Teil 14: Frau Trude und die mörderische 77
Krimi-Interview mit Beate Maxian Zum Hauptartikel
Die Autorin der vierzehnten Folge des Trude-Ratzig-Krimis im KURIER-Interview.
Beate Maxian
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Die Autorin der vierzehnten Folge des Trude-Ratzig-Krimis im KURIER-Interview
Weshalb ist Morden so faszinierend - was macht die Lust am Krimi aus?
Es ist die Frage, die dahinter steht. Was muss passieren, damit ein Mensch zum Verbrecher wird? Diese Frage hat sich bereits Friedrich Schiller in seiner Erzählung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre", gestellt. Die Auseinandersetzung mit dem Verhalten in einer Situation, die Hintergründe einer Tat. Ein psychotischer Mörder z.B. tötet aus einem anderen Motiv heraus, als ein psychopathischer Mörder. Kurzum: Es ist der Mensch, der mich interessiert, in all seinen guten und bösen Facetten.
Warum haben Sie sich für das Genre Krimi entschieden?
Ich fand es reizvoll, mich mit dieser Art der Literatur auseinanderzusetzen, zumal ich selbst sehr gerne Krimis lese. Zusätzlich diszipliniert einen das Schreiben von Kriminalromanen. In kaum einem anderen Genre muss man derart den Überblick über die Handlungsabläufe behalten. Jeder Satz, jedes Wort sollte im Kontext zur Geschichte stehen und ich darf meine Leser niemals mit offenen Fragen alleine lassen.
Der österreichische Krimi schrieb ja in den letzten Jahren eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Weshalb ist das so und was macht ihn so besonders? Und ganz allgemein: Weshalb erfreut sich das Genre eines so großen Publikumserfolgs?
Das wäre doch eine schöne Frage für eine Leserbefragung. Sich mit dem sogenannten Bösen auseinander zu setzen, war schon immer faszinierend. Das Verbrechen als Drehpunkt eines Geheimnisses, verschiedenste Figuren in Extremsituationen zu beobachten, ohne dabei Gefahr zu laufen, selbst in diese Lage zu geraten und am Schluss der emotional angespannten Reise wieder wohlbehalten im eigenen Wohnzimmer zu landen, das fesselt ganz einfach.
Wer mordet fieser, raffinierter, böser: Mann oder Frau?
Die Psyche des Täters kann natürlich Rollenbilder auf den Kopf stellen, aber einen ist klar, Frauen morden zumeist anders als Männer, weniger gewalttätig, dafür planen sie meines Wissens öfter als Männer, wenn sie morden. Schon wegen ihrer geringeren Körperkraft, sind sie darauf angewiesen, eine Gelegenheit abzuwarten, z.B. wird Gift eher von Frauen als Männern benutzt, obwohl Frauen in letzter Zeit auch oft zum Messer greifen. Aber eines ist auch statistisch belegt: Frauen werden deutlich weniger oft straffällig als Männer.
Was zeichnet den österreichischen Detektiv/Kommissar aus? Was unterscheidet ihn von anderen, z.B. englischen, italienischen, deutschen Protagonisten?
Kultur, Umfeld, Sprache. Das alles prägt Menschen, auch Autoren und damit auch ihre Figuren.
Eine gewisse Portion Schmäh und geistige Stimmung, gefällt Lesern genauso wie die Denkweise der österreichischen Ermittler. Der teilweise bissige Humor wird andernorts, manchmal auch fälschlich, als liebenswürdig oder zumindest exotisch interpretiert. Mit anderen Worten, der österreichische Ermittler muss kein Übermensch sein, der jede Situation im Griff hat. Er/Sie kann sich durchaus auch einmal mit Dingen beschäftigen, die nicht der Wahrheitsfindung dienen.
Ihr liebster Krimi-Held (abgesehen vom eigenen) bzw. Autor?
Ich bevorzuge die klassische Form der Kriminalliteratur, mag kammerspielartige Abläufe.
Es gibt sehr viele Autoren, deren Romane ich gerne lese, deswegen nenne ich keine Namen.
Was muss der "Held" eines Krimis verkörpern?
Das ist schwer zu sagen, denn jeder hat hier seine Vorlieben. Für mich muss ein "Held" in erster Linie glaubwürdig sein, egal in welcher Gesellschaftsordnung sich die Figur bewegt.
Die Frau im Krimi - sowohl als Autorin als auch als Protagonistin. Bitte ein paar Gedanken dazu.
