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Donnerstag, 18. März 2010

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Tanz mir das Spiel vom Tod

Madrid sei nicht so, meinten viele. Stimmt nicht, meine ich: Die Stadt ist im Takt, bis zum letzten Blutstropfen.

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Ich sage es gleich: So ein Stierkampf ist wirklich grausig. Nämlich weil der Stier so gar keine Chance hat. Bevor der Matador, der Hauptakteur, alleine mit ihm in der Arena steht, haben ihn seine Helfer schon so gehetzt und verletzt, dass der Bulle chancenlos ist. Schade eigentlich, ich hätte neben den sechs toten Männerkühen am Samstag auch gerne einen bedrängten Kuhmann gesehen.

Aber bei aller politischen Unkorrektheit meines Plaza del Toro-Besuches muss ich sagen: So ein Torero bewegt sich während des ungleichen Schlusskampfes unfassbar elegant. Während die Banderilleros, seine Helfer, nach jeder Attacke hinter die Holzwand laufen, als hätten die Lausbuben der Hausmeisterin ein Fenster eingeschossen, bleibt der Matador beim finalen Tanz wacker auf Körperkontakt mit dem Stier. Er dreht und schnörkselt sich um das Bröckerl, als würde Thomas Schäfer-Elmayer mit dem Punktetaferl daneben sitzen.

Apropos Tanz: Jeder Tag in dieser Stadt festigt den Eindruck, dass Madrid tanzt. Nein, nicht Flamenco und Paso Doble, das kennen die schönen Mädchen und Buben wahrscheinlich gar nicht mehr, die auf der Gran Vía promenieren. Sie tanzen das Leben. Die Madrilenen haben etwas vergnüglich Würdiges, dabei aber scheinbar immer ein Ziel vor Augen. Also schlendern sie nicht, sie schreiten. Und ihre Stadt kommt daher wie ein großer Ballsaal. Ich verstehe nicht, wieso mir so viele gesagt haben, dass Madrid nicht so ist, nicht so schön und nicht besonders besonders. Die Stadt ist prächtig, wie für einen Tanzabend hergerichtet, die vielen Baustellen wirken da nur wie letzte Vorbereitungen. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die Menschen hier tanzen, sie tänzeln nicht. Keiner von ihnen rennt pikiert florentinisch durch die Gassen, höchstens in Chueca, dem Szene-Gayviertel. Dort gibt es dann schon einige. Und die erinnern an die Stierhelden in ihren rosa Strumpfhosen.

Womit wir wieder beim Thema wären, pikiertes Rinderschlachten. Diese Corridas dürften das spanische Ascot sein, die Menschen in meinem Rang haben alle ein bisschen nach Champagner und Kaviar ausgesehen und vor einem Jahr sicher alle ein wenig unruhig geschlafen, Aktienkurse und so. Aber sogar beim Schnöseln bewahren sie ihre choreografische Lockerheit: Kusshände fliegen, Sonnenbrillen werden gelüftet, Sakkos schwungvoll übergeworfen. Und wenn ihr Held in der zu engen Hose seinen Todeskampf ordentlich gemacht hat, winken sie ihm mit weißen Taschentüchern zu.

Nur der Stier, der tanzt dann nimmer.

Die Route bisher: Wien-Madrid, nächstes Ziel: Costa Rica
Schnäppchen dieser Tage: Das Hostal Miami, Gran Vía 44: 29 Euro pro Nacht und Person, sauberes Zimmer mit Bad, mitten im Zentrum.
Nepp dieser Tage: Frühstück in der Calle Preclados. So lecker ein bisserl einheimischer Schinken und guter Kaffee ist, aber 23 Euro dafür, ich meine ja nur.


3 Kommentare zu "Tanz mir das Spiel vom Tod"
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  1. Michael H.

    ¡Hola, companero!

    ¿Que tal? ¿El jamon es muy caro?
    Wenn's der echte Iberico/Pata Negra war, musst Du den Preis schlucken...
    Leider hab' ich's nicht geschafft, es so zu deichseln, dass wir uns in Madrid treffen. Musste statt dessen in München antanzen (auch am Oktoberfest, dort gab es statt teurem Schinken wohlfeile Schweinshaxe, ...)

    ¡Buen viaje!
    Miguel

  2. Kathi S.

    Ich schreibe jetzt auch so Sachen auf unter dem Arbeitstitel "Was ich dir noch sagen wollte".
    Danke, dass du mich dazu ermutigt hast.
    All the best, freu mich von dir zu lesen!

  3. Stefan M.

    "höchstens in Chueca, dem Szene-Gayviertel. Dort gibt es dann schon einige. Und die erinnern an die Stierhelden in ihren rosa Strumpfhosen"

    hahaha... die schwulen Spanier sind bei weitem maskuliner als die meisten heterosexuellen Wiener.

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Artikel vom 08.10.2009, 08:26 | KURIER | Axel N. Halbhuber

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Foto vom Autor Digital Workroom Administrator Axel N. Halbhuber begibt sich ein Jahr lang auf Weltreise und hält die Leser von KURIER.at in seinem Blog mit seinen Erlebnissen auf dem Laufenden.

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