Burning Gears 2010
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Donnerstag, 18. März 2010

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Kammerspiele: Die Mörderin des hohen C

Kritik: "Souvenir" mit Désirée Nick als Florence Foster Jenkins in den Wiener Kammerspielen.

Désirée Nick als Florence Foster Jenkins. Eine skurrile Traumtänzerin Désirée Nick als "Florence Foster Jenkins". Eine skurrile Traumtänzerin. DruckenSendenLeserbrief
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Keine konnte so gekonnt falsch singen. Jeder Ton kein Treffer. "Souvenir" des englischen Autors Stephen Temperley - bis 17. 3. in den Kammerspielen - erzählt die Geschichte der Florence Foster Jenkins (1868-1944), der be- rühmtesten Schreckschraube der Operngeschichte. Musikbesessen, aber gänzlich unbegabt war die amerikanische Millionenerbin. Exzentrisch, gnadenlos und von Selbstzweifeln nie angekränkelt.

"Souvenir" wirft sie dem Publikum nicht als billige Lachnummer zum Fraß vor, sondern zeigt sie als skurrile Traumtänzerin, die Intonation und Tonhöhen als nur Ungefähres begriff und sich von der schnöden Realität nicht in ihren Sehnsüchten nach der hohen Kunstbeschränken ließ. Ein Glücksgriff, dass Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger die deutsche Erstaufführung vom Berliner Re naissance-Theater nach Wien geholt hat. Bei der Premiere am Donnerstag gab's bereits nach wenigen Minuten Szenen-Applaus und am Ende Jubel und Bravo-Rufe.

Schräg und schrill

Hinreißend Wie Desirée Nick diese zwischen Pfusch und Parodie, zwischen Realitätsverweigerung und Irrsinn angesiedelten Witzfigur verkörpert, die noch 76-jährig mit einer zum Gotterbarmen misstönenden Arie der Königin der Nacht in der von ihr gemieteten und ausverkauften Carnegie Hall auftrat.

Entzückend, wie sich die Berliner Komödiantin, TV-Zuschauern auch als lästernde, Känguruhoden-verzehrende Dschungelqueen bekannt, mit überspitztem Lispeln, exzessivem Tremolo, genüsslich zelebrierten Dissonanzen ebenso schräg wie schrill durch die Opernliteratur koloraturt, lustvoll aber vergeblich Spitzentöne ansteuert, um sie schließlich doch zu verfehlen, und damit jede Sopran-Arie zu massakrieren.
Chapeau! Man muss schon sehr gut singen können, um wie die Nick mit der eingespielten Originalaufnahme der Foster Jenkins bei den demolierten Noten und den falschen Tönen so richtig mithalten zu können.

Wunderbar trockenhumorig: Lars Reichow als Klavierbegleiter Cosme McMoon, der Madame Flo wieder auf die Beine hilft, als nach der Pause das Komische insTragische kippt. Als das katzenjaulige "Ave Maria" der Dilettantin mit den Engelsflügeln und das Johlen aus der Konserve verklungen sind.


Artikel vom 05.02.2010 17:39 | KURIER | Werner Rosenberger


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