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Wednesday, May 23, 2012
Letztes Update am 03.02.2012, 14:13
Tobi Müller, seine Freundin und Edi Dimant (v.li.)
Es muss schön sein, wenn ein Lokal von Anfang an läuft. Wenn in den Mittags- und Abendstunden um einen der 25 Plätze gerangelt wird und Restaurantkritiker verzückt vom „durch und durch wunderbaren Mochi in der Wiener Praterstraße“ schwärmen. „Es ist fast zu schön gerade. Es ist unwahrscheinlich, was hier seit 14 Tagen passiert“, sagt Tobi Müller leise und fast ehrfürchtig. Er und Eduard Dimant haben vor nur zwei Wochen im zweiten Bezirk das japanische Restaurant mit kalifornischem Einschlag eröffnet. „Wir können schon gar nicht mehr ans Telefon gehen, um Reservierungen entgegenzunehmen. Die Leute sind sauer. Ich kann das verstehen. Es tut mir auch leid, aber wir sind nur zu viert“, sagt Müller.
Sechs Tage die Woche verbringen sie im Mochi. Das hinterlässt Augenringe. Tobi Müller verfolgt die Handgriffe der Kollegen über die Teakholz-Theke hinweg. Sie haben ihre Hände überall, sie schneiden, kochen, schenken aus, servicieren. Eine klare Aufteilung gibt es im Mochi nicht. Braucht es nicht. Man kennt einander zu lange und zu gut, um Grenzposten errichten zu müssen. 2004 haben Edi Dimant und Tobi Müller einander im japanisch inspirierten Berliner Gourmetrestaurant Kuchi kennengelernt.
Tobi Müller wurde in die Gastronomie hineingeboren. Nicht nur im übertragenen Sinn, er kam tatsächlich im Hospiz Hotel Arlberg zur Welt. Er ging in die Hotelfachschule und nach dem Bundesheer zu DO & CO. „Ich habe dort sehr viel gelernt“, sagt er. Er reiste und lebte in New York, Berlin, Italien und Frankfurt. „Ins Ausland gehen ist das Allerwichtigste“, sagt Müller.
Edi Dimant wurde in Tel Aviv geboren und wuchs in Berlin auf. „Mit 16 habe ich neben der Schule in der japanischen Szene in Berlin zu kochen begonnen“, erzählt er. Dimant machte die Matura, studierte und startete erst mit 24 Jahren seine Kochlehre. Im Anschluss ging er nach Paris, lernte bei den Starköchen Pierre Gagnaire und Jean-François Piège.
Die Gründer des japanischen Lokals mit kalifornischem Einschlag: Tobi Müller (li.) und Edi Dimant. Vor zwei Wochen erfüllten sie sich ihren Geschäftstraum in der Praterstraße 15.
Innerhalb von zwei Monaten wurde das 50 Quadratmeter Lokal fertig gestellt - das Loch ist Absicht.
Designt wurde das Mochi vom Architektenbüro Kohlmayr Lutter Knapp.
Eduard Dimant bei der Arbeit.
Seitdem er 16 Jahre alt ist, jobbte er in Sushi-Küchen, unter anderem in Moskau.
Tobi Müller, seine Freundin und Edi Dimant. Dimant`s Freundin hilft, wenn sie nicht wie derzeit hochschwanger ist, auch mit.
Ausgewählte japanische Getränke: Sake und so.
Immer wieder zogen sie an dem Lokal in der Praterstraße vorbei, in dem sie heute 16 Stunden täglich verbringen. „Früher war hier ein Kletter-Geschäft. Als wir es übernommen haben, war es eine totale Bruchbude“, erzählt Tobi Müller. Sechs Monate haben sie das Lokal geplant, am 7. November 2011 war Baubeginn, in nur zwei Monaten war es fertig. „Wir waren jeden Tag hier, unsere Hände waren an fast jedem Eck dran“, lächelt er. Designt wurden die 50 Quadratmeter, die das Mochi bedeuten, von den Architekten „Kohlmayr Lutter Knapp“. Zu klein finden die Besitzer es nicht. „Gerade das macht es gemütlich“, sagt Dimant. Im Sommer kommt ohnehin ein Schanigarten hinzu.Die Richtung der Küche war beiden von Anfang an klar. „Uns hat das in Wien gefehlt“, sagt Tobi Müller. „Mich inspiriert die japanische Küche deswegen, weil die Japaner eine sehr präzise Arbeitshaltung haben. Bei mir muss alles seine Ordnung haben, sonst fühle ich mich unwohl. Eine Macke“, sagt Edi Dimant.
Eine Macke, die dem Gast herzlich recht ist. Etwa dem älteren Herren, der beim Verlassen des Lokals verlautbart: „Meine Herren, Sie haben ausgezeichnet gekocht.“
Wieso das Ganze? Tobi: Uns hat das in Wien gefehlt.
Die größten Hürden? Edi: keine Hürden. Wir haben beschlossen, es zu machen und das war’s. Es ist schwierig, gutes Personal zu finden. Wir suchen – ab sofort.
Tobi: die Finanzierung.
Die größte Stütze? Tobi: Edi, Freundin, Familie.
Was haben Sie zuletzt gefeiert? Edi: Eine richtige Feier hatten wir hier noch nicht. Wir haben den Geburtstag von Tobis Vater und Bruder gefeiert. Tobi: Am Samstag den Geburtstag von meinem Papa und meinem Bruder. Der Edi wird bald Papa, das wird dann richtig gefeiert.
Wohin soll’s gehen? Edi: ein zweites, drittes Mochi? Vielleicht ein Take-away oder eine Suppenküche. Mal schauen, was kommt.
Letztes Update am 03.02.2012, 14:13
Artikel vom 02.02.2012 16:18 | KURIER | Andrea Hlinka | « zurück zu Karrieren
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