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Seipel: "Hat uns Erfolg nicht gegönnt"

Bald 18 Jahre leitet Wilfried Seipel das Kunsthistorische Museum. Heuer ist sein letztes Jahr: Er sieht das entspannt.

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Höhen und Tiefen markieren seine Karriere: Wilfried Seipel, Direktor des Kunsthistorischen Museums. Ein Gespräch.

KURIER: Wie ist Ihre vorläufige Bilanz als Museumsdirektor? Wilfried Seipel: Als ich ins Museum gekommen bin, war die österreichische Museumslandschaft relativ unterentwickelt. Wir haben große kulturhistorische Ausstellungen gemacht – Maya, Land der Bibel, Ägyptomanie –, und damit auch das kulturelle Leben in Wien geprägt. Ein Spektrum, das wir jetzt auf der Schallaburg und in Leoben weiter führen.

Sie haben sich auch für Museums-Gesetze stark gemacht. Welche waren das?
Das Bundesmuseumsgesetz von 1998, das auch Lex Seipel genannt wurde. Wir sind nach diesem Gesetz auch als erste Anfang 1999 in die Vollrechtsfähigkeit gewechselt. Ein Gesetz, das auf meine Initiative zurückgeht und auf das ich wirklich stolz bin, ist das Staatshaftungsgesetz für Ausstellungen gegenüber Ansprüchen Dritter.

Egon Schieles "Bildnis Wally" aus der Sammlung Leopold ist seit 2000 in Staatsgewahrsam in New York. Könnte Vergleichbares bei uns auch geschehen?
Nein. Dafür gibt es dieses Gesetz, das heute bei Leihgaben, die wir aus Ägypten Russland etc. entgegen nehmen, sehr hilfreich ist.

Hat die Vollrechtsfähigkeit auch Nachteile gebracht?
Es war von Anfang an klar, dass die 1998 berechnete Basisabgeltung um 180 Millionen Schilling zu gering war. Hätte man damals anders kalkuliert, hätte man sich sehr viele Probleme erspart. Das zweite ist, dass man die Inflationsabgeltung nicht in den Vertrag genommen hat.

Heißt das, dass die zu geringe Basissubvention zehn Jahre nicht erhöht wurde? Ja. Anfangs hieß es, dass nach drei bis vier Jahren eine Erhöhung stattfinden werde. Man hört, dass man heute im Finanzministerium stolz darauf sei, dass man den Museen zehn Jahre keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt hat.

Hat die damals zuständige Ministerin Elisabeth Gehrer in dieser Sache etwas versäumt?
Sie hat es nicht geschafft. Und kein grünes Licht vom Finanzministerium bekommen. Mit der Nichtgenehmigung eines relativ läppischen Betrages, hat man ihr – und damit allen Museen – verwehrt, dass ihre Leistungen gewürdigt werden. Man hat uns alle an der ausgestreckten Hand verhungern lassen. Man hat uns den Erfolg nicht gegönnt. Erst Ministerin Claudia Schmidt hat die Basisabgeltung für 2008 angehoben.

Welches Ereignis würden Sie als Tiefpunkt Ihrer Amtszeit bezeichnen?
Den Raub der Saliera natürlich. Es wäre mir der Abschied vom Museum sehr schwer gefallen, wenn die Saliera nicht zurückgekommen wäre. Das waren schwierige Jahre, die jetzt verdaut sind. Sobald ich Ruhe finde, werde ich ein Buch darüber schreiben. Speziell über die mediale Verfasstheit und die politische Instrumentalisierung.

Und wie haben Sie die Wiederauffindung erlebt?
Ja, das Schönste war, als sie wieder gefunden wurde. Ich war damals am Weg nach St. Petersburg und nach den ersten hundert Metern im Auto vom Flughafen zur Eremitage kam ein Anruf von Hofrat Geiger der mitteilte: "Herr Direktor, ich glaub’, wir ham’s."

Wie haben Sie reagiert?
Ich bin sofort umgekehrt und – direkten Flug habe ich keinen bekommen – über Amsterdam nach Wien geflogen. Das waren die schönsten Flüge meines Lebens. Ich habe meine Mitreisenden auf Champagner eingeladen.

Was sind Ihre Vorhaben für 2008?
Die Überdachung des Innenhofes auf Schiene setzen und die Renovierung der Kunstkammer weiterbetreiben. Als Museumsleiter werde ich die Eröffnung der Kunstkammer nicht mehr erleben. Aber vielleicht lädt mich ja mein Nachfolger zur Eröffnung ein.

Wie schätzen Sie sich selbst ein?
Ich bin konservativ, harmoniebedürftig, eitel und ein bisschen ehrgeizig – ein ganz normaler Mensch eben.

Artikel vom 02.01.2008 16:43 | KURIER |


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