Rien ne va plus - oder doch nicht?
Gabriele Kuhn | 17.03.2010, 15:00
Gabriele Kuhn liest - diemal speziell für Ladies. Im Casino Baden.
Die Kurier-Kolumnistin liest am 24. März, dem vierten Special Damentag unter dem Motto Kultur, ab 20.00 Uhr aus ihrem Buch "Alles. Nur nicht perfekt."
Gabriele Kuhn denkt in diesem Buch über die Erotik schiefer Gesichter und die Tücken des Perfektionswahns nach wie über Suppermuttis und deren Alpha-Kids. Und natürlich wirft sie einen Blick auf das "perfekte" Sexualverhalten, das durch die Medien geistert.
Sehr persönliche Geschichten und Gedanken zum Thema Perfektion und dessen Antithese: dem Fehler. Lösungsvorschläge gibt es nicht in Form von "TO DO'S", sonder "nur" als Gedankenanstöße. Indem wir die ganze Beauty-Hysterie und das Streben nach Perfektion ironisch und distanziert betrachten, wird dieses Minenfeld für die Seele enttarnt und entschärft. Wir können versuchen, unsere Fehler wenigstens ein bisschen lieben zu lernen und darin jene Faszination zu erkennen, die nichts mit Glätte und Unberührbarkeit zu tun hat, sondern mit Lust.
Oh, it's a Frühling!
Gabriele Kuhn | 16.03.2010, 10:00
Hoch die Märzenbecher. Eine Sexkolumnistin befreit sich von den Schneeketten ...
Kann sein, dass es noch einmal schneit, höre ich die junge Frau an diesem zweiten Märztag an der Bar zu der anderen jungen Frau sagen, aber zum nächsten Festl geh' ich garantiert ohne Slip. Und jetzt zwo Prosecci mit Waldmeister, bitte.
Im Baumarkt, etwas später, erschlägt sich das Publikum. Mit oder ohne Slip ist hier nicht das Thema, dafür horten alle Erde, Samen, schweres Gartengerät. Laternen auch und, komisch, sogar schon Sonnenschirme - gelb, heiter. Der Winter wird im Restmüll entsorgt, alles brüllt nach Klimaerwärmung. Am liebsten, Schatzerl, würde ich heut' Nacht auf dem frisch geputzten Balkon pudern, flüstert die Dame hinter mir dem Mann mit dem froschgrünen Gartenschlauch in der Linken zu. Heast! sagt er und grinst geniert. Seine Rechte wetzt verhalten am Popscherl der Fee. Irgendjemand twittert per Handy Lapidares: Sonne - geil!
Ungewöhnliches trägt sich zu. Erstdiagnose: Frühling. Li-la-Lenz! Los geht's: durchputzen, lüften, freier und vor allem depperter sein als sonst. Die Gier, neu und anders zu beginnen, steht den Menschen ins Gesicht geschrieben. Zur lauen Luft gesellt sich eine feine Bauernregel: Steigt der Saft in die Bäume, erwachen die Frühlingsträume. Die Sonne, Leute: März, April und Mai! Auch der Hase rammelt schon. Licht macht Lust. Die Hormone tanzen Mambo. Jetzt spielen Körper und Seele verrückt, sagen Experten. Sooo genau will das keiner wissen, Hauptsache: Es! Ist! Und das, bitteschön, völlig ohne Drogenkonsum.
Auch nicht übel: Die Menschen lächeln wieder. Einfach so, entrückt fast. Sogar die Hunde haben mehr Spaß. Die Welt duftet. Bärlauchsuppen. Bärlauchstrudel. Bärlauchflecken. Bärlauchorgasmen. Erste Erdbeeren? Noch nicht, aber bald. Und Spargelspitzen. Wir gehen erst einmal nur Freiluft-Cappuccino trinken und sehen den Glanz in den Augen des anderen Geschlechts, das in unserer brunftig gewordenen Fantasie verhaltensauffällig an einer XL-Tüte Schoko-Vanille-Eis leckt. Feuchter Frühling, frecher Frühling. Das Zwischenmenschliche auf Vibrationsalarm. Dazu die adäquate Lektüre: "Oh, ja", sagte er. "Du glitzerst . . ." Sie begann ihn zu küssen, seine Brust zu küssen, ihr Gesicht über die weichen, apfelsüßen Haare zu reiben und verspürte plötzlich ein starkes Verlangen nach den Gerüchen und Beschaffenheiten der männlichen Haut. "Hol das Kondom", hörte sie sich sagen. "Sicher?" "Mmm." "Ich hab's schon." "Ich muss verrückt sein", sagte sie. (Aus: "Die Steuerfahnderin", Peter Carey).
