"Wie bekomme ich Ihren Job?"
Studentin trifft Manager: Technik-Studentin Bettina Schumi stellt Fragen an OMV-Vorstand Wolfgang Ruttenstorfer. Und will hoch hinaus.
Wolfgang Ruttenstorfer hat klare Ziele: Ein Gespräch mit Studentin Bettina Schumi über Diversity-Programme, Frauenförderung und seine Vorhaben im seinem letzten OMV-Jahr.
DruckenSendenLeserbrief
kommentieren
Der Ausblick vom OMV-Tower über den Wiener Prater ist traumhaft. Doch Studentin Bettina Schumi war nicht gekommen, um in die Ferne zu blicken, sondern um OMV-Generaldirektor Ruttenstorfer ihre Fragen zu stellen.
Bettina Schumi: Ich studiere Verfahrenstechnik an der Technischen Uni und werde demnächst fertig.
Wolfgang Ruttenstorfer: Sie sind 22 Jahre alt. Wie haben Sie das geschafft?
Ich habe mit 17 begonnen, damit hatte ich einen Startvorteil.
Erstaunlich. Ich würde gern' mehr wissen, aber Sie stellen ja heute die Fragen.
Was raten Sie den Jungen für den Berufseinstieg?
Eine fachliche Qualifikation ist selbstverständlich. Das ist die Pflicht. Aber soziale Kompetenz ist die Kür. Um erfolgreich zu sein, müssen Sie ein Netzwerk aufbauen können und integriert sein. Außerdem sollten Sie die Bereitschaft mitbringen, ins Ausland zu gehen.
Das sind recht hohe Anforderungen.
Definitiv und sie sind extrem gestiegen seit meinem Einstieg vor mehr als 30 Jahren. Ich hatte damals keine Auslandserfahrung. Wer weiß, vielleicht würde man mir das heute als Manko anrechnen.
Warum ist die Auslandsbereitschaft so wichtig?
Wir sind ein internationaler Konzern und erwarten, dass unsere Mitarbeiter ins Ausland gehen - sei es nach Rumänien, England oder Pakistan. Wir haben derzeit etwa 450 Expatriats.
Für Frauen ist es schwierig, Auslandseinsatz und Familie zu vereinbaren.
Frauen haben es in dieser Hinsicht sicher nicht leicht. Wir versuchen aber, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, etwa durch den Betriebskindergarten in Wien oder beispielsweise den Zugang zu internationalen Schulen an unseren Standorten. Aber natürlich ist der Männeranteil bei den Expats dominant.
Wie fördern Sie denn Frauen im Konzern?
Wir sind ein gewachsenes Bergbauunternehmen, unser Frauenanteil spiegelt daher nicht die demografische Struktur wider. Wir haben uns aber klare Diversity-Ziele gesetzt. Es geht um Ausgewogenheit von Männern und Frauen, aber auch um Nationalitätenvielfalt und Altersverteilung. 2003 waren ganz wenige Manager in unserer Tochter "Petrom" unter 40 Jahren. Heute sind es 25 Prozent.
Gibt es konkrete Pläne, Frauen zu unterstützen?
Man kann den Frauenanteil nicht von heute auf morgen erhöhen. Das dauert Jahre. Es gibt Ziele - noch keine Quoten. Wir verpflichten unsere Manager, bei den Nachfolgekandidaten einen gewissen Anteil an Frauen zu rekrutieren. So sichern wir den Nachwuchs.
Wie ist der Zugang der Frauen zur Technik?
Ein sehr guter! In den 80ern habe ich Ingela Bruner (sie war Rektorin der Uni für Bodenkultur, Anm. der Redaktion) als meine Stellvertreterin geholt. Eine ausgezeichnete Technikerin, wie viele andere Frauen auch. Wir haben auch Mitarbeiterinnen, die im Ausland große Projekte vorantreiben. Es ist keine Frage, dass Frauen Technik verstehen und können. Sie werden ja sicher auch eine gute Technikerin! Sie schreiben eine spannende Diplomarbeit zu Biotreibstoffen.