Frauen leben in anderen Alltagssituationen als Männer, sind stärker auf soziale Sensibilität geschult, gehen daher auch anders mit typischen Krimithemen wie Gewalt und Mord um. Auch haben Autorinnen und ihre weiblichen Figuren keine angst vor Gefühlen, denn Emotionen sind nun einmal weiblich. Dennoch sollte man Frauen niemals unterschätzten - ich zitiere die englische Schriftstellerin Minette Walters:" Man sollte sich nie, zwischen eine Frau und das was sie haben will, stellen."
Können Sie sich noch an den ersten gelesenen Krimi Ihres Lebens erinnern? Wenn ja - welcher war das und was war gut/schlecht daran?
Bereits als Kind habe ich die Bücher von Enid Blyton verschlungen. Später kamen Edgar Allen Poe, Friedrich Dürrenmatt, Patricia Highsmith und Agatha Christie. Da ich immer viel und gerne gelesen hab, weiß ich nicht mehr genau, welcher Krimi mein erster war.
Wird man beim Schreiben des Krimis selbst ein wenig zum Täter, bzw. anders: Mit wem kann man sich mehr identifizieren, mit dem Ermittler oder mit dem Täter. Welche Person ist anziehender?
Der Kriminalroman hat äußerst selten und dann auch nur bedingt mit der Realität zu tun, auch wenn darin sozial- oder gesellschaftsrelevante Themen aufgegriffen werden, so bleibt es dennoch ein Roman, der sich den strengen Regeln der Dramaturgie und dem Plot unterwerfen muss.
Bei mir ist immer der Ermittler oder das Opfer Mittelpunkt meines Schreibens, weil ich im Grunde genommen Gewalt in jeglicher Form ablehne und mich daher nur schwer mit Tätern identifizieren kann, obwohl oder vielleicht gerade, weil ich viel recherchiere, bevor ich eine "Tat" ausführe.
Krimis wurden ja lange als triviale U-Literatur abgetan - im Feuilleton habe ich aber unlängst den Satz gelesen "Der Kriminalroman ist die ideale Form des Gesellschaftsromans". Was meinen Sie dazu?
Dem stimme ich zu. Denn der Gesellschaftsroman spiegelt ja in erster Linie das gesellschaftliche Leben und die zeitgenössische Denkweise wider, genau wie Kriminalromane, die sich durchaus thematisch der heutigen Alltagsprobleme und sozialen Wirklichkeit annehmen. Zusätzlich hat sich der Kriminalroman längst als ernst zu nehmenden Literatur bewiesen. Die Klassifikation der E- und U-Literatur finde ich persönlich unglaublich einfältig und antiquiert. Oder würde jemand ernsthaft Werke von Friedrich Dürrenmatt oder Friedrich Glauser, um nur zwei zu nennen, als triviale U-Literatur abtun?
Ihr bevorzugter TV-Krimi, so Sie einen haben - und: Was ist im Fernsehen anders als im Buch?
TV-Krimi bevorzuge ich keinen bestimmten, schaue aber regelmäßig. Ich liebe Thriller mit einem guten Spannungsbogen.
Der Roman und ein Drehbuch fürs Fernsehen sind grundverschieden. Romane bewegen sich ungehindert von häufig wechselnden Schauplätzen - zum inneren Monolog - zu einem Dialog - in eine Erinnerung usw.. Es gibt im Grunde genommen keine Grenzen.
Im Film muss man sich auf das Visuelle, das Sichtbare konzentrieren. Filme sind die bewegten Bilder einer Geschichte - wie der englische Ausdruck - moving pictures - schön verdeutlicht. Ausnahmen sind so wunderbare Filme wie: Ein ganz gewöhnlicher Jude mit Ben Becker in der Hauptrolle. Aber auch hier kann der Film Emotionen durch Lichteinfall, Bildeinstellungen oder der Mimik des Schauspielers erklären. Im Roman würde dies in Worte gekleidet werden.
Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett - und Sie?
Auf gar keinen Fall
Beate Maxian im Wordrap:
MÖRDER: "Tod."
ALIBI: "Beweis."
BULLE/POLIZIST: "Sandra Anders (meine Ermittlerin)".
MOTIV: "Langeweile."
TATORT: "Wohnzimmer."
TATWAFFE: "Gift."
Die Autorin: Beate Maxian
1967 in München geboren, lebt in Österreich.
Widmete sich div. Projekten im Film-, TV-, Medien- und Event-Bereich. 2007: Thriller "Tödliche SMS" (Wien-Live Edition). Zuvor hatte Maxian mit der Kommissarin Sandra Anders
eine chaotisch unkonventionelle Figur geschaffen. Nach drei "Attersee-Krimis" erscheint nun der vierte "Anders"-Fall: "Tod dem Knecht" (Prolibris Verlag). Sie ist Initiatorin und Organisatorin des österreichischen Krimi Literatur- Festivals "Mörderischer Attersee".
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