Letztes Update am 24.07.2012, 12:34
"Girls": Eigenwilliger Sex in der City.
Um die neue Serie "Girls" entstand in den USA bereits ein regelrechter Hype. Lena Dunham und ihre bizarren Geschichten um erfolglose Mittzwanziger in New York haben Kult-Potenzial.
"Nur wenige Serien sind von Anfang an so brillant. (...) Die neue HBO-Serie von Lena Dunham ist einer der originellsten Serien der letzten Zeit". Mit solchen Lobeshymnen wird die neue Serie "Girls" gerade von Medien wie Variety überhäuft. Und nach Sichtung der ersten Staffel kann man sagen: Zu recht.
Was Lena Dunham - das neue Lieb- und Wunderkind des Filmbusiness - uns mit "Girls" vorsetzt, hat das Potenzial zur Kultserie. Dunham hat den Genre-Mix aus Drama und Comedy - Dramedy - mit gerade einmal 25 Jahren so gut wie alleine aus dem Boden gestampft.
Sie hat sich die Serie quasi auf ihren nicht perfekten Leib geschrieben - und zugegeben: viel schauspielern muss sie dabei nicht. Dunham ist nicht nur die Hauptdarstellerin der Serie, sie hat auch das Drehbuch dazu geschrieben und führt Regie.
Schon kurz nach Start der ersten Staffel wurde von HBO bereits eine zweite Season in Auftrag gegeben. Vier Millionen Zuseher hatte "Girls" im Schnitt pro Episode. Ihr Unterstützer Judd Apatow ("Jungfrau (40), männlich, sucht") produziert.
Als Basis für Dunhams einzigartigen Mix dient eine Clique aus vier Mittzwanzigerinnen, die in New York lieben aber vor allem auf witzige Weise leiden. Die New Yorkerinnen sind nämlich weitaus weniger vom Glück verfolgt als Carrie und Co aus "Sex and the City" - sie haben keine Traumjobs, Traum-Apartments oder Traum-Designerfummel. Hier ist alles etwas echter.
Hannah
Protagonistin Hannah schafft es einfach nicht, als Schriftstellerin durchzustarten, auch nach dem Studium hantelt sich von einem Praktikum zum nächsten. Den Eltern reicht es nach Jahren der finanziellen Unterstützung: der elterliche Geldhahn wird zugedreht.
Sex, Sex, Sex
Mit dem eigenwilligen Adam hat Hannah eigenwilligen Sex. Neben Dialogen um die meist etwas pervertierten Liebesakte von Hannah, wird auch nicht an eindeutigen Bildern gespart. Ganz im Gegenteil.
Äußerst uneitel präsentiert Dunham ihre sechs Kilogramm zu viel und zwei Körbchengrößen zu wenig in den Sexszenen, die in jeder Folge zu sehen sind.
Nach Liz Lemon aus "30 Rock" reiht sich Hannah in die Riege jener Hauptfiguren, die nicht vorranig mit ihrem Aussehen Zuseher anziehen. Fesch, das sind die anderen. Ihre beste Freundin Marnie (rechts) zum Beispiel.
Marnie - Perfektionistin mit Langweiler-Freund
Die Perfektionistin wohnt mit Hannah in einer WG, ist schon zu lange mit ihrem langweiligen Freund zusammen und ...
... beweist trotz seriösem Sekräterinnen-Look rabenschwarzen Humor. Endlich dürfen Serien-Figuren etwas ambivalent sein.
Das Spezielle ist hier Alltag, alle "anderen" dürfen sich bei "Girls" zuhause fühlen. Die größte Stärke an "Girls" liegt aber in der Authentizität der Figuren.
Mit ungeahnten Ecken und Kanten ausgestattet, wird eine Figur in einer Folge als biggest Ungustl ever abgestempelt, um in der nächsten Episode der romantischste Kerl des Planeten zu sein.
Jessa - der durchgeknallte Bohemian
Neben Dunhams Charakter Hannah weiß vor allem Jessa einzunehmen. Der Über-Bohemian ist so alternativ, dass auch die Naturkostler der Wiener Neubaugasse blass aussehen.
Mit einem Nanny-Job hält sich der "modern Hippie" über Wasser, ihre Libido stillen vor allem vergebene Männer. Jessa - so viel sei verraten - wartet in der letzten Folge wohl mit der größten Überraschung der Staffel auf.
Shoshanna - die nervöse Jungfrau
Die - na sagen wir mal leicht naive - Shoshanna ist immer ein bisschen nervös, hatte noch nie Sex, kennt aber alle Liebestipps aus Lifestyle-Magazinen auswendig. Sie schafft es in einer Folge, unabsichtlich Crack zu rauchen und liefert damit einen der amüsantesten Momente in "Girls" ab. Gespielt wird Shoshanna von Zosia Mamet, der bislang aber leider etwas zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Im April hatte die Serie in den USA Premiere. Die letzte Folge der ersten Staffel lief vor einigen Wochen. Dazwischen haben Medien wie die Huffington Post "Girls" gleich mehrere Artikel gewidmet.
Hierzulande läuft "Girls" ab Herbst auf dem Pay-TV-Kanal Glitz, dem neuen Frauen- und Lifestylesender von Turner Broadcasting System Deutschland. Andere Sender haben die Serie bislang noch nicht eingekauft. Der Hype schwappt mit Sicherheit auch irgendwann zu uns rüber - vermutlich aber eher später als früher.
(kurier)
Erstellt am 13.07.2012, 15:36