Bluffte Beyoncé bei der Nationalhymne?

 Beyonce sings National Anthem during inauguration
Foto: Reuters/KEVIN LAMARQUE

Aufregung um Beyoncés angeblichen Playback-Auftritt bei der Vereidigung des US-Präsidenten.

Nach dem zunächst vielgelobten Auftritt der Sängerin Beyoncé bei der feierlichen Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama, sorgen nun Playback-Vorwürfe in den USA für Wirbel. Die 31-Jährige habe die Nationalhymne nicht live gesungen, berichteten zahlreiche US-Medien am Dienstag unter Berufung auf eine Sprecherin der US-Marineband, die gemeinsam mit der Sängerin aufgetreten war.

Inaugural Swearing In Foto: AP/Evan Vucci Präsident Obama bedankt sich bei der Sängerin. "Die ganze Musik für die Zeremonie wird vorher aufgenommen, weil an dem Tag so viel schiefgehen kann", wurde die Sprecherin beispielsweise in der New York Post zitiert. "Kurz vor Beginn sind wir informiert worden, dass Beyoncé den aufgenommenen Song benutzen würde." Beyoncé äußerte sich zunächst nicht.

Beyonce.jpg Foto: beyonce.com Dieses Bild veröffentlichte Beyoncé auf ihrer Homepage. Die Sängerin hatte am Wochenende Fotos im Internet veröffentlicht, auf denen sie in einem Aufnahmestudio zu sehen ist. Auf einem Bild ist auch ein an einem Mikrofon befestigtes Notenblatt der Nationalhymne zu erkennen.
Per Nachrichtendienst Twitter äußerten sich binnen kürzester Zeit nach dem Auftauchen der Playback-Vorwürfe hunderte Menschen. "Dass Beyoncé 'The Star Spangled Banner' (so der offizielle Name der US-amerikanischen Nationalhymne, Anm.) lippensynchron singt, lässt mich fundamentale Wahrheiten der menschlichen Existenz anzweifeln", brachte ein User sein Unverständnis pointiert zum Ausdruck.

Die Playback-Desaster im Showbiz

Das Showgeschäft ist ein hartes: Da soll getanzt und mit dem Publikum geflirtet werden, dazu soll man sich auch noch an die Songtext erinnern. Kein Wunder, dass darüber viele Musiker auf das Entbehrlichste verzichten: Den Gesang. Schließlich kann der auch vom Tonband kommen. Auch die große Whitney Houston, mit einer der schönsten Stimmen der letzten 50 Jahre gesegnet, griff ab und an auf das Tonband zurück. Und so wie hier auch einmal richtig daneben. Fabrice Morvan und Rob Pilatus von Milli Vanilli werden für immer mit dem tragischen Selbstmord von Rob Pilatus (rechts) verbunden werden. In die Musikgeschichte gehen sie allerdings mit einem peinlichen Auftritt bei MTV ein. Bei der angeblichen Live-Performance hängte das Band Link. Britney Spears singt sowieso nur jede zweite Strophe - und die meistens nicht richtig. Ein fieser Tontechniker schnitt einen Live-Auftritt der Sängerin mit und zeigt, wie es klingt, wenn das Tonband ausnahmsweise mal nicht die eigentliche Stimme übertönt. Link. Damit auch wirklich jedem das ganze Ausmaß des Betrugs klar wird: Auch in der "guten alten Zeit" wurde fleißig lippensynchron gesungen. Sogar in "Sound of Music". Link. Auch in der Klassik wird geschummelt. Selbst von Größen wie Luciano Pavarotti. Im Gegensatz zu Britney Spears und Co. zweifelt bei ihm aber deswegen niemand an seinem Können. Das hat er zu Lebzeiten oft genug bewiesen. Trotzdem: Dass er hier nicht live sang, wurde erst nach dem Tod des Tenors im Jahr 2007 bekannt. Aber Michael Jackson sang alles live! Falsch. Auch der "King of Pop" schummelte sich durch seine Songs. So wie hier durch "Billie Jean". Sie als das südtiroler Äquivalent zu Michael Jackson zu bezeichnen, wäre wohl zuviel des Guten. Zumindest in Sachen Playback können die Kastelruther Spatzen aber durchaus mit dem "King of Pop" mithalten.  Sie übertreffen ihn sogar - sollen sie bei Albumaufnahmen doch nicht einmal ihre Instrumente selbst spielen, so der Vorwurf ihres Managers.
Dass sie es doch können, wollten sie mit diesem Auftritt im Musikanten Stadl beweisen. "Wenn schon Playback, dann aber wirklich", dachten sich Nirvana 1991 bei ihrem legendären Auftritt bei Top of the Pops. Die Show auf der BBC wurde eigentlich nur mit Voll-Playback aufgezeichnet. Doch das gefiel den Grunge-Pionieren gar nicht. Sie vereinbarten, dass zumindest das Mikrofon von Kurt Cobain live zu hören sein würde. Das Ergebnis sehen Sie hier.
Krist Novoselić und Dave Grohl sprangen herum und tanzten - nur ihre Instrumente spielten sie nicht. Und Kurt Cobain machte aus "Smells Like Teen Spirit" einen Kirchen-Choral. So macht Playback Spaß - und nur so.

Überzeugen Sie sich selbst: Das Video vom Auftritt

Beyoncés Karriere im Überblick

(APA / kob) Erstellt am
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