Letztes Update am 14.06.2012, 12:48
Bücher, die alles auf den Kopf stellen.
Science-Fiction-Romane enden oft unerwartet. Einige so extrem, dass sie eine seitenlang aufgebaute Illusion in den Grundfesten erschüttern.
Plötzliche Wendungen oder Enden, die den gesamten Plot der Story drehen, sind in der Science-Fiction- und Fantasy-Literatur kein Novum. Doch kaum welche lassen ihre Leser auf dem Weg zur letzten Seite mit so einem starken Drehwurm im Kopf zurück wie folgende Klassiker des Genres. ...
Bild: Hier sieht man den Protagonisten Cheradenine Zakalwe aus dem Kultbuch "Einsatz der Waffen" von Ian M. Banks.
Planet der Affen (1965, Pierre Boulle)Dies ist die Geschichte, auf der zahlreiche Filme aufbauen, aber dennoch könnte man vom Ausgang überrascht sein. Zu Beginn findet ein Pärchen, das auf Raumfahrtsurlaub ist eine Nachricht, die die Story eines Menschen, Ulysee Mérou, erzählt. Diese Geschichte ist nun der Haupterzählstrang: Ulysee und seine Crew verlassen die Erde im Jahre 2500, landen auf einem Planeten, auf dem Affen die intelligentere Spezies und Menschen dumm sind.
Die Affen nehmen seine Anhänger gefangen, der Protagonist erlangt aufgrund seiner Intelligenz Freiheit. Der Wendepunkt ereignet sich, als die Affen auf das Geheimnis ihrer Vergangenheit stoßen. Sie waren einst von den Menschen dominiert, aber ihre Vorfahren stellten sich als überlegen heraus. Ulysee verlässt den Planeten, als ein paar Affen beschließen, dass alle Menschen vernichtet werden müssen, nur um auf einer Zukunftserde zu landen, auf der ebenfalls Affen den Planeten regieren.
Das passiert, als er die Nachricht im Weltall entsendet. Es stellt sich heraus, dass das Pärchen, das die Message findet, selbst einmal zur Affengattung gehörte, die daran zweifelte, dass ein Mensch diese Geschichte schreiben hätte können.
Das Kainsmal (2007, Chuck Palahniuk)Rant Casey besitzt eine unnatürlich starke Toleranz gegenüber Krankheiten und Giften. Eines Tages stellt sich heraus, dass er in einer "dystopischen" Welt lebt, in der die Upper Class nur im Lauf des Tages das Haus verlässt, die Unterschicht darf nur in der Nacht auf die Straße. Wendepunkt: Die Menschen dieser Welt finden heraus, dass man in der Zeit zurückreisen kann, wenn man sein Auto in einem bestimmten mentalen Zustand gegen etwas fährt.
Rants Leben endet während eines "Party Crashing"-Events, aber sein Körper wird nie gefunden. Seine Freunde nehmen an, dass er in die Vergangenheit gereist ist. Womöglich um seine Mutter von einer anderen Version seiner Selbst in einer anderen Zeitebene zu retten. Bei dieser Version, genannt "Green Taylor Simms", reist er in die Vergangenheit zu seinem Vater und Ahnen zurück, tötet sie, und macht sich selbst zum Supermenschen.
Das Große Spiel (1985, Orson Scott Card)
Ender ist in der Kampfschule und trainiert, um gegen die Buggers zu kämpfen. Nachdem er in die "Command School" befördert wird, startet er ein neues Programm von Trainings-Simulationen um seine Fähigkeit Kriegsflotten zu lenken auszutesten. Er opfert eine komplette Flotte um den Feind zu besiegen und den Heimplaneten der Aliens zu zerstören.
Während er Angst hat, für den Regelbruch ausgewiesen zu werden, feiern seine Lehrer seinen Siegeszug, da es gar keine Simulation war. Ender hat in der Tat eine Armee gelenkt und damit wirklich "Xenocid" (eine Kombination aus "xeno" für Alien und "cid" für das selektive Töten von Aliens) begangen.
Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde (1886, Robert Louis Stevenson)
Die klassische Story wird von Mr. Utterson erzählt, der gut mit Dr. Jekyll befreundet ist. Utterson untersucht die Verbindung zwischen ihm und dem bösen Hyde. In einer unerwarteten Wendung entdeckt er, dass die beiden ein und dieselbe Person sind.
Es stellt sich heraus, dass Jekyll ein Doppelleben führt - dank einer Droge, die er erfunden hat, die die guten und bösen Anteile seiner Persönlichkeit spaltet. Natürlich ist dieses Ende heutzutage jedem bekannt. Für die Leser, die das nicht bereits vorher wissen, könnte es aber auch heute noch schockierend sein.
Bild: Ein Still aus der legendären Verfilmung.
Das Orakel vom Berge (1962, Philip K. Dick)
In Dicks Parallelwelt gewinnen die Achsenmächte den zweiten Weltkrieg und teilen die Welt entzwei. Es gibt multiple Storylines die verschiedenen Charakteren folgen, und einige dieser haben einen Roman namens "The Grasshopper Lies Heavy" von Hawthorne Abendsen gelesen, in dem die Alliierten den zweiten Weltkrieg gewinnen. Was in unserer Realität stimmt, stellt in Dicks Buch eine alternative Realität dar. Kompliziert? Es geht noch weiter . . .
