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KURIER

Letztes Update am 27.07.2012, 12:34

Erfolgsgeschichte: Silberne Leidenschaft. Claudia Steiner biegt, presst und verziert Metall. Heraus kommt ein Schmuckstück, das überdauert.

Jedes Schmuckstück entsteht zuerst  im Kopf, dann findet es sich auf einer vagen Skizze. Manchmal spannt Claudia Steiner eine  Silberplatte  oder einen Kupferdraht mit  ihren zarten Fingern  in eine Presse aus  Eisen – ein Ungetüm –  und dreht die Kurbel. Ihr Körper  folgt der Bewegung. Hinaus kommt ein  Plättchen, hauchdünn. Das Metall wird weiter bearbeitet,  immer und immer wieder. Bis es fertig ist.  Dann ist es  von  verspielter Form und  fragil, zurückhaltend,  verdreht und an manchen Stellen  kantig.  Immer ein Unikat, mit Claudia Steiners Handschrift.

"Die Bezeichnung Schmuckgestalterin gefällt mir am ehesten", sagt sie. Künstlerin sei sie keine, denn für diese Titulierung fehle ihr die akademische Ausbildung.   Dafür hat sie drei Ausbildungen. Und wer sagt, dass ein Titel einen Künstler macht?

 

Drei Berufe

Claudia Steiner ist in Wien geboren, wuchs im zehnten Bezirk am Laaer Berg auf.  Als Jugendliche machte sie die kaufmännische Lehre. "Ich wusste nicht, was ich werden wollte. Ich wusste aber  bald, dass es das nicht ist", sagt sie. Im jungen Erwachsenenalter startete sie die Ausbildung zur  Make-up-Artistin. Zehn Jahre blieb sie in diesem  Beruf. Glücklich war sie, aber nicht erfüllt. "Der Job als Visagistin hat meinem Wesen nicht entsprochen. Das laute, schrille Getue, das hysterische Gehabe – das bin ich eigentlich  nicht", sagt Steiner. Ist sie nicht.     

 

Eine Berufung

In den Jahren 2003 und 2004 machte Claudia Steiner daher berufsbegleitend die Ausbildung zum Gold- und Silberschmied an der Goldschmiedeakademie in Wien – sie war damals  bereits über 30."Mich hat Schmuck immer interessiert, vor allem im avantgardistischen Bereich. Aber mir war  nicht  klar, dass ich mit diesem  Handwerk meinen Lebensunterhalt verdienen werde." Nach der Gesellenprüfung bildete sich Steiner weiter, besuchte Seminare im Ausland, probierte aus, übte, wiederholte, lernte.     

Vor einem Jahr entdeckte sie im vierten Bezirk ein Lokal. Steiner renovierte es mit ihrem Mann, baute es zu Werkstätte und Schauraum um. Der Name: "Schmuckstelle". Sie teilt sich das Quartier mit zwei Kolleginnen  – aus sozialen und finanziellen Gründen. "Es ist mehr Arbeit, für weniger Verdienst." Aber das Leben als Visagistin sei weniger planbar gewesen. "Ich wusste  von einem Tag auf den anderen nicht, welchen Auftrag ich habe. Wenn ich heute eine Serie gestalte, sitze ich bis in die Nacht hinein und die Arbeit geht zu Hause weiter.   Aber ich kann mir die Arbeit frei einteilen und mich entwickeln. Und ich mache etwas, das bleibt."   

Claudia Steiner sagt, sie sei in ihre Berufe gestolpert. Offenbar mit offenen Augen.Sonst wäre sie nicht hier angekommen.

 

„Bestätigung muss man annehmen können“

Wieso das Ganze?Weil etwas bleibt und ich mich ausdrücken kann. Und weil ich schon immer selbstbestimmt arbeiten wollte.    

Selbstzweifel? Sind natürlich immer dabei. Aber man bekommt auch positive Bestätigung und die muss man annehmen können.

Die größte Stütze? Über all die Jahre hinweg mein Mann. Er war immer der positive Punkt und hat sich immer für die Dinge interessiert, die ich mache. Das ist  wichtig.  

Was bereuen Sie? Zehn Jahre als Visagistin hätten nicht sein müssen. Fünf hätten auch gereicht.

Wohin soll’s gehen? Ich würde gerne vermehrt in internationalen Galerien  ausstellen.  Eine eigene Galerie – das wäre ein Traum. Und ich möchte mich in der  Arbeit, die ich mache, weiterentwickeln.

Ein Rat  für  junge Selbstständige? Ohne Leidenschaft geht es nicht.Und Durchhaltevermögen ist wichtig. 

(kurier) Erstellt am 27.07.2012, 10:50

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