Letztes Update am 25.06.2012, 14:14
Regen, etwas Stereo MCs und unterhaltsamer Folk.
Das waren die Zutaten zum sonntäglichen Abschluss des Donauinselfestes. Young Rebel Set aus England und Ginga überzeugten auf der FM4-Bühne.
Auch der dritte Tag des Donauinselfestes startete am Nachmittag mit perfektem Festivalwetter. Nichts deutete da noch auf die sinflutartigen Regenfälle hin, die am Abend zahlreiche Absagen nach sich zogen. Aber dazu später mehr. Denn am Nachmittag profitierte noch die österreichische Band Ginga von dem guten Wetter.
Deutlich mehr Besucher, als tags zuvor zum die selbe Zeit waren gekommen, um die Band rund um den charismatischen Sänger Alex Konrad zu erleben. Die atmosphärischen Lieder der Band, deren Sound irgendwo zwischen Pop, Folk und New Wave anzusiedeln ist, sorgten für gute Stimmung im zahlreich erschienenen Publikum. Höhepunkt war "Final Call", mit dem sie es bis auf Platz eins der FM4-Charts schafften.
"Wir sind gekommen um euren Alkohol zu trinken und eure Frauen zu stehlen." Markige Ansage für eine Band, die mit "If I was" ein Liebeslied im ewigen Konjunktiv schrieb. Trotzdem passte der selbstbewusste Auftritt zu der Folkband aus England.
Die rauchig-rohe Stimme von Frontmann Matty Chipchase ergänzte sich perfekt mit den flott gespielten Songs aus ihrem selbstbetitelten Debütalbum -das übrigens Thees Ullmann von Tomte prodzuzierte.
Den beiden unterhaltsamen Acts vom frühen Abend setzten Ja, Panik dann einen ihrer launigen Auftritte entgegen. Außer einem kurzen "Hallo Wien" war Mastermind Andreas Spechtl kein Wort zu entlocken. Ansagen gab es aber wie gewohnt in Liedform. "Trouble", "Die Luft ist dünn" und "Alles Hin Hin Hin" sind gleichermaßen Indie-Pop und Diskurs.
Zum unmissverständlicher Höhepunkt kam es, als Andreas Spechtl mit der Parole "Fuck the Police" durch das Publikum marschierte. Dieses hatte sich zahlreich vor der Bühne versammelt, bis auf einige verstreute Fans, aber nicht wirklich mitreißen lassen. Egal, denn darum schien es Ja, Panik an diesem Abend auch gar nie zu gehen.
Ja, Panik beendeten ihren Auftritt planmäßig um 21.55. Anschließend bildete sich ausgerechnet in der Pause zum ersten Mal an diesem Tag eine Staubwolke - da der Boden noch trocken.
Nur 20 Minuten später, bot das Gelände vor der FM4-Bühne ein komplett anderes Bild: Kurz vor dem offiziellen Inselfinale, um 22.30 Uhr, begann es, wie aus Kübeln zu schütten. Besucherscharen verließen die Insel.
Zunächst deutete alles auf eine Absage der Stereo MCs hin. Das Problem war die kleine FM4-Bühne, die teilweise ohne Ton war. Außerdem ist der Zuschauerbereich vor der Bühne nicht eben, sondern abfallend. Das sorgt zwar für gute Sicht bei Konzerten, bei Regen sammelt sich im Bereich unmittelbar vor der Bühne aber das Wasser.Mit über 80 Minuten Verspätung war es kurz vor Mitternacht dann aber tatsächlich noch so weit: Die Stereo MCs traten unter lautem Beifall auf die Bühne und spielten das versprochene Konzert.
Die Fans wurden mit zwei Songs, unter anderem dem größten Hit der Band, "Connected" für das lange Warten belohnt. Mehr war leider nicht drin - nach nur acht Minuten mussten die Stereo MCs den Auftritt wieder abbrechen, denn um Punkt zwölf musste laut Veranstalter Schluss sein.Der letzte Tag sorgte trotz schlechtem Wetters am Ende für die Rekordzahl von 1,2 Millionen Besuchern. Insgesamt besuchten drei Millionen Menschen das diesjährige Donauinselfest.
Der Samstag, der bis dato immer der bestbesuchte Tag war, blieb mit einer Million Besucher etwas hinter den Vorjahrszahlen zurück.
Haight Ashbury waren ein frühes Highlight auf der FM4-Bühne. Die Psychedlic-Folk-Band aus Glasgow konnte am mit ordentlicher Lautstärke, zweistimmigen Vocals und ansonsten minimalistischem Sound punkten.
Leider hatte das Publikum noch nicht die kritische Masse erreicht, wo der Funke fast von alleine überspringt. Lediglich beim bekannten "Freeman Town" regten sich verzeinzelt Fans.
Bevor mit Austrofred wieder ein österreichischer Künstler die Bühne betrat, präsentierte die hierzulande eher unbekannte finnische Band Rubik ihr neues Album "Solar".
