Letztes Update am 13.08.2012, 09:50
Zwei Jugendfreunde mit Tatendrang haben ihre Ideen gebündelt: In einem Café mit Druckereibetrieb.
Erst wenn man in die Auslage gegenüber blickt, ist das Firmenschild auf einen Blick zu lesen. Das Schild eine spiegelverkehrte Druckplatte, das Konzept ein Hybridshop. Auf witzigen Holzhockern sitzt gerade noch im legalen Bereich die Kundschaft auf dem Gehsteig. Es duftet nach Espresso, chillige Musik dringt aus dem kleinen verglasten Shop. Drin zwei junge Burschen, die aussehen wie ihre eigenen Praktikanten. Doch sind sie ihre eigenen Chefs. Zwischen Druckmaschine, Kopierer und Espressoautomat haben sie sich ihren Traum von der unternehmerischen Freiheit erfüllt.
Robi Faustmann und Maurizio Stoisser, beide 24, sind ehemalige Schulfreunde, haben zwölf Jahre gemeinsam eine Waldorfschule besucht. "Schon damals hatten wir immer wieder Ideen für gemeinsame Projekte", sagt Robi. Die sie während des Studiums auch umsetzten. Wie das "DJ-Wagerl", ein transportables Mischpult. Robi studierte zwei Jahre lang Filmproduktion und produziert Videos, hat eine eigene Band. Maurizio studiert Jus, macht nebenher ebenfalls Video- und Fotoprojekte. Eineinhalb Jahre und fünf Businesspläne später haben die beiden ein weiteres gemeinsames Ding gedreht. Im März eröffnete die "Kaffeedruckerei" im siebten Wiener Gemeindebezirk. Geboren wurde die Idee im Wohnzimmer der beiden WG-Kollegen. Die Kaffeedruckerei vereint diverse Projekte der beiden. Für die Videos und Musik haben sie sich in der Etage über der Kaffeedruckerei ein kleines Studio eingerichtet. "Da ist viel kreative Energie", sagt Robi. Abends arbeiten sie dort mit Freunden – und kommen auf eine 60- bis 80-Stunden-Woche.
Konzept
Irgendwann entschieden die beiden, neben dem Studium Druckaufträge von Architekten anzunehmen, schafften sich eine Plotmaschine an – die heute noch im Wohnzimmer der WG steht. Die Sache mit den Architekten habe sich über Robis Vater ergeben. "Da bestand Nachfrage und wir haben sie erfüllt", sagt Maurizio trocken. "Wir sind jauch günstiger als andere Plotstudios." Doch das Produzieren in der WG wurde ihnen langweilig. Nach eineinhalb Jahren war das Geschäftslokal gefunden. "Das war der nächste logische Schritt", sagt Robi. Geld kommt vor allem über die Laufkundschaft herein. "Viele Studenten kommen zu uns, um etwas auszudrucken", sagt Maurizio. "Hier gibt es keine Benützungsgebühr, dafür Kaffee und freundliche Atmosphäre." Große Druckereien sind keine Konkurrenz. "Wir geben an sie Aufträge weiter und beziehen unser Papier von ihnen."
Gezweifelt haben die beiden nie daran, dass die Idee Wirklichkeit wird, sagt Maurizio: "Unser Tatendrang war einfach zu stark." 2013 wollen sie ausbauen – und drei Mitarbeiter einstellen.
"Zweifel hatten wir nie"
Wieso das Ganze? Maurizio: Um frei zu sein, und selbstständig. Robi (lacht): Selbst und ständig.
Hattet ihr je Selbstzweifel? Beide: Nein. Maurizio: Man wägt natürlich die Argumente ab, die dagegen sprechen, aber echte Zweifel hatten wir nie.
Die größte Stütze war? Maurizio: Der Glaube daran. Ohne ihn hätten wir’s nicht gemacht. Robi: Familie, Freunde, Bekanntschaften haben uns sehr geholfen.
Das größte Hindernis? Robi: Das waren im Vorfeld amtliche Wege. Kleinigkeiten. Ein großes Hindernis hatten wir nicht, sonst wären wir nicht hier.
Wohin soll’s gehen? Robi: Nächstes Jahr hätten wir gern zwei, drei fix angestellte Mitarbeiter. Maurizio: Und vielleicht irgendwann ein eigenes Büro für unsere Videoprojekte.
Ein Rat für junge Selbstständige? Robi: Viel über Idee und Umsetzung reflektieren.
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