Letztes Update am 06.08.2012, 10:33
FKK: Nudisten, Naturisten und Nacktivisten.
Die Freikörperkultur ist keine Erfindung unserer Hippie-Eltern, auch Kultautor Hermann Hesse ließ schon um 1900 gerne die Hüllen fallen.
"36 Grad, Und es wird noch heißer, Mach den Beat nie wieder leiser, 36 Grad, Kein Ventilator, Das Leben kommt mir gar nicht hart vor..." sangen 2raumwohnung im Sommer 2007. Die Temperaturen klettern wieder einmal nach oben. Wer wollte sich da nicht schon mal vor Hitze die Kleider vom Leib reißen? Aber das hätte auch nur am Rande etwas mit FKK zu tun. Und wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Nudismus, Naturismus, Exibitionismus und Nacktivismus?
Am Pariser Stadtrand wurde gerade erst ein FKK-Verbot verhängt, da man durch allzu viel Freizügigkeit einen Sittenverfall befürchtete. Die Freikörperkultur ist jedoch keine Erfindung unserer Hippie-Eltern, sondern blickt auf eine interessante Geschichte zurück.
FKK steht für Freikörperkultur und hat mit Sexualität herzlich wenig zu tun. Es geht hier vielmehr um die einfache Freude am Nacktsein, gerne auch in Gesellschaft.
Bis ins 18. Jahrhundert hinein war es eigentlich völlig normal nackt schwimmen zu gehen, Männer und Frauen allerdings getrennt.
Erst im späten 18. Jahrhundert wurde die Nacktheit tabuisiert, was sich in Skandinavien jedoch nie wirklich durchsetzte. Die Nacktbadekultur hat dort einen sehr hohen Stellenwert. Im Bild: Nudistenprotest in Saskatchewan (Kanada), 1903
Monte Verità (auf deutsch: Wahrheitsberg) in der Nähe von Ascona (Schweiz) gilt bis heute als eine der Wiegen der Alternativbewegung. Dort entstand auch der Naturismus, eine Form des FKK. Im Bild: um 1905
Monte Verità war ein Treffpunkt des politischen Widerstands. Pazifisten, Anarchisten, Anthroposophen, Theosophen, Emigranten, Flüchtlinge und Wehrdienstverweigerer waren dort auf der Suche nach alternativen Lebensmodellen. Im Bild: Tanz mit Mary Wigmann
Wigmann war eine deutsche Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin. Sie machte den Ausdruckstanz, eine Gegenbewegung zum klassischen Ballett, als New German Dance international bekannt.
Literturnobelpreisträger Hermann Hesse (im Zentrum), in Monte Verità, war ein großer Verfechter der Lebensreform, die Kritik an der Industrialisierung und dem zunehmenden Materialismus übte.
1898 wurde der erste FKK-Verein in Essen gegründet, um 1900 entstand geradezu ein Boom, der auch in Frankreich seinen Lauf nahm. In Deutschland wurden FKK-Vereine 1932 aufgelöst oder als Sportverbände in nationalsozialistische Organisationen integriert. Die Freikörperkultur wurde auch von den Nazis unterstützt.
Nach dem Krieg steigt die Beliebtheit von FKK, unabhängig der politischen Gesinnung, auch international weiter an. Heute unterscheidet man in erster Linie zwischen Nudisten, die außer der Nacktheit selbst damit keine weiteren positiven Ziele verfolgen, und den Naturisten.
Naturisten engagieren sich zumeist auch sozial und für die Umwelt. In den 1960ern ist der Naturismus beliebter denn je und geht mit der Liberalisierung der 68er-Bewegung einher.
Ob Nudismus oder Naturismus ist der Polzei egal, wenn man außerhalb von ausgewiesenen FKK-Bereichen die Hüllen fallen lässt. Bei einem Verstoß können Praktizierende sogar mit einem Bußgeld rechnen.
Exhibitionisten sind hingegen Menschen, die es als lustvoll empfinden, sich vor anderen nackt zu zeigen. Das hat allerdings nichts mit FKK zu tun.
Dennoch ist Nacktheit in der Öffentlichkeit mittlerweile weitaus akzeptierter. An Badeseen und touristischen Stränden wundert sich eigentlich niemand mehr über barbusige Damen und Adamskostüm.
Zu den Nudisten und Naturalisten haben sich heutzutage auch die Nacktivisten dazugesellt. Das Nacktsein wird hier als Ausdruck des Protests verwendet, um beispielsweise gegen Studiengebühren zu demonstrieren.
(kurier)
Erstellt am 16.07.2012, 16:51