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"Das Konzept war Transparenz"

Das "Haus der Europäischen Union" in der Wiener City lädt ein zum Tag der offenen Tür am Nationalfeiertag.

Haus der Europäischen Union. "Haus der Europäischen Union": Die zwei Meter zurückgesetzte Eingangsfront soll Passanten zum Stehenbleiben und Hineinschauen animieren. DruckenSendenLeserbrief
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Das "Haus der Europäischen Union" ist - nach Hans Holleins Haas-Haus und dem Bürokomplex K47 von Dieter Henke und Marta Schreieck der jüngste Neubau in der Wiener City.

Und die Adresse Wipplinger Straße 35 erhitzt die Gemüter: Manche Architektenkollegen qualifizieren den Bau der Architekten Tillner & Willinger und Architekt Steffel ZT GmbH neben derBörse mit der markanten Glas-Aluminiumfassade ab als 70er-Jahre-Architektur.



Open House

Aber wer will, kann sich jetzt ein eigenes Bild machen vom Informationsbüro des EU-Parlaments und der Vertretung der EU-Kommission in Österreich: Am 26. Oktober ist Tag der offenen Tür.

"Das Konzept bei dem Projekt war Offenheit und Transparenz, eine einladende Wirkung zur Wipplingerstraße", sagt Silja Tillner im KURIER-Gespräch. "Die Eingangshalle sollte keine klassische Büro-Lobby, sondern öffentlich benutzbar sein. Wichtig war, dass die, die drinnen stehen, quasi das Gefühl haben, sie stünden auch auf der Straße."


Schutzzone

Die Eingangszone - das zurückgesetzte Erdgeschoss und erste Obergeschoss - nimmt in der Proportion Bezug auf die hohen gründerzeitlichen Erdgeschoß-Zonen. Wichtig waren den Architekten statt der üblichen Fensterbänder raumhohe Verglasungen. Die bewusst nicht glatten, sondern strukturierten Fassaden sind zur Wipplinger- und Hohen staufengasse unterschiedlich gestaltet - mit Rücksicht auf das jeweilige Gegenüber: Theophil Hansens Börse und Ernst Hiesmayrs Juridicum.

Tillner: "Weil es sich hier um eine Schutzzone und um UNESCO-Weltkulturerbe-Gebiet handelt, war das alles sehr sensibel und mit
Denkmalamt und Stadt genau abzustimmen."

Skyline Spittelau

Noch schwieriger waren die Bedingungen beim bisher spektakulärsten Projekt des Teams: An einem der spannendsten stadträumlichen Knotenpunkte erhebt sich über den Stadtbahnbögen in der Spittelau ein Bürogebäude in kühn geschwungener Ellipsenform. Die Stahl-Glas-Konstruktion kontrastiert mit den massiven Viadukten und umschließt einen sichelförmigen Hof.
"Mit dem Projekt habe ich mein Büro eröffnet", so Tillner, "deshalb kam ich aus Los Angeles zurück." Die Architektin freut sich heute noch über die erfolgreiche Belebung dieser Gürtelregion, "wenn die Lokale voller Besucher hinter leuchtenden Glasfassaden sind".

Das gelte auch für das Viertel rund um die Börse, das sich sehr positiv entwickelt habe. "Vor sechs, sieben Jahren war am unteren Ende der Wipplinger Straße überhaupt nichts los. Jetzt ist das Grätzel sehr belebt."
Tillner, Willinger und Steffel überdachten im EU-Haus den 15 Meter breiten Innenhof mit transparentem Material über einem filigran gewölbten Rohrgerüst. So bekam die EU-Vertretung ebenerdig einen Saal für 200 bis 400 Leute.

"Außerdem konnten wir für die hofseitigen Büros optimale Lichtverhältnisse schaffen, damit man dort ganztägig bei Tageslicht arbeiten kann", sagt Tillner. "Das ist gelungen, indem wir die Fassaden um 6,5 Grad schräg gestellt haben. Das ist unüblich, bringt aber viel."

Philosophie

Tillner, kürzlich mit ihrem Büro im Ranking der "Architekten des Jahres" auf Platz 2 gereiht, über ihre Philosophie: "Wir wollen uns keine Denkmäler bauen, sondern qualitativ hochwertige Lösungen finden, die vor allem alle funktionellen Ansprüche erfüllen."

Auch für die Überdachung von Martin Luthers Toilette in Wittenberg lieferten Tillner & Willinger die Vorlage. Am Wohnhaus des Reformators hatten Archäologen vor vier Jahren einen um 1515 entstandenen Anbau freigelegt. Der war seit etwa 1840 im Erdreich verborgen. Er umfasst zwei Räume und die "Luther-Toilette" und bekommt ein Folienkissendach aus einem Material, wie es auch für das Fußballstadion der Münchner Allianz-Arena verwendet wurde.

Baukunst: "Bauten müssen funktionieren"

Zur Person Silja Tillner, Jahrgang 1960, arbeitet nach sechs Jahren Studienaufenthalt in Los Angeles vor allem an langfristigen Städtebau-Projekten. Bürogründung 1995. Ab 2003 Zusammenarbeit mit Alfred Willinger, seit 2007 Architekten Tillner & Willinger ZT GmbH. Schwerpunkt sind Projekte im öffentlichen Raum, städtebauliche
Studien, Membrankonstruktionen, Bürogebäude, städtischer
Nutzbau und Wohnungsbau.
www.tw-arch.at

Projekte Das Architekturbüro Silja Tillner & Alfred Willinger schuf u. a. das kühne Skyline-Bürohaus an der Stadtbahn in der Spittelau und überdachte Martin Luthers Toilette in Wittenberg. Derzeit entstehen ein Bürohaus am Praterstern und ein Passivhaus beim "Eurogate"-Großprojekt in Erdberg.

Tag der offenen Tür EU-Haus, 26. 10. (11 - 16 Uhr, Führung: 12 Uhr), 1., Wipplingerstr. 35
http://ec.europa.eu/austria/

Artikel vom 23.10.2009 16:33 | KURIER | Werner Rosenberger


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