Joi. Joi. Joi.
In der Sonne sitzen, die Augen schließen. Denken - an Geschichten, die nur der Frühling schreiben konnte. An Küsse im Beserlpark. An Sex im Auto. An die Höhenstraßen-Spanner. An den verklärten, verliebten Blick über die Stadt. An den ersten Heurigenbesuch der Saison. Zwei weiße Spritzer - noch im Mantel, aneinander gekuschelt - im Freien. An die Sehnsucht, eine fremde, andere Hand zu halten. An die Lust, sich zu verändern, sich frisch zu erfinden und zu spüren. Irre, irgendwie.
Gut, dass der ganze Wahnsinn wieder vorbeigeht. Aber auch verdammt gut, dass es ihn gibt.
Wenn Männer....
Gabriele Kuhn | 15.03.2010, 16:00
...ein Frauenmagazin gestalten würden, dann könnte es wohl so aussehen:
Tragende Rolle
Gabriele Kuhn | 11.03.2010, 15:00
Aufgedeckt: der Trick mit der schwebenden Jungfrau.
Die FREIZEIT-Sexkolumne im Weblog: Gaumenorgasmus
Gabriele Kuhn | 09.03.2010, 11:00
Gespräche, heißt es, sind der Sex der Seele. Aber was ist mit Kochen, Essen, Genießen? Im neuen Buch „Der Koch“ verführt Martin Suter seine Leser mit einem raffinierten„Love Menu“.
Germknödel. Ja, es ist Fastenzeit, aber ich muss unbedingt. Weil die Lektüre des "Kochs" von Martin Suter mich gerade in erotisch-kulinarischen und wohligen Erinnerungen schmoren lässt. Die Germknödel - meiner Mutter, genau. Flaumige Teighügel wie Brüste einer reifen Vorstadtköchin. Dazu ein Bettvorleger aus Mohn, Zucker, Liebe. Rundum flüssig-warme Butter, die sich mit dem Powidl zum Gaumenorgasmus vereint. Tupfer bitte, die Gnädige muss sich in der Sekunde die Sehnsuchtströpfchen vom Kinn wischen. Bucklige Teigwelten, jetzt! Und wehe, es kommt mir einer mit Tiefkühlkost.
Die Mama. Was ihr sonst vielleicht an Herzenswärme fehlte, hat sie am Herd wieder gut gemacht. Sie konnte sich in Zutaten vertiefen, in deren Säfte, Würze, Charakter. Sternzeichen Einkocherin, das war sie, genau. So ein Beiried-Tag, zum Beispiel, der hatte nicht nur Fest-, sondern vor allem Symbolcharakter. Wenn Papa nach Fleisch hungerte, entledigte sich Mutter präventiv des Schlüpfers und kochte pur.
Vielleicht noch ein Wort zu ihrer Vanillesauce - in der Buchteln aus Flaum schwammen. Deren Duft hing noch Tage nach Verzehr an den Tapeten und im Acryl der Kombinege, in der Mama gerne die Küche bewohnte. Diese Sauce machte sie zur Legende. Doch zurück zu Suter, der in "Der Koch" nicht nur Magensäfte sprudeln lässt. Darin gründen seine Protagonisten nämlich "Love Food" - ein Catering für Liebesmenüs, die sich mit Hilfe ayurvedischer Aphrodisiaka als genitale Teilchenbeschleuniger erweisen. So sehr, dass eine damit inspirierte Hetero-Dame in ihrer Notgeilheit für eine Nacht zur Lesbe mutiert.
