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FH-Rektorin: "Ich bin keine Pionierin"

Eva Werner ist erste Rektorin einer FH in Österreich. Als Pionierin sieht sie sich nicht. Viel Aufbauarbeit hat sie trotzdem geleistet.

Eva Werner FH-Rektorin Eva Werner: Sie tritt dem Vorwurf, FH-Absolventen seien weniger selbstständig, entschieden entgegen. Beim Berufspraktikum etwa müssten die Studenten viel Selbstständigkeit beweisen. DruckenSendenLeserbrief
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Wählt man 02732-802 und die dreistellige Durchwahl der Rektorin hebt die Chefin persönlich ab. "Eva Werner", sagt sie. Und wir sind verblüfft, warum keine Sekretärin die Rektorin abschirmt. "Wenn Sie direkt wählen, kommen Sie direkt zu mir", lautet die einfache Erklärung. Unsere Fragen stellen wir dann ebenso direkt.

KURIER: Sie sind erste Rektorin einer FH. Darf ich Sie Pionierin nennen?
Eva Werner:
Ich finde, das macht mich nicht zur Pionierin - weil da müsste ich etwas völlig Neues machen. Vielleicht bin ich aber am FH-Sektor eine Pionierin. Weil ich von der ersten Stunde an mit an Bord war. Seit 1994.

Sie haben Aufbauarbeit geleistet. Was war Ihnen dabei wichtig?
Mir war wichtig, dass wir nie vergessen, dass die Studierenden im Zentrum unseres Tuns sind. Dass wir ihnen gegenüber eine große Verantwortung haben: nämlich gute Studienverhältnisse und eine qualitätsvolle Ausbildung zu ermöglichen.

Wie sehr waren Sie beim FH-Aufbau von Wirtschaft und Politik beeinflusst?
Die FHs haben per Gesetz einen ganz klaren Bildungsauftrag: die praxisorientierte Ausbildung auf Hochschulniveau; in den Rahmenbedingungen, die durch die Bildungspolitik bestimmt sind. Wir sind gefordert, mit der Wirtschaft gemeinsam unsere Studiengänge zu entwickeln. Das ist kein Nachteil. Im Gegenteil, das ist ein Charakteristikum der Fachhochschulen. Was hier passiert dient unseren Absolventen - sie werden optimal für den Arbeitsmarkt vorbereitet.

Stört Sie das Image der FHs: Verschultes System, weniger selbstständige Absolventen?
Die FHs haben sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem kompetenten Player im Hochschulbereich entwickelt. Es gibt die Kritik, Fachhochschulen seien verschult. Aber um den Studierenden den Abschluss in der Regelstudienzeit zu ermöglichen, braucht es ein etwas starreres Curriculum. Dem Vorwurf, FH-Absolventen seien weniger selbstständig, möchte ich entschieden entgegentreten. FH-Studierende absolvieren z. B. ein verpflichtendes Berufspraktikum. Dabei müssen sie viel Selbstständigkeit beweisen.

FHs sind nicht führend in der Forschung. Das ist ein grobes Manko, auch fürs Image.
Die FHs sind verpflichtet, zu lehren und zu forschen. Das nehmen wir auch sehr ernst. Die Entwicklung der Forschung ist in den unterschiedlichen Studienrichtungen unterschiedlich dynamisch. Wir sind erst 15 Jahre am Markt - da entwickelt sich noch einiges. Die Forschung wird stärker werden, da bin ich mir sicher.

Sie müssen als FH-Rektorin auch gewinnorientiert denken. Wie kommen Sie damit zurecht?
Das Dilemma der knappen finanziellen Bedeckung des FH-Sektors ist hinlänglich bekannt. Von Gewinnorientierung im monetären Sinn kann daher keine Rede sein. Was die Kompetenzen und Verantwortungen betrifft, so sind diese klar zugewiesen.

Was ist Ihre Verantwortung?
Ich bin klar für den gesamten akademischen Bereich zuständig. Die Geschäftsführung kümmert sich um die wirtschaftlichen Belange.

Im Laufe Ihrer Karriere: Was mussten Sie selbst lernen?
Jeder Berufsweg ist ein Weg des Lernens. Und da macht man gerade am Anfang Fehler - das ist die Entwicklung. Ich gehe im Bildungssektor voll und ganz auf, weil ich junge Menschen auf ihrem Weg begleiten darf. Gelernt habe ich, mich auf das Gegenüber einzulassen. Und dafür die eigenen Vorstellungen auch manchmal zurückzulassen.

Zur Person: Eva Werner, FH-Rektorin

Werdegang: Prof. (FH) Mag. Eva Werner, hon.prof. (Jahrgang 1952) studierte in Wien, Frankreich (Sorbonne in Paris) and Kanada (University of Concordia). Sie unterrichtete unter anderem an der WU-Wien und an der Donauuniversität in Krems. Von 2005 bis 2009 war Eva Werner eine der fünf Österreichischen Bologna Experten und als solche aktiv an der Implementierung des Bologna-Prozesses beteiligt. 2005 wurde Werner zur Vizerektorin der FH-Krems bestellt, ihre Wiederwahl erfolgte 2008.

Die Erste Seit vergangener Woche ist Eva Werner erste weibliche Rektorin einer FH in Österreich. Auch weiterhin wird sie sich ihren Passionen widmen: Der Lehre (sie unterrichtet seit 1975) und der internationalen Vernetzung.


Artikel vom 07.02.2010 14:33 | KURIER | Sandra Baierl


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