Die alternative Geschichte ist auch fiktional. Großbritannien wird nach dem Kalten Krieg zur Weltmacht. Eines der Themen von "Der Mann in dem hohen Schloss" ist das Konzept der multiplen Realitäten. Der Drehpunkt am Ende offenbart, dass die Charaktere womöglich eine Lüge leben, und die echte Welt in Abendsens Buch liegen könnte. In Wirklichkeit reist zumindest einer von ihnen in diese Realität.
Bild: Philip K. Dick
Der Fluch des Ringes (1976, Diana Wynne Jones)
Es gibt drei Rassen in Jones Geschichte: die Dorigs, die Lymens und die Riesen. Die Geschichte folgt drei "Lyman"-Kindern mit magischen Fähigkeiten auf ihrer Reise, auf der sie versuchen einen Fluch, der vor langer Zeit auf ihr Volk gelegt wurde, aufzuheben.
Als die drei das Moor, in dem sie leben, entdecken, treffen sie auf ein paar Riesen… und es stellt sich heraus, dass Riesen Menschen sind. Die Dorigs und Lymens sind eigentlich kleine Menschen. Die Riesen, die Verwandten, und ein paar Dorigs müssen ihr Land vor der Zerstörung bewahren und deaktivieren die Quelle des Lyman-Fluches.
Blaues Licht (2005, Gary Paulsen)
Mark ist ein junger Wanderer, der über ein mysteriöses Licht in eine fremde Welt transportiert wird. Seine Überlebenskünste helfen ihm sich an die neuen Umstände anzupassen. Der Protagonist findet Gesellschaft und beginnt Gemeinsamkeiten zwischen dieser und seiner eigenen Welt zu entdecken.
Im Laufe der Geschichte lernt Mark jemanden aus seiner Welt kennen und findet heraus, dass es gar keine neue Welt ist, sondern eine andere Zeit. In dieser Zukunft hat eine mutierte Form des Ebola-Virus die Menschheit beinahe ausgerottet. Trotzdem schafft es Mark nach Hause zu kommen und macht sich auf die Suche nach einem Gegenmittel.
Bild: Gary Paulsen
Ich bin Legende (1954, Richard Matheson)
Der "Twist" dieses Klassikers scheint so einen starken Perspektivenwechsel zu bewirken, dass er auf jeden Fall hier einen Platz verdient. Nachdem eine Plage beinahe die gesamte Menschheit ausgerottet hat und diese als Vampire zurück zum "Leben" gekommen sind, ist Robert Neville der einzige Mensch auf dem Planeten.
Er verfolgt die Vampire am Tag, aber möchte dennoch wissen, was passiert ist. Letztendlich findet er heraus, dass die Gestalten der Nacht keine kopflosen Monster sind – sie sind einfach wütend, dass er sie tötet. Zu guter Letzt ist Robert keine Legende, weil er der letzte Mensch ist. Er ist eine Legende, weil er in den Augen der Vampire, die nun die größere Spezies der Welt darstellen, ein angstloses Monster geworden ist.
Bild: Der Roman wurde 2007 verfilmt, mit Will Smith in der Hauptrolle.
Der schwarze Drache (1986, Barbara Hambly)
Dieses Buch stellt die klassische "Ritter tötet Drachen"-Logik auf den Kopf. Lord John Aversin ist die einzig lebende Person im Königreich, der jemals einen Drachen getötet hat. Als ein Bote kommt, um Johns Hilfe fürs Erlegen des Drachen in Anspruch zu nehmen, kommt die Wahrheit ans Licht. John hat den Drachen durch eine Lanze, die in Gift (von seiner Frau, einer Hexe namens Jenny, gebraut) gedippt wurde.
Das vermeintliche Monster überredet Jenny sein Leben zu retten, im Austausch für Heilssprüche, die erlauben, John zu heilen. Das ist der Teil an dem sich ein neuer Wendepunkt ereignet: Der Drache hilft das Königreich von einer Zauberin zu retten, die über den König einen Bann gelegt hatte. Jenny verwandelt sich selbst in einen Drachen. Aber sie vermisst ihre Familie und kehrt als Mensch zurück nach Hause.
Bild: Barbara Hambly
Einsatz der Waffen (1992, Ian M. Banks)
Es gibt zwei Erzählungen: Eine folgt Soldat Cheradenine Zakalwe bei einer aktuellen Mission, und die andere handelt von seiner Lebensgeschichte in chronologischer Reihenfolge rückwärts. Im Zuge des Flashbacks wird offenbart, dass Zakalwe eigentlich dafür vorgesehen war einen Planeten außerhalb zu regieren, den aber sein Cousin Elethiomel ihn für sich alleine haben wollte.
Das letzte Kapitel enthüllt einen riesigen Plotwechsel: Es stellt sich heraus, dass Cheradenine Zakalwe ein Name ist, den der Protagonist angenommen hat nachdem sich der echte selbst getötet hatte. Er ist in Wirklichkeit der verrückte Cousin, Elethiomel, der im Namen der "Culture" Friede verbreiten wollte um Buße zu leisten.
Bild: Ian M. Banks
Die "Planet der Affen"-Filmreihe wurde Teil der Popkultur, bekannte Szenen daraus wurden für etliche Anspielungen und Parodien genutzt.
(kurier)
Erstellt am 13.06.2012, 16:13