Thursday, May 24, 2012

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Sind diese fettleibigen Frauen schön?

Yossi Loloi sagt ja. Der Fotograf will mit seinen Bildern von adipösen Frauen dem standardisierten Schönheitsideal unserer Gesellschaft widersprechen.

Letztes Update am 22.02.2012, 07:18


Yossi Loloi wandert auf Paul Rubens Spuren. Der italienische Fotograf porträtiert in seinen Bildern fettleibige Frauen. In erotischen Posen. Für viele passt diese Kombination nicht zusammen.

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Für Loloi schon. Er will mit seiner Bildserie "Full Beauty Project" der "Diktatur der Ästhetik" entgegenwirken - der von Medien beeinflußten Vorstellung, was man als ästhetisch schön zu betrachten hat, und was nicht.

Seit fünf Jahren fotografiert er sehr korpulente Frauen in Unterwäsche oder ganz nackt. Er fühle sich schon lange von dicken Körpern angezogen, erzählt Loloi im KURIER-Interview.

In New York ist er vor einigen Jahrem mit einer ganzen Community an Fettleibigen in Kontakt gekommen. Diese Erfahrung war der Startschuss ...

... für sein Projekt, das sich mit der gesellschaftlichen Sichtweise adipöser Frauen beschäftigt.

"Für mich als Künstler und Fotograf ist es sehr wichtig, eine Welt aufzuzeigen, die dem Mainstream unbekannt ist", so die Begründung für seine Bildserie.

Loloi will, dass sich die Betrachter der Bilder Zeit nehmen, um die Fotos auf sich wirken zu lassen und sich ganz bewusst zu fragen, ob man mag, was man sieht.

Der Fotograf will dem seiner Meinung nach standardisierten Schönheitsideal unserer Gesellschaft mit seinen Aufnahmen widersprechen.

Schönheit könne gerade dort gefunden werden, wo man glaubt sie nicht zu finden, wo sie nicht erwartet wird, ist sich Loloi sicher.

"Ich akzeptiere nicht, dass es eine Maßeinheit dafür gibt, was gefällt oder was nicht".

In der Realität, abseits der künstlichen und einheitlichen Bilder aus TV, Internet und Zeitschriften sei nämlich gerade die extreme Unterschiedlichkeit von Menschen Standard.

Große Schwierigkeiten, dicke Frauen dazu zu bekommen, sich nackt in selbstbewussten Posen ablichten zu lassen hat Yossi Loloi nicht. ...

... "Am Beginn des Projektes war es etwas schwieriger, aber ich hatte nie große Probleme damit, Frauen, die ich fotografieren will, für meine Arbeit zu begeistern."

Loloi weiter: "Die Beziehung die sich dabei (Anm. Fotoshootings) aufbaut ist sehr überraschend. Am Ende des Fotoshootings habe ich oft das Gefühl, dass sich so etwas wie Freundschaft entwickelt. Sie (Anm. die Models) haben in der Regel überhaupt keine Angst vor dem Shooting."

Nur selten wolle eines der Modelle bestimmte Körperstellen wie ihre Brüste nicht zeigen.

"Die Frauen, die ich fotografiere lieben ihren Körper und es ist wichtig, dass das so ist, sonst würde ich sie damit unweigerlich vorführen".

Generell seien sie sehr selbstbewusst, sie müssten sich ja auch jeden Tag gegen Vorurteile und Häme wegen ihres Gewichts wehren.

Welche gesundheitlichen Risiken diese Fettleibigkeit für die Models darstellt und welche erheblichen Einschränkungen im Alltag durch Fettsucht entstehen, darauf geht Loloi nicht ein.

Er beschäftigt sich in seinem Projekt ausschließlich mit dem Ästhetik-Begriff. Dass sich dieser im Laufe der Geschichte stark gewandelt hat, ist bekannt.

Im Mittelalter galten breite Becken und kleine Brüste als attraktiv, ...

... noch bis Ende des 19. Jahrhunderts fand man Fauen mit ausladenden Kurven schön.

Yossi macht mit seinen Fotos bewusst, dass Schönheit zum einen eine ganz individuelle Betrachtungsweise ist, es aber auch einen "Mainstream-Geschmack" gibt - der sich immer wieder ändert und hinterfragt werden soll.

Für Yossi Loloi gibt es kein richtiges oder falsches Aussehen. Es wäre doch "furchtbar langweilig!" wenn alle gleich aussehen, so Yossi Loloi.



Letztes Update am 22.02.2012, 07:18


Artikel vom 22.02.2012 07:16 | KURIER | Christina Michlits | « zurück zu Kultur


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