GEILHEIT, RECYCLET
Gabriele Kuhn, 19.11.2009, 12:00
Soziale Netzwerke wie Facebook verführen zum Stöbern: Was treibt das Mädel mit dem geilsten Hintern des gesamten Bezirks? Was macht er, der erste Zungenkuss-Kandidat?
Das herauszufinden ist heutzutage leichter denn je. Was dann daraus werden soll, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt. Die freizeit-Sexkolumne im Weblog.
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Es soll Menschen geben, die sich selbst googeln. Doch abseits dieser mentalen Onanie ist es gängiger, nach Anderen zu suchen. Stars, Sternchen - und, sehr häufig: die alte Liebe. Ist die nicht zufällig Robbie Williams, Pink, ein allseits bekannter Schwerverbrecher oder sonst irgendwie verhaltensauffällig, wird man in Suchmaschinen nicht fündig werden.
Anders ist das in sozialen Netzwerken - z.B. Facebook oder My Space. Da tummelt sich das Fußvolk, da stehen die Chancen gut, alte Koitusabschnittspartner, Petting- und Zungenkünstler aufzustöbern. Facebook verlockt zur nostalgischen Reise ins Gestern. Und, zoing, ab in die Zeitmaschine: Hat der Bursch, dem man dereinst im halbrostigen Opel Kadett am Rande der Höhenstraße die Zunge im Rachen versenkte, mittlerweile eine teure Golfclub-Mitgliedschaft, das Reihenhaus im Grünen und einen kleinen Bierbauch? Trägt die Schnitte, deren Brüste einst Erektionen, Härtegrad 10, hervorriefen, immer noch Strings oder gar wollene Stützstrümpfe? Was macht er jetzt, der Kurtl mit den vielen Platten und der vernudelten Auszieh-Couch? Was treibt die blonde Gitti, seinerzeit berüchtigt für die kürzesten Röcke und den geilsten Arsch?
Erinnerungen kochen hoch - verschwommene Bilder, retuschiert vom Zahn der Zeit. Totalo vergessen, dass der Kurtl schon in der Früh nach Tschicks roch. Wusch und weg, dass die Gitti immer nur unten liegen wollte und dabei klang wie des Nachbars Modelleisenbahn. Da tauchen sie auf, all die Menschen - längst im Gedächtnisspeicher unter Es war einmal archiviert. Wie die Untoten. Weil das so schön prickelt , flattern flugs die Freundschaftsanfrage durch den virtuellen Raum. Wir stupsen die Souvenirs begehrlich an, wir stöbern in Fotos, ignorieren den Beziehungsstatus "verheiratet" und starten dann mit einem voll harmlosen "Und, was machst du so jetzt?"
Soziale Netzwerke gaukeln Nähe vor - unverfängliche Intimität, die den "ersten Schritt" unkompliziert machen. Das kann mitunter brandgefährlich werden. Und zwar dann, wenn es sich um eine alte Flamme handelt, mit der nur fast was gewesen ist. Fast - soll heißen: Man hätte damals miteinander un-be-dingt bumsen wollen/sollen - aber dann: doch nicht. Keiner weiß mehr, weshalb und warum das alles nix wurde - Fakt ist: Da steht was im Raum, ist unerledigt, da gibt's eine Lücke in der Koitus-Biografie. Aber, oho, diese Lücke lebt, schaut reifer, doch immer noch schnuckelig aus. Noch schöner: Die Lücke erinnert sich ebenso an die offene Agenda und steigt ins Geplänkel ein. Das heitere Recyceln kann beginnen.
"Retrosexuals" nennt eine amerikanische Tageszeitung die Typen. Das kann eine nette Abwechslung sein - Labsal fürs Ego: Geht noch was? Bin ich noch ein bissi der heiße Feger von einst? Ob das Aufgewärmte dann wirklich so schmeckt wie es aussieht - hmm, das ist die Frage. Oft einmal ist eine Fantasie die viel, viel bessere Orgie.
5 Kommentare zu "GEILHEIT, RECYCLET"
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O la la! Pikantes und Kurioses aus dem Leben einer Sex-Kolumnistin. Der Weblog zur Freizeitkolumne von Gabriele Kuhn. 



Solche Berichte verleiten ja förmlich zum „neugierig“ sein – und darum weiß ich auch, daß SIE 178 Facebook – Freunde haben ;-) – Hut ab, Frau K. !
Ich halte derzeit bei 12 (zwölf) ;-/, aber, wenn sich noch alle melden mit denen ich FAST etwas gehabt hätte, dann schlag ich sie locker….
Freundschaft
l.g Willy
herr willy, das sind noch gar nicht viele. es gibt menschen, die haben an die 1000 "freunde". bitte, ich weiß nicht - ich überleg mir schon noch, ob ich wirklich zu allen und jedem ja sage. von den 178 allerdings auf den inhalt meiner kolumne zu schließen - bitte vorsichtig sein. die lady genießt - und schweigt.
Werteste Miss Kuhn... als fast 80jähriger hatte ich in meiner Sturm und Drangperiode "nichts,aber schon gar nichts anbrennen" lassen,obwohl nur NORMAL ausgestattet - wenn ich Ihre Kolumne(n) lese komme ich nicht umhin,Sie mit Gerti "S"... zu vergleichen - Sie klingen mir ein wenig frustriert bzw. andersrum - warum nur warum: suchen Sie die Fehler bei den ANDEREN ???
@herrn e: ich glaube, sie haben da etwas missverstanden. daher: 1.) vergleichen sie nicht - zwei kolumnen, zwei welten, zwei intentionen. und das ist auch gut so. 2.) tappen sie bitte nicht in die typische männer-falle "ich fühle mich angegriffen, folglich muss die verfasserin der zeilen frustriert oder lesbisch sein". das ist einfach zu platt, zu sehr klischee.
werteste gabriele k. Sie erkannten natürlich sofort dass "andersrum" im Klartext Lesbisch heist - wieso das ?kein solches Wort war je in meinem Komment zu lesen - und frustriert, nun, das ist ein Begriff der nicht abwertend ist, sondern: "sofern Sie das Neue Deutsche Wörterbuch von Bünting" kennen sollten, heist nicht mehr und nicht weniger als "Entäuschung,Verzicht" - und zu dem stehe ich allemal -aber möglich wäre, dass Sie etwas "mist"- interpretierten um es mir unterjubeln zu versuchen - nun gut, ich werde ihre Attacke überleben - aber Pullitzerpreis kriegen Sie sicher keinen dafür...übrigens: wie schon erwähnt bin ich fast 80 - aber ich hab' immer noch ein zucken im linkem Ohrläppchen,wenn etwas "andersrum" ist denn ich komme aus den Nachgtgeschäft - aber ich verurteile es nicht -