Die Öko-Ungeheuer von Theo Jansen

Theo Jansen / Strandbeest
Foto: Loek van der Klis

Der niederländische Künstler schafft übermenschengroße Gebilde, die sich allein mit der Kraft des Windes fortbewegen.

Theo Jansens Figuren erinnern an vorzeitliche Kreaturen, faszinieren durch ihre Größe und beeindrucken mit ihrer Eleganz. Der Niederländer ist Künstler und Ingenieur. Seit 1990 konstruiert er diese mechanischen Fabelwesen - 22 Jahre, in denen er seine Technik perfektioniert hat. 
Aus dünnen Plastikrohren schafft der Niederländer dynamische Kreaturen. Allein mit der Kraft des Windes angetrieben, laufen, kriechen, rollen sie über seinen Hausstrand vor Den Haag. Ein atemberaubendes Schauspiel:

In seinen Installationen kombiniert Theo Jansen Physik, Ingenieurswesen und Kunst. Das Ergebnis ist verblüffend. Die bis zu vier Meter langen "Strandbiester" können sich erstaunlich geschmeidig fortbewegen. Je nach Windstärke und -Richtung ziehen sie so allein ihre Bahnen. 
Der Niederländer ist mit seinen Installationen weltweit in Ausstellungen vertreten. Eine kürzlich ausgestrahlte Dokumentation auf CBS zeigte seine ungewöhnliche Arbeit. Und auch in Österreich wurde bereits ein "Strandbeest" gesichtet: 2005 war Theo Jansen zu Gast bei der Linzer Ars Electronica. 
Die hier gezeigten Bilder sind größtenteils im Sommer 2012 entstanden. Wenn nicht allzu stürmischer Wind weht, arbeitet Theo Jansen an seinem Hausstrand in der Nähe von Den Haag. Jansen studierte Physik an der Universität Delft, begann jedoch schon früh als Künstler zu arbeiten. Als Maler blieb ihm der Durchbruch versagt. Doch schon sein erstes kinetisches Kunstobjekt  - eine Untertasse, die er 1980 über Delft schweben ließ - sorgte für Aufsehen. Seit 1990 baut er die gehenden Strandtiere. Er selbst spricht von seinen gehenden Maschinen als wären sie lebendig. Sie würden sich "von Wind ernähren und in Herden leben", ist auf seiner Homepage strandbeest.com zu lesen. In einer Ende September veröffentlichten Dokumentation gibt sich Theo Jansen als selbstbewusster Schöpfer neuen Lebens: "Die Evolution ist ein Wunder. Und dieses Wunder macht mich so glücklich, dass ich selbst auch eines kreieren will." Tatsächlich wird den skelettartigen Gebilden nicht nur Wind, sondern auch Leben eingehaucht (siehe Video). Wenn sie erst einmal in Bewegung sind, gleiten sie anmutig über den Strand. Die Umwandlung von einer geradlinigen Bewegung des Windes in eine Drehbewegung (und umgekehrt) erfolgt dabei über Koppelgetriebe. Die Fabelwesen befinden sich nach Angaben Jansens bereits in der 7. Generation einer Evolution in Richtung "eigenständig lebender Wesen". Die Strandbeests können sich grob an ihrer Umwelt orientieren. Sie würden sich bei einem aufkommenden Sturm selbstständig im Sand verankern, erkennen mit ihren Fühlern Hindernisse und ändern die Laufrichtung, wenn sie ins Wasser geraten - erklärt Jansen die beeindruckenden Fähigkeiten seiner Tiere. "Ich hätte auch statisches Leben machen können. Aber ich denke, die Evolution hat auch statisch begonnen und wurde immer beweglicher". Vier von diesen Tieren hat Theo Jansen mittlerweile geschaffen. Ob sie ihren Schöpfer überleben werden, weiß er nicht. "Vielleicht wandern sie aber auch noch für einige Jahre am Strand herum." Theo Jansen: www.strandbeest.com

Bilder: www.kliski.com

"Strandbeest" in Aktion

Weiterführende Links
Theo Jansen: www.strandbeest.com
Bilder: www.kliski.com

(KURIER / kob) Erstellt am

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