Burning Gears 2010
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Montag, 15. März 2010

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(No) Venice, no party

Kino zwischen Pfiffen, Buhrufen und frenetischem Applaus. Auch ohne Stars tut sich in Venedig einiges – wenn auch oft im Finsteren.

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Volaaaare, ooh" – ich entschuldige mich gleich jetzt bei der Kollegenschaft in der Redaktion, die hinkünftig unter dem Geträllere gar schrecklicher Ohrwürmer zu leiden haben wird. Doch der rote Teppich wird ganztags berieselt, mit dem Festival-Mixtape quasi. Zwischen "Volare", den größten Hits von Fellini-Soundtracks und "Rondo Veneziano" gibt's Löwengebrülle vom Band. Das ist im Grunde auch schon das aufregendste, was derzeit am roten Teppich geschieht – die Stars bleiben derzeit nämlich ebenso aus wie die wirklich großen Filme. Ein eindeutiges Zeichen dafür ist wohl, dass an der noblen Anlegestelle hinter Casinò beziehungsweise Hotel Excelsior, die ansonsten nur wirklichen VIPS vorbehalten ist, inzwischen schon Normalsterbliche per Schiff landen dürfen.

Es zählen derzeit also andere Werte – die Action liefert sich das Publikum im Kino. So geschehen beispielsweise bei "Il papà die Giovanna" einem mäßig gelungenen Film, der in den italienischen 30erjahren spielt. Die Geschichte ist spannend, die Umsetzung teils sehr lahm – schauspielerische Qualitäten zeigen sich anfangs kaum, auch wenn vom Cast jemand wie Alexandra Maria Lara ("Der Untergang") aussieht und ein Robert De Niro-Look-alike herumläuft. Das Drama um eine jugendliche Mörderin und ihren sich kümmernden Vater ist grundsätzlich trotzdem nicht schlecht, für den Soundtrack mussten allerdings mit Sicherheit 70 freilaufende Geiger sterben.
Als anfangs kein Ton zum Bild zu hören ward, wurde es trotzdem sehr rasch sehr laut im Kino: wild und sehr italienisch äußerte das Publikum mit Pfiffen und Geklatsche seinen Unmut, spaßige Einwürfe im Sinne von "den Ton gibt’s nur im großen Saal" (jenem im Palazzo del Cinema in dem man Eintritt zahlen muss) bis hin zu dem Verdacht, der Film käme wohl ohne Ton besser weg, waren die Folge. Bitte schießen Sie nicht auf den Filmvorführer, sozusagen.

Kampf der Festivals

Seinen Unmut kundtun kann man hier seit wenigen Jahren auch auf andere lustige Weise – vorm Palazzo del Casinò befindet sich eine Pinnwand, auf der Festivalbesucher ihre Eindrücke hinterlassen – oft auch in Form von Karikaturen. Und Gründe, sich aufzuregen, gibt es für Cineasten hier mehr, als den Veranstaltern lieb sein dürfte. Nach dem anfänglichen Gewese um Clooney, Pitt & Co, respektive um Takeshi Kitano und die Coen-Brüder, ist inzwischen Ruhe eingekehrt, erst für verdammt wenige Filme fiel bis dato der Begriff "Überraschung", wie die internationale Presse (und die italienische ganz besonders) beklagt. Gerade vor dem Hintergrund der Festival-Konkurrenz mit Toronto und Rom wirkt der Lido besonders mager – zumal Cannes und Berlin die Branche ja auch bei mittelmäßiger Filmauswahl durch ihren Filmmarkt anziehen. Ob ein neuer Filmpalast in drei Jahren da noch helfen kann? Natürlich schlägt sich heuer auch der Drehbuch-Autorenstreik in Hollywood zu Buche, die mäßig spannende europäische Filmauswahl lässt sich damit allerdings nicht begründen.

Beschwerden und Nebenwirkungen

Andere Nebenwirkungen des Festivals äußern sich übrigens im Seemannsgang beziehungsweise leisem Schwindelgefühl, das bei uns Landratten nach den täglichen Fahrten in schwankenden Vaporettos auftritt.

Nur ansatzweise beschreiben kann ich, was sich in einem Zimmer abspielt, in dem zwei Journalistinnen hausen, die gerade einmal zwei Steckdosen zur Verfügung haben – und das sie nur abends aufsuchen können. Zwei Steckdosen für: 2 Laptops, 2 Digicams und 3 Mobiltelefone. Organisatorisch sind wir derzeit nicht mehr zu übertreffen ("Derweil du duschst, stecke ich das Handy an, wenn ich dann am Laptop fertig bin, tu ich den Mückenstecker rein, während dem Frühstück kannst du dann deinen Laptop noch immer aufladen. Und den Akku für die Digicam laden wir im Bad am Gang auf"). Ich bin gespannt, ob wir die Stromrechnung nachgeschickt bekommen.


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Artikel vom 03.09.2008, 16:29 | KURIER | Julia Pühringer


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Foto vom Autor Gabi Matijevic



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