Ja, es geht um Treibstoffgewinnung aus Jatrophaöl.
Was ist das genau?
Es gehört zu den Wolfsmilchgewächsen, ähnlich einem Weihnachtsstern. Eine giftige Pflanze.
Sehr interessant. Melden Sie sich, wenn Sie im Zuge Ihrer Forschung etwas für uns finden.
Was müsste ich denn tun, um Ihren Job zu kriegen?
Zuerst einmal sollten Sie sich bei uns bewerben. Danach geht es darum, an der persönlichen Entwicklung zu arbeiten und viele Funktionen auszuüben. Und dann werden Sie sehen, ob Sie überhaupt noch Vorstand der OMV werden wollen. Vielleicht wollen Sie viel lieber etwas anderes machen. Ich glaube nicht mehr daran, dass man heute 30 Jahre lang eine Karriere im selben Unternehmen macht.
Sie waren auch drei Jahre in der Politik. Was haben Sie daraus gelernt?
Dass man die Menschen mitnehmen muss. In einem Unternehmen ist Demokratie nicht zwingend, man braucht keine Mehrheit. Aber ein guter Chef sollte dennoch nachvollziehbare Ziele haben und die Mitarbeiter dafür begeistern.
Sie werden im April 2011 aus dem Unternehmen ausscheiden. Was sind bis dahin Ihre Ziele?
Es gibt eine Reihe von Projekten, die ich verfolge. Dazu gehört vor allem die Stärkung in der Exploration und Produktion. Es geht darum, neue Reserven zu finden. Auch im Bereich Gas, Strom und erneuerbare Energien werden heuer noch wichtige Weichen gestellt. Das sind meine Kernaufgaben, die ich in den nächsten Monaten gemeinsam mit meinem Nachfolger Gerhard Roiss vorbereite. Danach möchte ich mein Wissen zur Verfügung stellen, aber nicht in einer operativen Tätigkeit.
Der Manager: Wolfgang Ruttenstorfer
Zur Person Wolfgang Ruttenstorfer, Jahrgang 1950, ist seit Jänner 2002 Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der OMV. Im April 2011 scheidet er aus dem Unternehmen aus.
Die Karriere Wolfgang Ruttenstorfer promovierte an der Wirtschaftsuniversität Wien und begann seine berufliche Laufbahn 1976 bei der OMV. Zunächst war er für Planung und Kontrolle, für Unternehmensentwicklung sowie für Marketing verantwortlich. Ruttenstorfer wurde 1992 zum Vorstandsmitglied gewählt und übte diese Funktion bis 1997 aus. Zwischen 1997 und 1999 wechselte der Manager in die Politik und wurde Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen. Anfang 2000 kehrte Wolfgang Ruttenstorfer als stellvertretender Generaldirektor in den OMV Konzern zurück, leitete den Bereich Finanzen und bis Ende 2006 den Bereich Erdgas.
Die Studentin: Bettina Schumi
Zur Person Bettina Schumi studiert Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Wien. Zu den persönlichen Schwerpunkten der Studentin zählen Brennstoff- und Energietechnologie sowie mechanische Verfahrenstechnik. Derzeit schreibt Schumi an ihrer Diplomarbeit zur Aufspaltung von Jatrophaöl für die Herstellung von Biobenzin. Schumi wird ihr Studium an der TU Wien im Frühjahr 2010 abschließen.
Zur Karriere Die 22-Jährige besuchte die Sir-Karl-Popper-Schule in Wien. Erste Berufserfahrung konnte sie durch diverse Praktika sammeln. Dabei lernte sie namhafte Unternehmen, darunter auch OMV sowie Rehau und Jungbunzlauer kennen. Schumi ist Mitglied bei Students4Excellence (= herausragende Studenten). Die Niederösterreicherin reist gerne und hat an verschiedenen Projekten im Ausland teilgenommen.





Wissen wo's langgeht! Mit dem ePaper von KURIER.at


