Letztes Update am 10.06.2012, 11:20
35 Mitglieder zählen die österreichischen Ableger der Star-Wars-Kostümclubs "501st" und "Rebel Legion". Zwei von ihnen im Porträt.
Ein paar Quadratzentimeter Teppich sind Petra Stöckleins größter Schatz. 300 Euro hat die Wienerin für das kleine Stückchen Filmrequiste aus der vierten Star-Wars-Episode hingeblättert. "In meiner Wohnung gibt es keinen Raum, in dem nicht irgendetwas von Star Wars steht", erzählt sie. Die 43-Jährige ist ein Fan der ersten Stunde. Seit drei Jahren schlüpft sie als Mitglied des Kostümclubs "501st Legion" gelegentlich auch selbst in die Rolle ihrer Lieblingsfiguren.
Die "501st Legion" ist einer von zwei internationalen, offiziell anerkannten Kostümclubs. Ihre Mitglieder verkörpern die dunkle Seite der Macht, jene der "Rebel Legion" repräsentieren die guten Kräfte. Die österreichischen Ableger der beiden Fanvereinigungen zählen insgesamt 35 Mitglieder. Sie treten regelmäßig auf Messen, Filmpremieren oder Kindergeburtstagen auf und sammeln dabei Spenden für wohltätige Zwecke.
Die Kostüme werden nach strengen Richtlinien gestaltet, oft nähen sie die Fans selbst. Stöckleins rotes Gardisten-Outfit hat 700 Euro gekostet. "Das ist noch eines der günstigeren Kostüme", erklärt sie. Fünf verschiedene Figuren hat Stöcklein bereits nachgebildet, derzeit arbeitet sie an einem Imperator-Kostüm. Die Schnittvorlage hat sie in mühevoller Kleinarbeit anhand von Screenshots aus den Filmen erstellt.
Träger der Macht
Markus Thurners blaues Lichtschwert war nicht minder aufwendig herzustellen. Wie die Jedi-Ritter im Film hat das "Rebel Legion"-Mitglied seine Waffe selbst gebaut. "Weltweit gibt es etwa zehn Leute, die ein selbst gefertigtes Schwert haben", erzählt Thurner stolz. Weil sich der Salzburger mit den Werten der Jedi identifizieren kann, fiel seine Wahl auf diesen Charakter: "Es geht nicht nur um ein Fantum, sondern auch um eine gewisse Einstellung. Jediismus ist mittlerweile eine anerkannte Religion, nach der ich leben könnte." Thurners Star Wars-Liebe geht so weit, dass er sogar seinen dreijährigen Sohn nach einem Helden aus den Filmen benannt hat – er heißt Sédric Anakin.
Den Reiz am Kostümclub macht für beide Fans der karitative Zweck ihrer Auftritte aus: "So kann man mit einer einfachen Methode Gutes tun."
Vor dem Riesenrad prallten am Samstag die Lichtschwerter gegeneinander: Beim ersten "Science Fiction Day" lieferten sich die Kostümclubs "501st Legion" und "Rebel Legion" vor unzähligen Fans Schaukämpfe, zogen in Paraden durch den Prater und posierten mit Fans vor der Kamera. "Ich habe schon ein Foto mit einem Clon und einem Piloten", erzählt der zehnjährige Fabian begeistert. Parallel wurden spenden für die "Make a Wish Foundation" gesammelt. "Einerseits wollen wir unserem Hobby nachgehen, andererseits steht bei uns klar ein soziales Projekt im Vordergrund", sagt Organisator Manuel Miklis. Weltweit haben die beiden Clubs 9000 Mitglieder, in den Prater reisten sogar Kollegen aus Tschechien, Ungarn und Italien an. Wer Mitglied werden möchte, muss Fotos von seinem Kostüm bei den Dachorganisationen in den USA einschicken. Costume-Judges überprüfen dann die Authentizität des Outfits. "Der Träger sollte ohne Weiteres als Komparse in einem Star-Wars-Film agieren können", erklärt Rebellen-Chef Wolfgang Grand.
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