Thursday, February 23, 2012

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Die andere Seite des Mythos Hells Angels

Der Bildband "Die letzten Krieger - Deutsche Hells Angels im Fokus" zeigt einen persönlichen und intimen Blick auf den berüchtigten Motorradclub.

Letztes Update am 20.01.2012, 16:32


Verachtet und verdammt, berühmt und faszinierend. Auf jeden Fall polarisierend: Die Hells Angels. Gewalt, Drogen, Erpressung und Sex. Das ist das Bild, das Medien üblicherweise vom bekanntesten Motorradclub der Welt zeichnen - sie sind selbst sicher auch nicht ganz unschuldig daran. Lutz Schelhorn, Präsident des Charters Stuttgart, zeigt in seinem Bildband "Die letzten Krieger" ein anders Bild von der verschworenen Gemeinschaft.

Zum Durchklicken ...

Schelhorn möchte "ein zementiertes Bild vom Club in ein anderes Licht rücken" und das gelingt ihm auch. Der Bildband zeigt so gut wie alle Facetten der Hells Angels. Vom ...

... Großvater, mit seinen Enkeln auf dem Schoß über ...

... das Treffen im Stammlokal ...

... bis hin zum Abschied eines Mitgliedes.

Info: AFFA steht für "Angels Forever, Forever Angels"

Schelhorn verwendete bewusst nur Schwarz-Weiß-Filme für seinen Photografien. "Ich will damit zeigen, dass es zwischen Schwarz und Weiß noch mindestens 365 Facetten gibt". Ganz in dem Sinn, dass es eben auch ein anderes Bild der Angels gibt, als es weithin gezeigt wird.

Lutz Schelhorn arbeitete drei Jahre an dem Bildband und verbrauchte dafür 308 Blatt 4x5 Inch Negative, 107 Stück 120er Rollfilme und 66 Kleinbildfilme. Er fotografierte ausschließlich analog.

Seit über 30 Jahren ist Lutz Schelhorn bereits bei den Angels, mehr noch, er ist ein Mitbegründer des Charters Stuttgart und auch ihr Präsident.

Die Hells Angels selbst sind bedeutend älter als die Stuttgarter. Gegründet wurden sie 1948 in Kalifornien. Unter der Führung von Ralph "Sonny" Barger - dem wohl bekanntesten Angel - schlossen sich 1957 in Oakland weitere Clubs unter diesem Label zusammen.

Bild: "Zepf" vom Charter Singen

Mittlerweile gibt es in 35 Ländern den Club mit dem rot-weißen Schriftzug und dem Aufnäher mit dem "deadhead", dem geflügelten Totenkopf - dem Zeichen der Hells Angels.

Gegründet wurde der Club von Kriegveteranen, darunter auch Piloten der 303. U.S.-amerikanischen F 17 Bomber-Staffel. Schon während des Zweiten Weltkrieges benannte sich diese Staffel nach einem Howard Hughes-Film: "Hells Angels". Von nun an sollte dies auch der Name ihres Clubs sein.

Ein Jahr zuvor, 1947, trafen sich circa 4000 Biker in Hollister, einem kleinen Ort in Kalifornien um Rennen zu fahren und zu feiern. Auch den ein oder anderen Raufhandel gab es. Das zog die Polizei und auch Reporter an. Für das Life Magazine wurde ein Foto gestellt: Ein volltrunkener, volleibiger Mann auf seiner Maschine - umstellt von leeren Bierflaschen. Dieses Bild erschütterte das konservative Amerika der 40er Jahre.

Ein Redakteur des Magazins Motorcyclist entschuldigte sich damals für das Bild und meinte, dass nur 1Prozent der Motorradfahrer dieses Klischee erfüllte. Von nun an hatten die Biker einen weiteren Beinamen: "Outlaw Racer" und nähten einen weiteren Patch mit der Aufschrift "1%" auf ihre "Kutte".

Auch Hollywood wurde auf die "neue" Subkultur aufmerksam und ließ 1953 Marlon Brando "Der Wilde" sein. Die Angels selbst waren 1967, mit Sonny Barger an der Spitze des Geschwaders, im Film "Hells Angels on Wheels" - mit Jack Nicholson in der Hauptrolle - zu sehen.

Im selben Jahr durften auch Peter Fonda und Nancy Sinatra als "The Wild Angels" über die Leinwand donnern.
Peter Fonda war es dann auch, der zwei Jahre später gemeinsam mit Dennis Hopper seinen großen Auftritt in "Easy Rider" hatte. Zum Missfallen der Angels, da der Film keine Bruderschaft, sondern zwei Hippies zeigte.

In Deutschland wurde das erste Angels-Charter 1973 gegründet, Österreich folgte zwei Jahre später mit einem Charter in Vorarlberg. Ein Interview mit dem Chef des Wiener Charters, das erst 1985 gegründet wurde, finden Sie im Link unten.

Nach eigenen Aussagen gibt es bei den "Angels" vier grundlegende Werte, an die sich jeder zu halten hat: Ehrlichkeit Zuverlässigkeit Respekt Freiheit. Das wird auch kontrolliert, denn in der Hirarchie der Hells Angels ist klar geregelt, wer was zu tun hat. Es gibt ...

President – Leitung des Charter
Vice-President – Stellvertreter des President
Secretary – Verwaltung
Sergeant at Arms – zuständig für die Disziplin im Club
Treasurer – Schatzmeister
Road Captain – Organisation der Motorradkonvois
Member – Mitglied
Prospect – Anwärter auf den Memberstatus
Hangaround – Anwärter auf den Prospectstatus
Supporter – Unterstützung des jeweiligen oder weltweiten Charter, kein Mitglied

Es gibt aber auch die dunkle Seite der Angels. Zahlreiche Berichte über Bandenkriege und Anzeigen wegen Schutzgelderpressung, Drogenhandel etc. sprechen eine deutliche Sprache. Besonders die Bandenkriege in Dänemark und Norddeutschland wurden äußerst blutig geführt. Für die Polizei waren es Revierkämpfe, Insider der "Angels" und Kenner der Szene sprechen allerdings davon, ...

... dass es sich dabei nicht um Handelskriege, sondern um Fragen der Ehre ging. "Mitglieder sind bereit für ihren Club zu sterben" meinte ein dänischer Kriminologe in einem Interview.

Von der dunklen Seite der Angels erzählt der Bildband von Lutz Schelhorn nicht viel, muss er aber auch nicht. Er will das andere Bild der Angels zeigen - und das gelingt ihm sehr gut.

Lutz Schelhorn - "Die letzten Krieger – Deutsche Hells Angels im Fokus"

192 Seiten, 288 Photographien, davon ca. 100 Portraits, alle Photos im Duotone, gedruckt auf Kunstpapier.        
Größe: 32,6 x 25,0 cm, Leinen gebunden, Texte deutsch und englisch

Facko81 Verlag


"So einen Mythos kann man nicht brauchen"

Die Hells Angels sind der berühmteste Motorradclub der Welt, sorgen aber immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Der President des Wiener Charters wünscht sich einen Imagewandel.

Das Interview finden Sie im Link unten ...


Letztes Update am 20.01.2012, 16:32


Artikel vom 19.01.2012 12:12 | KURIER | Mathias Morscher | « zurück zu Kult


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