Über den Charme der Molekularküche, der in diesem Buch gehuldigt wird und so kompliziert wie technisch wirkt, mag zu diskutieren sein. Ich pfeif' ja auf Extrem-Hi-Tech am Herd, weil mir das traditionelle, erdige Schnipseln, Köcheln, Rühren, Backen und Braten viel sinnlicher erscheint. Mit zehn Fingern in einem olivenölträchtigen Ciabatta-Teig zu wühlen, dabei Gelato al limon von Paolo Conte raunzen zu lassen und vom Liebsten Vino Nobile auf die Lippen geträufelt zu bekommen - das garniert Tage mit einer beachtlichen Erektionszulage. Aber diese Lakritzeeislutscher aus dem "Koch" - Kunstwerke aus Lakritzpaste, Honig, Ghee (Mutti sagte Butterschmalz dazu) und Pistazienblättchen - mmmh, die würde man gerne in den Mund geschoben bekommen. Genauso wie Gelierte Spargel-Ghee-Phallen oder Glasierte Kichererbsen-Ingwer-Pfeffermüschelchen.
Das alles klingt nach etwas sehr Essenziellem: Langsamkeit. Da ist kein Gehechle zwischen Supermarktregalen, keine Jagd nach schnellem Ab-Futter. Hier köcheln wir sattsam in der kulinarischen Zeitlupe, verlieben uns in Aromen, verharren schmorend am und im Feuer, verlieren uns in der oralen Phase. Und nach dem Slow Food folgt Slow Sex. Jetzt verschwimmt alles in einer leichten Sauce. Auch deshalb hängt das da über meiner Feuerstelle: "Ein Feinschmecker, der die Kalorien zählt, ist wie eine Hure, die auf die Uhr sieht."
Die FREIZEIT-Sexkolumne im Weblog: DAMENQUAL
Gabriele Kuhn | 03.03.2010, 13:00
Freundschaft ist wichtig zum Sandburgenbauen. Der Rest ist so schön wie fragwürdig: Mischen doch Freundinnen immer mit - selbst bei der Wahl des neuen Lovers.
Einfach, hopplahopp, munter drauflosvögeln - ohne davor ein Kompendium an wenn, und aber, woher und wohin runterzubeten, das kann durchaus fein sein. Auch für Frauen. Es tun, ohne extensiv herumzudiskutieren und stundenlang Grundsatzfragen an das Universum zu schicken - das wirkt auf den nicht abgeneigten Single zuweilen so befreiend wie ein Chiropraktiker. Und gehört ins Beischlaf-Repertoire einer erwachsenen Dame, muss also schon einmal sein dürfen. Man ist ja schließlich mündig und kann sein Zeugs selbst verantworten.
Wären da nicht die lieben Freundinnen. Die nämlich sind backstage stets dabei im Leben einer Frau - ein halblustiges Ballungszentrum an Meinung, Einmischerei, Wichtigtuerei. Selbst wenn sie nicht persönlich anwesend sind, wirken sie wie eine dritte Instanz, die alles weibliche Tun und Lassen unermüdlich erste Reihe fußfrei be- und verurteilt. Ein Live-Stream an Schrillheit, Betulichkeit, künstlicher Aufregung - radikal, mütterlich, neidisch. Und das unter dem Deckmantel der Fürsorge. Da thront es also im Hinterkopf, das schnatternde Weibsvolk - als eine Art nicht mehr ganz jüngstes Gericht, saugt an bunten Getränken und gibt zu allem und jedem seinen süßen Senf ab. Kopf-Stimmen aus dem Off: Schahatz, geht nicht, geht gar nicht, der ist wirklich nix für dich. Diesen Vollbart können wir vier absolut nicht tolerieren. Du hast dir wirklich etwas Besseres verdient. Glaub deinen lieben Freundinnen!
