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KURIER
Von anonymisierten Bewerbungen profitieren vor allem Frauen und Migranten.
Von anonymisierten Bewerbungen profitieren vor allem Frauen und Migranten. - Foto: Torbz - Fotolia

Letztes Update am 14.09.2012, 14:24

Mehr Chancen mit anonymisierter Bewerbung. Frauenministerin Heinisch-Hosek will mit einem Pilotprojekt mehr Fairness in den Arbeitsmarkt bringen.

Um Diskriminierung in der Arbeitswelt schon beim Einstieg in den Job zu bekämpfen hat Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien ein neues Pilotprojekt vorgestellt: Mittels anonymisierter Bewerbungen sollen künftig auch jene Interessenten für einen Job eingeladen werden, die bisher schon im Vorhinein aufgrund von Vorurteilen ausgesondert wurden. "Es geht um mehr Fairness am Arbeitsmarkt - in einer idealen Welt wäre so ein Projekt gar nicht nötig", meinte Heinisch-Hosek.

Freiwilligkeit

APAustrian health minister Gabriele Heinisch Hosek delivers a speech during a parliamentary session in Vienna, Austria, on Thursday, March 12, 2009. (AP Photo/Ronald Zak)
Heinisch-Hosek: "Es geht um mehr Fairness am Arbeitsmarkt" - Foto: AP

Da bestimmte Personengruppen bei Bewerbungsverfahren häufiger von Vorurteilen und Diskriminierung betroffen seien, sollen die Personalabteilungen in der ersten schriftlichen Phase der Bewerbung kein Foto, Namen oder Daten der Bewerber erhalten, woraus auf Geschlecht, Alter, Familienstand oder Migrationshintergrund geschlossen werden kann. Nur anhand der Qualifikation soll entschieden werden, wer zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, erläuterte Heinisch-Hosek. Internationale Erfahrungen zeigten, dass von anonymisierten Bewerbungen vor allem Frauen und Migranten profitieren und häufiger zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden.


Das Projekt sei freiwillig und stehe auch anderen Unternehmen aus der Privatwirtschaft offen, betonte die Frauenministerin. Allerdings könne sie sich in einer weiteren Phase, nachdem die Ergebnisse der Evaluation vorliegen, auch Vereinbarungen der Sozialpartner und gesetzliche Schritte vorstellen. Ausgewertet werden die Ergebnisse durch Studentinnen und Studenten der Wirtschaftsuniversität Wien (WU). Untersucht wird, ob sich dadurch die Aufnahmepraxis verändert hat.

Rewe und Novomatic beteiligen sich

Bisher machen zwei Unternehmen in Österreich bei dem wissenschaftlich begleiteten Projekt mit: Die Handelskette Rewe mit ihrer IT-Abteilung sowie der Glücksspielkonzern Novomatic.

Der Konzernpersonaldirektor der REWE International AG, Johannes Zimmerl, erläuterte die Vorgangsweise in seinem Unternehmen: Die schon derzeit zu 95 Prozent online erfolgenden Bewerbungen für die IT-Sparte würden anonymisiert und mit einem Code versehen. Bei Vorliegen der geforderten Qualifikation würden die Bewerber zum persönlichen Gespräch eingeladen. Zimmerl sieht darin eine "Riesenchance" für das Unternehmen, Leute zu einer Bewerbung zu ermutigen, die sich sonst vielleicht nicht getraut hätten. Ab Anfang November werde das Projekt umgesetzt. Wenn es gut funktioniere wolle Rewe dieses Vorgehen auch in anderen Abteilungen der Handelsfirma einsetzen.

Der Unternehmer Ali Rahimi vom Verein "Wirtschaft für Integration" sieht in anonymisierten Bewerbungen eine Chance, Diskriminierungen zu verhindern. "Es soll nicht nach Herkunft, Alter oder Geschlecht diskriminiert werden, sondern alleine nach der Leistung beurteilt werden", forderte er. Laut einer OECD-Studie finden in Österreich 27 Prozent der Einwandererinnen und 30 Prozent der Einwanderer keinen Job, der ihrem Ausbildungsniveau entspricht. Hier gehe viel Potenzial verloren, sagte Rahimi.

 

(APA/tan) Erstellt am 14.09.2012, 14:07


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