Eine Umarmung zum Glück

Am Welttag der Umarmung (21. Jänner) soll fleißig gekuschelt werden. Das wärmt - auch das Herz.

Was so ein kleiner Drücker alles bewirken kann: Eine Umarmung soll helfen, Stress abzubauen, Angst zu verringern und hat angeblich sogar dämpfende Wirkung auf den Blutdruck. Außerdem fördert sie das Wohlbefinden und die Gedächtnisleistung. Diese positiven Effekte kommen von der Ausschüttung des Hormons Oxytocin, so die Medizinischen Universität Wien (MedUni) in einer Aussendung zum Weltknuddeltag. Ein erhöhter Oxytocin-Spiegel kann natürlich nur beim Kuscheln mit einer vertrauten Person beobachtet werden. Dieser kleine Mann hat  seinen Spaß mit einem Kürbis. Auch gut. Und für echte Star Wars-Fans dürfte sich der Effekt auch bei einer Gratis-Umarmung mit Darth Vader einstellen. Der "National Hug Day" (Welttag der Umarmung) wurde 1986 von Kevin Zaborney ins Leben gerufen. Der Priester aus Caro, Michigan wollte den Menschen dabei helfen ihre Gefühle besser öffentlich zeigen zu können. Seitdem wird am 21. Jänner auf der ganzen Welt geknuddelt, umarmt, gedrückt und geschmust. So wie hier in Mexiko City. Also egal, ob Familienmitglieder, Freunde oder Fremde: Am 21. Jänner darf umarmt werden, was man in die Finger bekommt. Dieses Bild, das Barack Obama am Tag seiner Wiederwahl Anfang Juni über Twitter veröffentlichte, führte bei Mitt Romney vermutlich zu erhöhtem Blutdruck - anstatt seinen Oxytocin-Spiegel ansteigen zu lassen. Das Bild wurde innerhalb kürzester Zeit zum meistgeteilten Bild auf Twitter und verzeichnete über 3,3 Millionen "Gefällt mir"-Angaben auf Facebook. Zuletzt ließ der Staatsbürgerschaftscoup von Gérarad Depardieu und Waldimir Putin den Blutdruck mancher Steuerzahler hochgehen. Zur medialen Inszenierung der Verbrüderung gehörte natürlich auch eine kleine Umarmung. Wenn es nach den Reaktionen der Franzosen geht, dann kann sich Depardieu seine Umarmungen künftig nur noch in Russland abholen. Vielleicht erbarmt sich in der alten Heimat ja am Montag jemand seiner. Schließlich ist "National Hug Day". Und wenn er und Brigitte Bardot noch einen dritten Schauspielkollegen finden, der seine Steuern lieber in Russland zahlt, dann geht sich vielleicht ja bald auch wieder ein bisschen Gruppenkuscheln aus. So wie hier mit Catherine Deneuve und Edouard Baer. "Studien haben gezeigt, dass sich bei Kindern, deren Mütter zusätzlich Oxytocin erhalten haben, der Wert des kindlichen, körpereigenen Hormons allein durch das empathische Verhalten der Mutter erhöht hat", so der Neurophysiologe Jürgen Sandkühler von der Uni Wien. George Harrison muss demnach einer der glücklichsten Menschen überhaupt gewesen sein. Bei soviel Liebe, wie ihm und den Beatles entgegengebracht wurde. (Hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 1963) Die positive Wirkung stelle sich aber nur ein, wenn sich die Personen gegenseitig vertrauen und wenn die dazugehörigen Gefühle wechselseitig vorhanden seien. Zumindest in "Titanic" dürfte das also bei Kate Winslet und Leonardo DiCaprio ganz gut geklappt haben. Die Szene gehört zu den berühmtesten Umarmungen der Filmgeschichte. Demi Moore und Patrick Swayze umarmten sich nicht minder legendär. Zumindest zu Beginn der berühmten Töpferszene in "Ghost" - ehe das Eine dann zum Anderen führte. Patrick Swayze war überhaupt  ein wahrer Umarmungsvirtuose. In "Dirty Dancing" hatte er Jennifer "Baby" Grey fest im Griff. Erich Honecker und Leonid Breschnew erlebten wohl weniger Glücksgefühle - ihr "Bruderkuss" ging dafür in die Geschichtsbücher ein.
Das Bild stammt übrigens vom Künstler Dmitri Wrubel und ist eines der bekanntesten Motive der East Side Gallery.  Auf dem längsten noch erhaltenen Stück der Berliner Mauer erinnert sie seit 1990 an die schmerzhafte Trennung Deutschlands. Die rituelle Umarmung und der "Bruderkuss" sollten die Verbundenheit der sozialistischen Länder symbolisieren. Am 6. Oktober 1989 küssten sich so auch Michail Gorbatschow und Erich Honecker.
  Es geht aber auch ohne politische Inszenierung. Einfach so - zum Beispiel aus überschwänglicher Freude über einen Sieg. Oder verbundener Dankbarkeit. Hier umarmt Tom Quealy sein Rennpferd Frankel. Gründe sich zu umarmen gibt es zuhauf. Wer aber unbedingt wildfremde Menschen knuddeln will, der soll am 21. Jänner die Gelegenheit ergreifen.
  Nach dem Brauch mit dem Mistelzweig ist der "Welttag der Umarmung" wohl der einzige Tag im Jahr, an dem das möglich ist. Und das ist vielleicht auch ganz gut so. Denn Kuscheln könne sogar zur Ausschüttung des Stress-Hormons Cortisol führen, wenn es als Verletzung des normalen Distanzverhaltens empfunden wird. Die weltweit bekannte Aktion "free hugs" (gratis Umarmungen) mache laut Sandkühler daher nur Sinn „wenn den Beteiligten klar ist, dass es sich um einen harmlosen Gag handelt.“
 

Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Genau das richtige Wetter für den "Welttag der Umarmung", der am Montag, den 21. Jänner, auf der ganzen Welt zelebriert werden soll. Denn je kälter es ist, desto näher sollten Menschen zusammenrücken. Dann wirds nicht nur ums Herz warm. Angeblich soll so eine herzliche Umarmung auch einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben und Stress abbauen. In diesem Sinne: Komm in meine Arme, Baby!

(apa / kob) Erstellt am

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