Auf dieses stete innere Einflüstern konditioniert, beginnt reflexartig der stumme Dialog mit dem mächtigen Freundinnen-Über-ich, als wär's das Orakel von Delphi: Soll ich, soll ich nicht? Was würden Puppi, Krethi, Plethi dazu sagen? Ist er gut genug, fesch genug, reich genug? Und schon punkten die Parlamentsmitglieder: Stimmt, in so einem Vollbart stecken womöglich die Keime einer ganzen Kompanie an Verflossenen, Steakreste inklusive. Und mit Hengst Clooney kann der gute Mann erst wieder nicht mithalten. Schwupps hat es sich ausgeträumt und ausgeflirtet - das war's dann wieder einmal. Bye bye Love. Bye Bye Happiness.
Böse wird's, wenn sich - frisch verliebt - ein Starkstrom an jungem Glück in die Damenrunde ergießt: Kinder, es gäbe da wieder wen in meinem Leben und das wäre der Gusti. Das ist Spiritus im Feuer des Ermittlungskommandos. Die angehende Astrologin lässt sich hurtig die Daten des Newcomers übermitteln. Die Journalistin googelt den Mann in der Sekunde vom Kopf bis zum Geschlechtsteil. Die Frau Doktor hätte gerne etwaige Bilddokumente in Sachen Antlitzdiagnose. Die Immobilienmaklerin fragt nach seiner Adresse.
Und kaum hat man die erste passable Nacht mit dem netten Herrn verbracht, flattert auch schon der amikal gemeinte Befund in die Intimsphäre: Geht nicht, Süße. Vergiss good Gusti. Sein Saturn steht im Quadrat zu seinen Blutwerten, googletechnisch findet sich kein einziger läppischer Eintrag und, bitteschön, wer in der Gartenstraße von Nonamehausen residiert, kann nur ein Doppelflop sein.
Thanx a lot, die Ladies. Es geht eben nichts über das gar innige Band namens Freundschaft.
Frisch, zisch: Vaginas von Chirurgenhand
Gabriele Kuhn | 25.02.2010, 17:00
Die Vagina als Styling-Faux pas? Oh ja - immer mehr Damen lassen genital schnipseln.
What a nose!", konstatierte vor sehr vielen Jahren einer, den die Welt "Michelangelo des Skalpells" kennt, als er seinerzeit meine Nase taxierte. Ivo Pitanguy, der brasilianische Schönheitschirurg, jetzt vermutlich, altersbedingt, auch nicht mehr der ruhigste am Skalpell, tat künstlich begeistert. Möglicherweise auch, weil er mir als Medizin-Journalistin bei seiner Pressekonferenz in Wien, besonders schön tun wollte. Derart umschmeichelt, dachte er sich wohl, würde die junge Dame einen Hauch unkritischer Bericht erstatten. War aber nix.
Das ist, wie gesagt, lange her. Pitanguy hat meine Einstellung zur Schönheitschirurgie nicht nachhaltig verändert - ich brauch' das nicht, weil ich es nicht vielleicht irgendwo brauchen würde, sondern einfach, weil ich mich nur freiwillig unters Messer legen täte, wenn der Herr Gevatter schon dezent mit der frisch geschliffenen Sense winkt und ich mir überlegen müsste, welche Kranzschleifen am besten zu meinem Teint passen. Verständnis habe ich für Menschen mit Leidensdruck - die mit den Segelohren oder dem von Kaiserschnitten zerstörten Bauch. Die sollen sich ruhig glücklich schnipseln lassen, das ist schon okay.
Was - für mich - gar nicht geht: die Muschi-Behübschung (dazu, also zum Thema "Designer-Vagina", wird übrigens am kommenden Wochenende am "Ich & Du"- Sexualkongress in Wien diskutiert, ich lese zum Thema auch aus meinem Buch "Alles. Nur nicht perfekt" das Kapitel "Im Vagina-Spa").
Doch traurig genug: Immer mehr Frauen empfinden ihre Vagina als hässlich und mangelhaft, sie sehnen sich nach einer hochstilisierten Pornoglätte, die den neuesten - kranken! - Vorstellungen des weiblichen Geschlechts entspricht: aufgeplustert, mädchenhaft außen und innen, natürlich, straff wie ein frischer Damenstrumpf.
