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Topf ohne Deckel: Manfred (42) sucht einen starken, ruhigen, unternehmungslustigen, ehrlichen Lebensgefährten
Topf ohne Deckel: Manfred (42) sucht einen starken, ruhigen, unternehmungslustigen, ehrlichen Lebensgefährten - Foto: ©ERNST KAINRRSTORFER

Letztes Update am 15.05.2012, 16:00

Bauer sucht Mann: Premiere bei ATV-Show. Bei der ATV-Kuppelshow "Bauer sucht Frau" (ab Mittwoch, 20.15 Uhr) macht erstmals ein homo­sexueller Mann mit.

Manfred ist ein quirliger Mensch, der gern und viel redet. Er lebt auf dem Hof seiner Eltern in der Weststeiermark. Er ist "nicht schwul, sondern homosensationell" und sucht "keinen Schwulen, sondern einen Mann." Er ist der erste Kandidat in der Geschichte von "Bauer sucht Frau", der einen gleichgeschlechtlichen Partner sucht.

Bei anderen Kuppelsendungen – etwa Elizabeth T. Spiras "Liebesg’schichten und Heiratssachen" – wurden schon gleichgeschlechtliche Ehen gestiftet. Dass es bei "Bauer sucht Frau" länger gedauert hat, liegt laut ATV-Sprecher Christoph Brunmayr daran, dass "nicht so viele Bauern offen homosexuell leben und dann auch noch ins Fernsehen wollen. Wir wollten schon lange einen homosexuellen Bauern, jetzt hat es mit Manfred endlich geklappt."

Der 42-jährige Manfred, der zugibt, die Sendung noch nie gesehen zu haben, bewarb sich auf Anraten einer Verwandten. Dass sein öffentliches Auftreten polarisieren könnte, scheint ihm kein Kopfzerbrechen zu bereiten. "Wenn man immer darauf schaut, was die anderen denken, hat man schon verloren. Ich bin, wie ich bin. Wenn sich jemand auf den Schlips getreten fühlt, kann man nichts machen."

"Ich bin dem Lauda dankbar"

Offen gelebte Homosexualität ist in Österreich (und in österreichischen Medien) noch keine Selbstverständlichkeit. Erst vor etwa einem Jahr wurde der "Dancing Stars"-Antritt von Alfons Haider heftig diskutiert; Niki Lauda äußerte öffentlich sein Missfallen.

"Ich bin dem Lauda total dankbar“, lacht Christian Högl, Obmann der Homosexuellen Initiative (HOSI). "Wir können keine Veränderungen herbeiführen, wenn die Leute nicht diskutieren. Vorbehalte und Bedenken müssen formuliert werden könne. Ich verstehe, dass es Ängste gibt. Man muss sie ernst nehmen und mit Argumenten arbeiten. Und wenn jemand sagt: Ich mag keine effeminierten Männer, ist das auch sein gutes Recht."

Entwicklungen wie die aktuelle – dass ein Mann via Fernsehsendung einen Lebensgefährten sucht – sind für Högl ein "Mosaikstein": "Ich erwarte mit von solchen Einzelaktionen keine tief greifenden gesellschaftspolitischen Veränderungen, aber jeder einzelne Schritt führt uns näher an das Ziel." Dabei sei der Standard in Österreich mittlerweile schon sehr hoch: "Vor zwanzig Jahren waren Homosexuelle noch am Rand der Gesellschaft. In großen Städten wie Wien hat sich das komplett geändert. Nur im ländlichen Bereich ist es noch ein bisschen ungewöhnlich."
Eine Erfahrung, die auch Manfred gemacht hat: "Bleib du auf deiner Seite, dann ist alles gut. Aber komm mir blöd und es clasht."

(kurier) Erstellt am 15.05.2012, 15:26

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