Letztes Update am 07.08.2012, 08:39
London: "Dagegen war Peking aufgeschlossen".
Während der Olympischen Spiele verschwand in Londons Straßen haufenweise Street Art. Die Nulltoleranz des Komitees wird von den Künstlern heftig kritisiert.
Die britische Street-Art-Szene nutzt die Gelegenheit, da alle Augen auf die Olympischen Spiele in London gerichtet sind, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen und Kritik an der westlichen Konsumgesellschaft zu üben. Schon Monate vor Olympia-Beginn waren die unterschiedlichsten Versionen des streng geschützten Logos mit den fünf Ringen und andere Anspielungen in den Straßen Londons zu sehen.
Nun, da Olympia-Halbzeit ist, haben wir ein kleines Stimmungsbild aus den Straßen Londons zusammengetragen. Banksy hat beispielsweise mit seinem Raketen-Speerwerfer seine Handschrift hinterlassen.
Die Verantwortlichen des Olympischen Komitees verstehen beim unerlaubten Gebrauch des Logos absolut keinen Spaß. So musste beispielsweise ein Londoner Kaffehausbesitzer seine in Ringform gelegten Bagels wieder aus dem Schaufenster nehmen und das Olympic Café in Stratford musste sich in "Lympic Café" umbenennen.
Diese scharfe Vorgehensweise wird von vielen heftig kritisiert. Vor Olympia-Beginn verhielt sich das Komitee noch erstaunlich tolerant gegenüber den Street-Art-Künstlern.
Doch mittlerweile ist der Druck zu spüren, erzählt Streetart-Künstler Mau Mau im Interview mit der britischen Tageszeitung Daily Telegraph. Dem allsehenden, strengen Auge des Olympia-Komitees entgeht nichts.
Die Reinigungsarbeiten wurden eindeutig verstärkt, so Mau Mau. "Tagtäglich verschwindet haufenweise Arbeit, vor allem entlang der Eisenbahnschienen."
"Ich hatte das schon irgendwie erwartet", so Mau Mau gegenüber der BBC. Street-Art Künstler Jimmy C. wurde beim Ansuchen einer Genehmigung sogar gewarnt, keinesfalls die Ringe zu verwenden.
"Manchmal denkt man sich da: `Gott, dagegen war ja Peking noch aufgeschlossener`", so Jimmy C. Im Bild: 100 Meter Dash" ("100-Meter-Lauf") von Criminal Chalklist zeigt den klassischen Rioter mit Kapuzenpulli, der gerade einen der Ringe geklaut hat.
Teddy Baden hat sich eine verhängnisvolle Begegnung zwischen dem Olympia-Maskottchen und einem Hund ausgedacht.
Die Toaster Crew verwandelte die Ringe in der Nähe der Station Shoreditch, im Nordosten Londons, in Toaster. "Ich habe wirklich keine Ahnung, warum die Behörden alles säubern wollen. Schließlich ist London doch weltweit bekannt für seine Street Art", erzählt Künstler Darren Cullen im Interview, der kürzlich sogar wegen Verdacht auf Sachschaden in U-Haft saß und sich nun von allen olympischen Veranstaltungsorten fernhalten muss.
(kurier)
Erstellt am 06.08.2012, 11:29