Da liegt der Gang zum "Mumu-Mann" heftigst im Trend, wo doch scheinbar alles, alles geht! Der fette G-Punkt für multiple Orgasmen (mit Hilfe einer Spezialspritze) ebenso wie die kleineren Schamlippen (mit Hilfe des Lasers - zisch, frisch). Oder überhaupt gleich der ganz große Relaunch: eine verengte, jugendliche, schmale Vagina, die vermutlich auch dem edlen Spender nicht ganz unangenehm sein wird. Neues Jungfernhäutchen, eh klar, als neckisches Jugendlichkeits-Wahn-Accessoire (Kostenpunkt für die Unschuldsvermutung, übrigens; knapp 5000 Euro).
Bitteschön, nicht den Kopf schütteln, nicht wundern: Laut "American Society of Plastic Surgery" ist Vaginalchirurgie das am schnellsten wachsende Segment der Fachrichtung. In Europa, in Österreich - ebenso. Wobei… - die Männer sind auch nicht wirklich fad: Neuesten Untersuchungen zufolge nimmt jeder Zehnte Kontakt mit einem ästhetisch-plastischen Illusionskünstler auf, weil er, von Größen-Wahn gepeinigt, ein "Pimp-up-my-Penis-Programm" erwägt. Volles Rohr, yep.
Na gut, wird wohl so sein. Dass "da unten" irgendwann die meisten Menschen gleich ausschauen - Genital-Look-alikes, an denen Auskenner maximal die Handschrift des tätigen Chirurgen ablesen können ("Ah, lass mich schnell raten: das ist ein klassischer Professor XY-Kitzler…."). Und trotzdem: Nicht auszudenken, was wäre, hätten alle Frauen plötzlich Null-Acht-Fünfzehn-Vaginas von der Stange. Zehn Frauen - eine Mumu!
Das kann keiner wollen.
Oder?
Hilfe!
www.sex.com: Wer will mich?
Gabriele Kuhn | 24.02.2010, 17:00
Die teuerste Domain der Welt kommt am 18. März in New York unter den Hammer.
Shit, ich habe soeben mein Sparschwein geschlachtet, aber es reicht nicht einmal für einen Achtel Buchstaben der Domain Sex.com, die am 18. März im Auktionshaus David R. Maltz & Co unter den Hammer kommt. Dabei wär' das schon was. Endlich meine eigene Adresse, endlich ein eigenes Portal - nur für mich, mich und mich alleine.
Gibt's da draußen vielleicht jemanden, der Lust und gerade die ganz großen Spendierhosen anhat?
Seinerzeit, also im Sechser-Jahr, hat ja Sex.com-Noch-Besitzer Escom die Adresse um 12 Million Dollar gekauft, unglaubliches Geld für drei läppische Buchstaben. Aber so wirklich durchschlagend war der Erfolg der Seite nicht, sonst würde sie ja jetzt nicht zwangsversteigert werden.
Prickelnd, die Story von sex.com: Registriert wurde sie 1994, irgendwie "in Betrieb" ging sie erst ein Jahr später - monatlicher Umsatz, liest man im Netz: 500.000 Dollar. Irgendwie ging das Ganze aber nicht mit rechten Dingen zu - es entwickelte sich ein Krimi um die Adresse. Darüber gibt es sogar Bücher, z.B. Sex.com: One Domain, Two Men, Twelve Years and the Brutal Battle for the Jewel in the Internet's Crown. Oder "The sex.com Chronicles"
Nun ja, wer da jetzt zuschlagen will, sollte zügig einen Flug nach New York buchen und im Handkoffer einen Barscheck über eine Million Dollar mithaben - nur dann darf er mitmischen.
Und ja, eh klar: Es gibt auch porn.com, mit einem Kaufpreis von 9,5 Millionen Dollar. Derzeit allerdings nicht zu haben.
Die FREIZEIT-Sexkolumne im Blog: Männerüberschuss
Gabriele Kuhn | 22.02.2010, 12:00
Damenwahl oder verzichtbare Massenabfertigung: Wenn es um das illustre Wort „Gangbang“ geht, dann rümpfen die meisten Menschen erst einmal die Nase.
