"Frontiers": Grenze von Spiel und Kunst
Eine österreichische Künstlergruppe hat ein Game entworfen, das den Spieler die Situation illegaler Einwanderer an Europas Grenzen erleben lässt.
Im Laster, auf dem Schiff, im Unterschlupf. "Frontiers" lässt die Spieler die Grenzerfahrung Flucht erleben.
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Ein afrikanischer Jugendlicher steht mitten in der Wüste, sein Blick schweift über eine endlose Einöde aus Sand und Stein. Er scheint nicht zu wissen, wohin er gehen soll. Die nächste Szene: Klippen und Felsen entlang einer Küste, auf einem Schild steht "Willkommen" auf Spanisch - während man im nächsten Augenblick den dichten Wald an Abzäunungen sieht, die die spanische Exklave an der Nordküste Afrikas umgeben. Sie ist für viele Immigranten die Schleuse zur Ersten Welt.
Solche und ähnliche Bilder machen den Alltag an Grenzgebieten aus. Die österreichische Künstlergruppe gold extra hat nun eine Möglichkeit entwickelt, das oft dramatische Katz-und-Maus-Spiel zwischen Immigranten und Grenzsoldaten in die heimischen Wohnzimmer zu holen - mit einem Game namens "Frontiers - You've reached the Fortress Europe". "Orte, Schicksale, Hintergründe, die man in den Nachrichten längst gesehen hat, werden zum zusammenhängenden Bild. Frontiers besteht aus einem Online-Spiel, einer Website mit interaktiven Features und Kommunikationsplattform sowie aus Interviews (Video und Text) mit ExpertInnen und MigrantInnen," erklären die Macher auf der Homepage.
Ist es möglich, Flucht erfahrbar zu machen?
"Ein Leben auf der Flucht ist tägliche Realität für tausende Menschen. Ihre Schicksale rauschen in den Medien an uns vorbei", so gold extra.Als Zielgruppe versuchen die Entwickler hauptsächlich solche Spieler zu erreichen, die sich nicht aktiv mit Flüchtlingspolitik auseinandersetzen. Sie sollen durch die interaktive Praxis einen persönlicheren Bezug zur Thematik bekommen. Für die Entwicklung des Spiels haben gold extra, die sich bisher hauptsächlich mit künstlerischen Installationen und Performances hervorgetan haben, lange an den Originalschauplätzen recherchiert.
Das Game soll dem Spieler die Möglichkeit geben, das Gefühl "auf beiden Seiten der Grenze" zu erleben. Auch wenn der Aufbau an ein Ego Shooter-Game erinnert, wollen die Produzenten in diesem heiklen Themenkontext keine unnütze Gewalt wecken: Für gewalttätiges oder unethisches Verhalten gibt es Punkteabzug für den Spieler. Er soll bewusst für das Thema sensibilisiert werden.
Trotz lehrreichen Inhaltes bleibt "Frontiers" ein Game mit typischen Spiele-Anleitungen: "Lauf zur marokkanisch-spanischen Grenze in Ceuta und versuche, sicher auf die andere Seite zu gelangen. Gelingt es dir nicht, findest du dich wieder in der Sahara-Wüste und musst 600 km gehen, um zur Grenze zurück zu gelangen." So geht es auch dem afrikanischen Jugendlichen, der im Trailer des Games plötzlich wieder erschöpft am Wüstenboden liegt - er hat es nicht geschafft, die "Fortress Europe", die "Festung" Europa zu erreichen.





