Schneestapfen als Kunstprojekt

Sonja Hinrichsen braucht keine Leinwand. Sie malt in der Natur - auf den unberührten Schneehängen Colorados.

Von der Sonne Kaliforniens auf die Pisten Colorados: Für ihr jüngstes Projekt tauschte Sonja Hinrichsen ihren Pinsel gegen Schneeschuhe. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. "Meine ersten Schneebilder malte ich bereits 2009", gibt die Künstlerin aus San Francisco im eMail-Interview mit dem KURIER zu Protokoll. "Seitdem haben sich die Motive verfeinert und wurden gleichzeitig immer gigantischer." Die hier gezeigten Bilder entstanden am Rabbit Ears Pass im Februar 2012. Gemeinsam mit freiwilligen Frischluftfanatikern schuf Hinrichsen die vergänglichen Muster. "Es ist die Mischung aus sportlicher und künstlerischer Aktivität, die mich reizt." Der Ehrgeiz lohnt sich: Erst aus der Luft betrachtet werden die beeindruckenden Ausmaße der Aktion deutlich. Schönes schaffen ohne Spuren zu hinterlassen: Die vergänglichen Schneemuster sollen darüber hinaus aber auch für den Einklang zwischen Mensch und Natur stehen. "Das ist mir als Umweltschützerin besonders wichtig", stellt Hinrichsen klar. Zur Person: Sonja Hinrichsen lebt und arbeitet als Künstlerin in San Francisco. In ihren Schneemustern findet sich die Formsprache ihrer Arbeiten Leinwandarbeiten wieder. Ihre ersten Schneemuster wurden auf zahlreichen Designblogs geteilt. Auch die großen US-amerikanischen Fernsehanstalten "MSNBC" und der "Discovery Channel" berichteten darüber. Mittlerweile bereiste Hinrichsen halb Amerika und hinterließ ihre Spuren unter anderem auch in der Sierra Nevada. Hinrichsen ist jedoch längst nicht die einzige, die auf die Idee der Schneemuster kam. Auch der Brite Simon Beck hat es zu außergewöhnlicher Perfektion gebracht, wenn es darum geht die vergänglichen Spuren im Schnee zu hinterlassen. Anders als die Künstlerin Hinrichsen sieht Beck seine beeindruckenden Muster eher sportlich: "Wegen Problemen mit meinen Füßen konnte ich nicht mehr ordentlich laufen. Auf Schnee herumzustapfen war der schmerzloseste Weg ein wenig Übung zu bekommen." Seine ersten Gehversuche unternahm Beck bereits um die Weihnachtszeit 2004. Seitdem hat er es zu außergewöhnlicher Perfektion gebracht, wenn es darum geht geometrische Muster in den Schnee zu stapfen. Die komplizierten Formen erinnern an die Kornkreise, wie man sie vor allem aus den Getreidefeldern Nordamerikas kennt. Anders als seine sommerlichen Verwandten, sind diese Spuren aber definitiv nicht von Außerirdischen. Hinter den gigantischen Mustern, von denen manche die Größe eines Fußballfeldes erreichen, steckt harte Arbeit. Bis zu zehn Stunden stapft Simon Beck dafür mit seinen Schneeschuhen im tiefen Schnee. Seine einsamen Runden auf den unberührten Schneefeldern dreht Simon Beck jedoch nicht in seiner Heimat, sondern im französischen Skigebiet Les Arcs im Südosten Frankreichs. Dort lebt der Brite in den Wintermonaten. Seine Schneekreise beeindrucken nicht nur mit ihrer schieren Größe, sondern auch mit ungeheurer Präzision. Umso beeindruckender: Für seine oft komplexen geometrischen Formen nimmt Simon Beck lediglich einen Kompass als Orientierungshilfe. Beck, der an der Oxford Universität studierte, macht bei seinen Mustern ganz schon Meter. "Die halbe Strecke zum Mont Blanc" würde er bei manchen Mustern zurücklegen. Mittlerweile sei aus der anfangs sportlichen Übung eine echte Passion geworden. Eine Leidenschaft, die Beck mittlerweile zu bescheidener Berühmtheit verholfen hat. Seine Facebook-Seite, auf der er Bilder all seiner Muster online stellt, zählt knapp 30.000 "Gefällt mir"-Angaben. Die Muster sind in den letzten Jahren immer komplexer geworden. Waren es vor acht Jahren noch recht simple geometrische Formen, ist Simon Beck mittlerweile ein echter Meister seiner Schneestapf-Kunst. Der stolze Künstler Simon Beck posiert vor einem seiner Schneekreise in Les Arcs.

                            

(kurier) Erstellt am

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