Verloren in der großen Stadt

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Foto: Slinkachu / Macmillan In seinem dritten Buch geht Slinkachu in die "weite Welt".

Miniatur-Welt: Die Street Art von Slinkachu beeindruckt auf den zweiten Blick.

Der britische Künstler Slinkachu erzählt das ganze Leben aus der Makro-Perspektive. "Little People" nennt er sein Konzept, das ihm zu internationaler Bekanntheit verholfen hat. Darin inszeniert er kleine Figuren vor der Kulisse der Großstadt - postiert die kleinen Menschen auf Gehsteigkanten, lässt sie in Regenpfützen ertrinken und an einer Straßenlaterne tanzen.

Die "Little People" in Aktion

"Kleine Leute in der weiten Welt" ist bereits der zweite Bildband, in dem der britische Street-Artist und Fotograf Slinkachu seine "Little People" vor großer Kulisse inszeniert. Die Bilder spielen mit der Perspektive. Die Street-Art selbst lebt vom Moment des Entdeckt-Werdens. Hier blickt das Miniatur-Männchen unauffällig auf die Skyline Manhattans. Slinkachus Street-Art ist fast übersehbar. Im Rotlichtviertel Hongkongs sind seine Figuren jedenfalls nur schwer auszumachen. "Ich mag den Gedanken, dass sie jemand entdeckt", erklärte der Londoner in einem Beitrag der ARD. "Jemanden überraschen, zum Lachen bringen, ein bisschen Magie in den Alltag." Das ist das erklärte Ziel von Slinkachu. Das gelingt meist auch mit viel Humor. In seinem neuesten Buch hat sich Slinkachu auch auf die Reise nach Athen begeben. Unscheinbar lässt er dort Polizisten in Schutzausrüstung für ein Foto posieren. Die Figuren bastelt Slinkachu zuvor in seinem Londoner Atelier. "Kleine Leute in der weiten Welt" zeigt aber nicht nur lustige Momente einer Parallelwelt im Miniaturformat. Dieses Bild wurde in Kapstadt aufgenommen. Die Modellwelt hat auch Platz für politische Botschaften. Hier schleppt eine Mutter mit ihrem Kind an der Hand Medikamente auf ihrem Kopf. "Auf den ersten Blick wirken die Bilder mit den Figuren niedlich", erklärt Slinkachu im Interview mit der ARD weiter. "Doch oft geht dahinter etwas Dunkles, Melancholisches vor sich." Oft würde man das erst auf den zweiten Blick erkennen. Jedenfalls findet es der Künstler spannend, wenn Passanten ihre eigene Geschichte zu den Figuren erfinden würden. In Slinkachus Welt werden die Figuren gefunden. Hier nicht nur von Passanten,... ... sondern auch von einer Überwachungskamera. Und wo haben sich die kleinen Figuren hier versteckt? Frei nach "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft" wird, eben auch eine kleine Gehsteigkante zum beinahe unüberwindbaren Hindernis. Bei zwei Zentimeter Körpergröße wird auch eine kleine Regenpfütze zum unüberwindbaren Hindernis. Gut, dass Slinkachu auch hier eine nette Lösung parat hat.

Street-Art für Liebhaber

Normalerweise geht es in der Street Art darum größer und bunter, oft auch witziger und pointierter zu sein als der Rest. Es sei denn sie stammt von Slinkachu. Auf den großen Effekt verzichtet der Londoner Street Artist. Seine "Little People" sind für Liebhaber - unscheinbar im öffentlichen Raum. Passanten entdecken die kleinen Figuren oft nur durch Zufall, erst auf den zweiten Blick - dafür freuen sie sich umso mehr die Miniatur-Welt entdeckt zu haben. Andere sind vorbei gegangen und haben die Parallelwelt im Miniformat verpasst.

In seinen Büchern fügt Slinkachu, der auch als Fotograf arbeitet, noch eine zweite Dimension hinzu. Durch das Spiel mit der Perspektive rücken die "Little People" plötzlich in den Mittelpunkt.

"Little People in the City" wurde 2008 so zum Bestseller. Für seinen aktuellen Bildband begab sich der Brite auf Reisen. In "Kleine Leute in der weiten Welt" (auf Deutsch erschienen im Hoffmann und Campe Veralg, 2012) verlassen seine "Little People" das vertraute London und finden sich in Moskau, Hongkong, New York und Kapstadt wieder.

Weiterführende Links

Street-Art Workshop mit Slinkachu anlässlich der Veröffentlichung von "Kleine Leute in der weiten Welt"

Die Website von Slinkachu: slinkachu.com

(KURIER) Erstellt am

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