Zwei Menschen, Frau und Mann - nicht miteinander verheiratet, sondern geheim liiert - outeten sich vor Kurzem nicht nur als geneigte Leser, sondern als Spekulanten. Also nein: keine riskanten Anlagen und von wegen Immobilienblase. Das (niveauvolle) Paar liebäugelt mit einem ungewöhnlichen sexuellen Abenteuer, das die Welt salopp in folgende Wortschöpfung gießt: Gangbang. Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia erklärt folgendes dazu: "Eine besondere Form des Gruppensex ist der Gangbang, der sich durch eine extreme Überzahl männlicher Teilnehmer und durch abwechselnde Penetration einer Frau oder eines Mannes auszeichnet. Der Begriff kommt aus dem Englischen von gang (Gruppe) und bang (vulgär für koitieren)." Klar, das Gros der Menschen assoziiert damit erotischen Trash. Sorglos auf Motorhauben drapierte Frauen, die einen nach dem anderen drüberlassen und das seltsamerweise gaudig finden. Das löst wohl nur bei einer Minderheit Beifall aus, ich spür' da auch kein akutes Drängen und Sehnen.
Aber, sagt das innovationsfreudige Paar. Da gibt's etwas. Und das wäre gar nicht so gossenlastig, wie sich unsereiner das vorstellt. Von wegen primitive Parkplatzvöglerei und grindige Typen. In dieser illustren Runde frönen echte Gentlemen dem Muschi-Turnus - höflich, gewaschen und geföhnt: Handkuss, Madame, Herr Sowieso mein Name - ich dringe jetzt, wenn's genehm wäre, als die glückliche Nummer dreizehn in Sie ein. Und da hatte ich ihn auch schon per Mail, den dazugehörigen Internet-Link: Auf www.lordgangbang.com ist von "Herrenüberschuss mit Stil" die Rede. Ein Service in München, das Frauen hinten und vorne, multipel beglücken will. Und gib ihr. Das - echt?! - völlig ohne finanzielle Interessen, anspruchsvoll, safe, individuell. Dem Cosmopolitan war die Pikanterie einen Artikel wert: Potenzierte Lust hieß die Geschichte und darin outet sich die lustige Meike als feucht-fröhlicher Fan. Von selbst zu bestimmen, wer sie verwöhnen dürfe, hätte genauso was, wie mehrfach begehrt zu werden. Die meisten Frauen, so einer der gnä Lords, käme, um zu kommen. Möglichst oft, möglichst lang, maximal exhibitionistisch. Ein bissl puffig - was fehlt, ist der monetäre Aspekt. Das scheint so schmutzig, wie es sein soll, aber gerade noch so sauber, wie man sich das als gepflegte Dame wünschen darf. "Sex als Wellness" fantasiert sich eingangs genanntes Paar diese Variante der Verkehrsregelung: "In dieser dafür notwendigen gediegenen Umgebung mit entsprechenden Personen eine durchaus denkbare Vorstellung, die nicht abstoßend, sondern erotisch wirkt."
"Prüderie ist eine Art Geiz. Und zwar der schlimmste", ist bei Stendhal nachzulesen. Auch wer Intimes betont weltoffen leben will - so eine vaginale Massenkundgebung sei wohl überlegt, weil verdammt heikel. Was auch Mr. und Mrs. No Name irgendwo ahnen dürften, schreiben sie mir doch: "Es wird aus verschiedenen Gründen nie dazu kommen, aber allein die Vorstellung ist schön."
Yep, oft einmal ist die heißer als die Praxis.
Herr im Haus
Gabriele Kuhn | 19.02.2010, 13:00
Das waren halt noch Zeiten...
Schade eigentlich....
Gabriele Kuhn | 18.02.2010, 12:00
um den schönen Schnee.
Capt'n Hook...
Gabriele Kuhn | 17.02.2010, 17:00
Der Herr hat wohl seine Augenbinde mit dem Slip verwechselt. Okay, kann schon mal passieren.


O la la! Pikantes und Kurioses aus dem Leben einer Sex-Kolumnistin. Der Weblog zur Freizeitkolumne von Gabriele Kuhn. 


