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Kurier Fotowettbewerb 2014

Letztes Update am 19.09.2012, 09:54

Vom :) bis :( Happy Birthday, Emoticon!. Das Emoticon wird 30 Jahre alt. Zeit für eine Rückschau, die bis in die Zeit Abraham Lincolns reicht ;)

Scott E. Fahlman ist ein Informatik-Professor an der Carnegie Mellon Universität. Die Nachwelt wird sich seiner aber nicht wegen Beiträgen zu künstlicher Intelligenz oder neuronalen Netze erinnern, sondern wegen drei Anschlägen auf der Computertastatur: ":-)". Vor 30 Jahren beendete der Forscher einen Disput über das korrekte Zeichen für Scherz mit der Anweisung: "Lest es seitwärts".

Damit war das "Seitwärts-Smiley" geboren, der Vorläufer jener animierten und blinkenden Minigrafiken, die als Grinser, Hundeaugen, Flaggen, Yin-Yang-Symbole die Chat-Programme bevölkern.

Aber auch Fahlmans Tasten-Symbol und seine Abwandlungen ";–)" und ":-(" haben die Jahrzehnte überdauert. In eMails und SMSen sind sie heute allgegenwärtig. Ein typischer Facebook-Dialog gefällig?

"XD" (breites Grinsen) .

":P" (herausgestreckte Zunge).

Außerdem existieren zahlreiche kreative Abwandlungen wie ":-L" (Vampir, dem ein Zahn fehlt) oder "};->" (Teufel; von der Co-Autorin dieses Berichts gern benutzt), die allerdings nicht häufig sind. Eine eigene Emoticon-Kultur ist in Japan entstanden: Die asiatischen Emoticons für Freude "(^_^)" oder für Ärger "(_)" werden im Westen nicht verwendet.

"Der Erfolg der Emoticons beruht auf ihrer Einfachheit. SMS sind nach wie vor häufig in Verwendung. Die Kurznachrichten bieten relativ selten die Möglichkeit echte Smileys zu machen. Außerdem haben sie nur 160 Zeichen zur Verfügung und es ist schwer, damit die richtigen Worte zu finden. Die Emoticons bieten die Möglichkeit, schnell ein Zwinker-Smiley oder ein lächelndes Smiley zu machen. Es wäre langwierig zu schreiben: Das finde ich lustig/witzig, ich musste soeben darüber schmunzeln/lachen", erläutert Mario Lehenbauer, Psychologe und Experte für Neue Medien.

Die wahre Funktion der Emoticons ist es aber, das Fehlen von Mimik, Gestik und Tonfall in elektronischen Nachrichten auszugleichen. Ein gravierendes Kommunikationsproblem, sagt Lehenbauer. "Wenn über SMS oder Chatnachricht zehn Minuten nach meiner Frage eine Antwort kommt, habe ich keine Information darüber, ob das Gegenüber nun zehn Minuten für die Antwort benötigte, oder ob es neun Minuten waren, die mit anderen Aktivitäten verbracht wurden, und die Antwort nur eine Minute gedauert hat."

Eines können Emoticons ganz sicher nicht: Spontane Emotionen und Zwischentöne vermitteln. Ob sich das Gegenüber öfter mit der Hand durchs Haar fährt oder nervös mit dem Bleistift spielt, wird nicht ausgedrückt. Facebook-Nutzer Isaac, ansonsten ein großer Emoticon-Fan, beschreibt diesen Mangel in einem vollständigen deutschen Satz: "Leute, sucht euch echte Freunde, mit denen ihr über alles reden könnt."

Interview: Wozu brauchen wir Emoticons überhaupt?

Mario Lehenbauer ist Psychologe an der Universität Wien. Der Forscher ist überzeugt, dass der Erfolg der Zeichen auf ihrer Einfachheit beruht und der Möglichkeit, missverständliche Textpassagen zu entschärfen oder zu betonen.

KURIER: Herr Lehenbauer, sind Emoticons geeignet, Gefühle auszudrücken?

Mario Lehenbauer: :–)

Sollten Menschen, die sich adäquat schriftlich auszudrücken wissen, nicht auf Emoticons verzichten?

:–(

Sind die Emoticons eine reine Spielerei, eine Angelegenheit der jungen Internet-Generation und der SMS-Verschicker?

:-((

Wird es auch in 20 Jahren noch Emoticons geben?

:–/

Okay, Sie sind also kein Prophet, aber zumindest Sie selbst werden Emoticons weiterhin benutzen, auch in Ihrer Online-Beratungstätigkeit?

:–))

Vielen Dank, Herr Lehenbauer.

(kurier/Martin Burger, Inrid Teufl, Adam Kehrer) Erstellt am 17.09.2012, 13:47

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