Wege aus der Arbeitslosigkeit
Je mehr Know-how, umso besser die Jobchancen. Mit 1,22 Milliarden fördert das AMS Fortbildung - nicht nur für die Statistik.
Stephanie Langthaler, 24, wird Elektroanlagen-Technikerin und erfüllt sich einen lange gehegten Berufswunsch. "Meine Eltern wollten immer, dass ich Friseurin werde oder in einem Büro arbeite"
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Sie ist 24, kann aber schon so einiges erzählen. Wir treffen Stephanie Langthaler im Berufsausbildungszentrum in der Wiener Engerthstraße, wo sie Elektroanlagentechnik lernt. Spät aber doch erfüllt sie sich einen lange gehegten Berufswunsch - als eine von 750 Auszubildenden, die hier mit Unterstützung des AMS eine zweite Bildungschance erhalten.
Mit 17 hat die Wienerin das Gymnasium abgebrochen - "Schule hat mich nicht mehr interessiert, das war leider so...nachher weiß man es immer besser" -, dann fand sie keine Lehrstelle; sie war schon zu alt. Stephanie geht zum Bundesheer, wo sie nach der Grundausbildung acht Monate im Österreicher-Lager in Suva Reka, Kosovo, verbringt. "Eine lehrreiche Zeit," sagt sie, "ich war eine von zwei Frauen unter 800 Männern." Mit 23 quittiert sie den Dienst, weil das "kein Familienberuf" sei. "Meine Eltern wollten immer, dass ich Friseurin werde, oder in einem Büro arbeite. Nur, ich wollte einen technischen Beruf ergreifen."
Ende September wird sie, wenn alles gut geht, mit ihrer Lehrausbildung fertig sein - und trotz Wirtschaftskrise eine gefragte Fachkraft sein.
Fachkräfte gesucht
Herr der Kurse: Wilfried Weiss weiß, wo die freien Jobs zu finden sind"Wir wissen genau, welche Arbeitskräfte die Betriebe brauchen," sagt Wilfried Weiss, der Leiter des Ausbildungszentrums. "Elektrotechniker werden definitiv gebraucht." Was auf Frisörinnen und Sekretärinnen nicht zutrifft.
Ursprünglich war sein Haus für 650 Auszubildende konzipiert. Dass es jetzt 100 mehr sind, liegt an den unerfreulichen Arbeitslosenzahlen und einem kaum gekannten Ansturm auf die Bildungseinrichtungen. Alleine in Wien waren im Dezember 26.107 in Schulungen des AMS gemeldet, 8619 mehr als 2008 - plus 50 Prozent.
Dabei haftet den AMS-Schulungen schon lange der Verdacht an, Beschäftigungstherapie zu sein bzw. die Arbeitslosenstatistik zu schönen. "Stimmt nicht," sagt Beate Sprenger, AMS-Pressesprecherin, "es ist mittlerweile üblich, die Schulungsteilnehmer in der Statistik dazuzuzählen." Ergibt gesamt 402.692 Arbeitslose im Jänner. Ein alarmierendes Winter-Hoch.
Martin Dragulovic, 28, macht die Ausbildung zum KlimatechnikerDie AMS-Erfolgsquote zeige, dass der Großteil der Schulungen so sinnlos nicht sein kann: "Zwei von drei Jobsuchenden haben innerhalb von sechs Monaten nach Ende der Schulung wieder eine Beschäftigung."
Hier in der Engerthstraße läuft's sogar noch besser. Allerdings bekommen hier nur die Besten eine Chance: "In den ersten vier Wochen liegt die Drop-out-Rate bei 40 Prozent," erzählt Leiter Weiss, "dafür liegt der Prüfungserfolg bei 94 Prozent. Und 70 bis 80 Prozent finden innerhalb von drei Monaten nach Abschluss einen Job."
Martin Dragulovic ist 28 und holt hier endlich die Ausbildung zum Sanitär- und Klimatechniker nach, jene Lehre, die er vor zwölf Jahren abgebrochen hat. "Ich bin damals ein bissl abgedriftet," sagt er. Jetzt ist der Fokus klar. Im Oktober steht die Abschlussprüfung an. Schon in der Betriebspraxis soll sich ein Job ergeben. "Wenn man da gut ist, wird man übernommen."
Haci Alparslan, 23, hat die Lehre abgebrochen und holt sie jetzt mit AMS-Hilfe nach: "Schlosser sind gefragt""Qualifizierungsmaßnahme" nennt das AMS jene Ausbildung, die Martin und Stephanie hier erhalten. Es ist ein Vorzeigemodell des AMS. Bei 17 Prozent liegt die Arbeitslosenquote nach Pflichtschulabschluss, bei nur sechs Prozent nach absolvierter Lehrausbildung.
Andere AMS-Kurse setzen weiter unten an: bei der fachlichen Unterstützung der Arbeitssuche, bei der Reintegration in den Berufsalltag oder bei der Klärung, für welchen Beruf man überhaupt geeignet ist.
Dafür greift das AMS auch tief in die Taschen. Rund 900 Euro erhalten Auszubildende an Lebensunterhalt und Fahrtkostenzuschuss. Das Budget für Fördermaßnahmen wurde für 2010 von einer Milliarde Euro auf stolze 1,22 Mrd. Euro aufgestockt.
Bei vielen, die zu Wilfried Weiss ins Ausbildungszentrum kommen, hapert es am Fundamentalen: "Sinn ergreifend lesen können leider die Wenigsten. Das sind zum einen schulische Defizite, das ist aber auch ein gesellschaftliches Problem" sagt Weiss. "Vor zwanzig Jahren haben wir den Mathematik-Unterricht mit Bruchrechnen begonnen. Heute starten wir einfach: mit Addieren und Subtrahieren."





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