenes Ensemble sorgt für Spaß und Tempo.

Ein Umfeld, in das sich die Bartoli perfekt einfügt. Sie versteht es, in einen einzigen Ton, in eine einzige Koloratur so viel Farbe, so viele (auch emotionale) Schattierungen einzubringen, dass man aus dem Staunen kaum herauskommt. Bartolis Wandlung von der prüden zur erotischen (der Page ist es, nicht der Graf!) Frau ist purer Genuss. So lustig, so verführerisch kann Oper sein.

Doch nicht nur Bartoli ist ein Ereignis: Tenor Lawrence Brownlee ist ein stimmlich wie auch darstellerisch toller Graf Ory, der an der Seite des Superstars Bartoli keine Wünsche offen lässt. Brownlee ist ein idealer Widerpart.

Dazu kommen die ausgezeichnete Sopranistin Regula Mühlemann als kecker, letztlich siegreicher Page Isolier sowie der sehr gute Pietro Spagnoli als des Grafen Gefährte. Die sehr starke Liliana Nikiteanu und Peter Kálmán holen sich in den kleineren Partien ihre Pointen. Gleiches gilt für den exzellenten Arnold Schoenberg Chor.

Am Pult des Ensembles Matheus sorgt Jean-Christophe Spinosi für ein Feuerwerk an zündenden Melodien. Dieser Rossini ist rassig, hat viel Esprit. Und Cecilia Bartoli erntet – wie alle anderen – den ihr zustehenden Jubel. Grandios.

KURIER-Wertung: ***** von *****

(kurier) Erstellt am

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