Letztes Update am 07.05.2012, 07:58
"Tittentsunami" beim Donaufestival.
Mit dem musikalischen Highlight Hercules and Love Affair und dem chaotischen "Tittentsunami" endete am Samstag das Donaufestival in Krems.
Die postmoderne Avantgarde gefällt sich nur allzu gerne in der (selbst)ironischen Pose. Da kann ein völlig ungebrochener, unironischer Abend fast schon provokant wirken - wie etwa der gestrige Abschlussabend des Kremser Donaufestivals, der in der Queer- und genderneutralen Kunst angesiedelt war und dabei so straight rüberkam, dass die eine oder andere Auflockerung der musikalischen Darbietungen dankbar angenommen worden wäre. Doch selbst der chaotische "Tittentsunami" von Dolce After Ghana entpuppte sich gegen Ende nur als Versuch eines diskurs-aktionistischen Lehrstücks.
Dabei hatte der Abschlusstag mit der erhellenden Doku "The Ballad of Genesis and Lady Jaye" über die radikal-existenzialistische Verschmelzung des ehemaligen Throbbing-Gristle-Frontmanns Genesis P-Orridge mit seiner inzwischen verstorbenen Lebenspartnerin im Kino im Kesselhaus einen vielversprechenden Auftakt genommen.
Das anschließende Konzert des zum pandrogynen Wesen verwandelten Protagonisten, das nach dem krankheitsbedingten Ausfall im Herbst nun in Kooperation mit der Viennale nachgeholt wurde, erwies sich in der Minoritenkirche jedoch als recht manieriert.
Quietschende Geigen, elektronisches Gewabere und donnernde Drums hätten in Kombination mit den Spiralnebeln und Galaxien auf der Leinwand eine psychedelische Trance ergeben können, zeitigten aber eher eine recht langgezogene, wehmütige Langeweile.
Dafür durften sich Direktor Hans (Hurch) und seine Punks von der Viennale über ein Geburtstagsständchen zum 50-Jahr-Jubiläum des Festivals freuen, bevor das amerikanische Kollektiv Of Montreal mit einer eklektischen Hippie-Musical-Show die Sixties selbst wieder auferstehen ließen, ohne dabei jedoch allzu großen Nachhall zu erzeugen.
Ähnlich unscheinbar blieben Hunx and his Punx, die klassischen Rock'n'Roll ohne Schnörkel darboten und deren Sänger Seth Bogart sich auch noch in machoiden (ironischen?) Sex-Punk-Posen gefiel, ...
... die Freunden geradliniger Gitarrenmusik aber wohl nicht die Freude an dem Auftritt vergällte.
Im Anschluss brachten die New Yorker Hercules and Love Affair, in gewisser Weise der schöne kuratorische Bogen zum ersten Donaufestival-Wochenende mit CocoRosie,...
...Antony und Nomi Ruiz, die große Halle aber mit ihrer Mischung aus Disco-Inferno und pumpenden Electro-Beats richtig zum Kochen.
Hanni und Nanni Tittler, Cicciolina und den Lesbians on Ecstasy (Bild), ...
... die später den elektronisch-tanzbaren Abschluss besorgten, begegnete man noch vor Mitternacht ...
... in einem Boxring, in dem Dolce After Ghana die politische Performance "The End of Feminism (as we knew it)" als Mischung aus Theorie und Wrestling inszenierten und dabei leider so wenig Plan an den Tag legten, ...
... dass das Geschlechterrollen hinterfragende Happening zum spannungsentladenen Showdown geriet. Wer ironische und intelligente Reflexion suchte, war bei Dan Perjovschi im Kunstraum Stein sicher besser aufgehoben.
(APA/moe)
Erstellt am 07.05.2012, 07:51