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Freitag, 19. März 2010

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Touristen Hoch Burg

Machu Picchu ist teurer als eine Massage in Cusco. Aber irgendwie ist beides anständig.

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Mit Machu Picchu ist es wie mit einem Panoramaröntgen beim Zahnarzt: Man macht es unbedingt mit, wenn man schon mal da ist. Ein Besuch in Perus Touristen-Hoch-Burg ist ähnlich teuer wie der Besuch beim Dentisten, hat aber den Vorteil, dass man danach im Freundeskreis etwas zu erzählen hat.
Beginnen wir dort, wo jeder Tourist seinen Machu Picchu-Ausflug beginnt: Im kulissenhaften Zentrum der ehemaligen Inka-Zentrale Cusco. Dort schreit alles laut "Fremdenverkehr", getarnt als Restaurant-Kellner, Tourveranstalter oder Massage-Mädchen.

Meine Masseurin hieß Jessica und hat mich am Tag nach ihrer Dienstleistung schon mit dem Vornamen angesprochen: "Axel, Massache?" Natürlich fragt man sich, wenn man erstmals der Verlockung einer Ein-Stunden-Massage-Um-Umgerechnet-6-Euro erliegt, wie Unanständig diese Stunde wird. Aber spätestens, wenn man von Jessica durch eines der tausend Geschäfte in Cuscos Zentrum geführt wird, die alles von Kameraersatzteilen bis zu Wäschereidiensten anbieten, wenn Jessica einen über eine steile Leiter in den eingezogenen Halbstock-Balkon im Geschäft führt, in dem drei Massagebetten eng aneinander gestellt sind, und wenn auf zwei der drei Betten schon Männer liegen, weiß man: Es ist nur Massage. Und entspannt sich.

Diese für Peru eigenartige Dienstleistung ist ein Abfallprodukt des Andranges zum Inkatrail, einer Art viertägiger Jakobsweg nach Machu Picchu. Jessica war es ganz egal, dass ich Macchu Picchu noch vor mir und die Idee des Fußweges längst verworfen hatte. Ich bin nämlich mit dem Zug gefahren, wie die meisten und habe gebrannt wie ein Kristallluster im Biedermeier. Ich habe extra eine Nacht in Aguas Calientes, dem häßlichsten Beispiel eines Tourismus-Kollapses weltweit, verbracht, um am nächsten Tag schon den fünf Uhr dreißig Bus nach Machu Picchu zu nehmen. Und wie die anderen 300 Frühaufsteher den Sonnenaufgang hinter den Wolken zu erahnen.

Aber ich habe sie gesehen, die alte Inkastadt mit einer idyllischen Lage ähnlich den Schlögener Schlingen. Dieses eine Neue Weltwunder, von dem man bis heute nicht genau weiß, ob und wie wichtig es für die Inka-Kultur war. Von dem man nicht genau sagen kann, ob es je bewohnt war oder schon nach dem Bau verlassen wurde. In dem die Führer den interessierten Ausländern jeden Stein mit den Worten "Man vermutet, der hatte Bedeutung" erklären.

Aber wie gesagt: Die Lage. Ein Traum für jeden Marketing-Absolventen. Und daher ein Magnet, in dessen Schatten nur wenige der 2500 täglichen Besucher die etwas abseits gelegene Inkabrücke besuchen. Ich habe dort mit einem der Weg-Arbeiter geplaudert und Kokablätter gekaut. Wiederum nichts Sündiges, sondern hier Nationalheiligtum. Und für mich unerträglich grauslich. Wie übrigens auch die "Thermalquellen" in Aguas Calientes, nur für den Fall, dass Sie auch noch ein paar Stunden bis zur Abfahrt ihres Zuges Zeit haben… Lassen Sie sich besser massieren.

p.s. Jetzt bin ich wieder in Lima, eine pulsierende Stadt, schauen Sie sich das an, ich war sogar Paragleiten über den Hochhäusern von Miraflores (Parque Amor), schauen Sie sich das an. Ich sitze im US-Kaffehaus-Ketten-Lokal und neben mir eine englischsprachige Mittdreißigerin in peruanischem Stoff, die hat Peru sichtlich genossen. Ich komme nicht umhin, in das Notizbuch zu blinzeln, in das sie gerade gedankenverloren schreibt.

I adore myself.
I adore all others.
I am the adoring love of god.

Jetzt zeichnet sie einen Bilderrahmen mit Blumen. Aus dem Buch schaut ein Lesezeichen hervor. Ich erkenne es: Eine Eintrittskarte nach Machu Picchu.

Die Route bisher: Wien - Madrid (Spanien) - San José (Costa Rica) - Tortuguero - Puerto Viejo - Manzanillo - Vulkan Arenal - Monteverde - San Juan del Sur (Nicaragua) - Isla Ometepe - Granada - SOS Kinderdorf Santa Ana (El Salvador) - Quezaltenango (Guatemala) - Puerto Arista (Mexiko) - Oaxaca - Mexiko City - Lima (Peru) - Paracas - Nasca - Arequipa - Puno/Titicacasee - Isla Amantani - Cusco - Machu Picchu - Lima, nächstes Ziel: Punta Arenas (Chile) und Feuerland.

Schnäppchen dieser Tage: Eine Stunde Massage kostet in Cusco ab 20 Soles, rund vier Euro fünfzig. Um zehn Soles Aufschlag wird sie zur "Hot Stone"-Massage. Und nochmal: Alles ganz anständig.
Nepp dieser Tage: Die günstigste Zugfahrt nach Machu Picchu-Dorf (aka Aguas Calientes) kostet 48 US-Dollar, einfache Fahrt. Der Bus zu den Ruinen sieben, nur hinauf. Der Eintritt selbst 41. Und wer früh genug da sein möchte, um den Touristen zu entkommen, muss in Aguas Calientes schlafen, nicht unter 50 US-Dollar. Jaja, die Peruaner sind stolz auf ihre Touristen-Hoch-Burg.


1 Kommentar zu "Touristen Hoch Burg"
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  1. sandrallo :.

    ich würd's mir trotzdem anschauen. nach dem motto: been there, done that. weil erst danach hat man ahnung.

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Artikel vom 02.12.2009, 12:25 | KURIER | Axel N. Halbhuber

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Foto vom Autor Digital Workroom Administrator Axel N. Halbhuber begibt sich ein Jahr lang auf Weltreise und hält die Leser von KURIER.at in seinem Blog mit seinen Erlebnissen auf dem Laufenden.

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