Darauf ist ein breites Spektrum von Electro-Pop à la MGMT und langsamem Indie-Rock, wie man ihn von Death Cab for Cutie kennt, zu hören. Live überzeugte vor allem Sänger Artturi Taira mit seiner klaren Stimme.
Leider hatte der Tontechniker vergessen die Lautstärkenregler hochzufahren. So blieb die Härteeinlage am Ende des Auftrittes wirkungslos.
Im Anschluss an die Finnen sorgte "Österreichs einziger Rockstar" für Unterhaltung: Schwarzer Schnauzer, Leggings, Feinripp-Unterleiberl und jede Menge Gel. Derart ausstaffiert betrat Austrofred alias Franz Adrian Wenzl um kurz vor 21.00 Uhr die FM4-Bühne am Donauinselfest.
Über die musikalische Performance sollte man nicht allzu viele Worte verlieren. Die Musik kommt durchgehend vom Band. Aber darum geht es auch gar nicht bei Austrofred. Sein bewährtes Konzept setzt auf andere Qulitäten: Austropop-Texte, auf Queen-Playback, und dazu die perfekt inszenierte Freddy Mercury-Figur, oberösterreichischem Dialekt inklusive.
"Austrofred ist wieder da", rief der Lokalmatador zu Konzertbeginn in die johlende Menge. Dem um keinen sexy Hüftschwung und große Geste verlegenen Alleinunterhalter war aber mit Verweis auf das zeitgleich laufende Fußball-EM-Spiel Spanien gegen Frankreich auch klar, dass es sich bei dem Auftritt um einen "schwierigen Termin" handelt.
"Ich war mir unsicher, ob ich da durchkomm", weshalb er umso froher sei, doch vor so vielen Menschen spielen zu können - "vor einer vollen Kulisse kann man sagen: Es tuat so guat!"Das Match Fußball-EM gegen Austrofred konnte letzterer jedenfalls durchaus für sich entscheiden. Die Setlist ließ kaum einen Hit von Queen missen.
Von "Eich Dodln gib i Gas", eine Verballhornung des Queenklassikers "Another one bites the dust", über ein in "Amadeus" umgewandeltes "Under pressure" bis hin zum Ambros`schen "Schifoan", dessen Lyrics beinhart über die Melodie von "We will rock you" drübergelegt wurden, hatte der Schnauzbartträger nahezu alle Kracher im Gepäck.
Dazu kam eine "sensationelle Lichtshow", die vorrangig aus einem aus Leuchtstoffröhren und "Holzschnittarbeit" gefertigten Austrofred-Schriftzug im Bühnenmittelgrund bestand.
Auch modisch hatte Austrofred einiges zu bieten. Bei mehreren Kostümwechseln zeigte er auch gleich seinen nackten Oberkörper. Besonders ein schwarz-weiß-karierter und bis zum Bauchnabel ausgeschnittener Neoprenanzug sei an dieser Stelle erwähnt. "Is des wos?", lautete im Lauf des Abends eine oft gestellte Frage ans Publikum. Kein Zweifel: Das war was.
Als Headliner am Samstag fungierte die deutsche Hip Hop-Größe Samy Deluxe. Auch wenn der Hamburger in den Augen vieler Kritiker seinen Höhepunkt bereits überschritten und musikalisch etwas die Orientierung verloren hat, lockte er tausende Fans vor die FM4-Bühne.
Der Hang vor der FM4-Bühne war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Tsunami-Band mit 20-minütiger Verspätung um 22.55 Uhr mit "Hände Hoch" das erste Lied anstimmte. Für den Auftritt am Donauinselfest war Samy Deluxe mit fünfköpfiger Band und gleich zwei Backgroundsängerinnen angereist.
Der Hamburger genießt den großen Auftritt. Auch wenn der Rapper mit dem einst größten Ego Hip-Hop-Deutschlands auf seinen letzten beiden Platten "Dis wo ich herkomm" und "Schwarz Weiß" nachdenklichere und (selbst)kritischere Töne anschlug - bei Konzerten ist ihm die sebstbewusste Pose noch immer wichtig.
Und so gab es nicht nur ruhigere Lieder wie "Poesiealbum" und "Stumm", mit denen das ehemalige Dynamite Deluxe-Mitglied seine Wurzeln weit hinter sich ließ, sondern auch alte Klassiker wie eine Coverversion von "Füchse" seines Hamburger Kollegen Jan Delay und "Hab gehört" - bei denen er seinem Ruf als technisch versiertester Rapper Deutschlands gerecht wurde.
Das Publikum wusste das zu würdigen und wippte fleißig mit den Armen - auch wenn die Texte nicht immer zu verstehen waren. Das lag aber weniger am Sound, der war hervorragend, sondern an Samys Flow. Bei dem Tempo kann man einfach unmöglich alle Wörter verstehen.Der letzte Act überzeugte am Samstag also auf ganzer Linie.
(kurier)
Erstellt am 25.06.2012, 13:37