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Freitag, 19. März 2010

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Killerschnecken greifen an

Die Fieslinge dieses Sommers sind klein, rotbraun und schleimig – Killerschnecken eben. Eine echte Horrorgeschichte.

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Leserbriefseiten sind eine unterhaltsame Einrichtung. Je nach Blattlinie - und dieses Wort ist ja auch in Bezug auf Schnecken nicht unwichtig - trudeln dort wilde Tiraden auf den Feind des Tages ein, ob das nun Innenminister, Tankwarte oder eben Schädlinge sind. Nun kommt es sogar dem im Denkhorizont kleinformatigsten Leser absurd vor, Schnecken persönlich anzugreifen. Aber irgendwer MUSS doch schuld sein, bitte, wo kämen wir sonst hin! Bei so einem Denkmodell entstehen dann höchst paradoxe Gedankenwindungen, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Ein schneckengeplagter Kleingartenbesitzer beschwert sich nun also, ich zitiere wörtlich: "Schneckenkorn ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein [sic!]. Nur der Verkäufer wird dick davon. Die einzige Möglichkeit sehe ich darin, dass man die Fortpflanzung dieser Tiere unterbindet. Der Stand der Wissenschaft müsste eigentlich schon so weit sein, dass dies flächendeckend eingesetzt werden kann. Man sagt, diese Biester kommen aus Spanien, eingeschleppt mit dem Gemüse. Ich bin noch nicht so weit, dass ich annehme, es war eine Absicht dahinter. Die Großhändler, das ist meine Meinung, sind darüber sicher froh. So kauft eben der Kleinhäusler sein Gemüse auch beim Großhändler". Anschließend folgt ein Aufruf an das Ministerium, sich in diesem Belang einzusetzen.

Daraus lassen sich gleich mehrere lustige Vorstellungen ableiten.
A) Per Flugzeug wird landesweit Schneckenkorn abgeworfen. Es sterben nebenbei auch alle freilaufenden kleinen Haus- und Wildtiere, erneut wüste Proteste gegen "das Ministerium".
B) Eine eigene Forschungsstation wird eingerichtet. Ziel: Unfruchtbarmachung aller Schnecken, unzählige Teams rücken aus, robben durch Kleingärten und sterilisieren Millionen einzelner Nacktschnecken.
C) Die Spanier waren DOCH schuld. Bei der EURO schleppten sie – getarnt auf ihren roten Trikots – die fiesen Schnecken ein. Und das, obwohl wir ihnen beim Fußball die Daumen hielten.

Hollywood-Schneck

D) Hollywood kommt die Story zu Ohren, ein Film wird gedreht.
Plan 1 "Die Killerschnecken: Schleimspur des Todes". Die Handlung: Das Grauen, das aus dem Garten kam. Das FBI deckt auf. Die österreichische Schneckenplage wurde von Außerirdischen mit spanischen Informanten und Spionen im österreichischen Landwirtschaftsministerium zu Testzwecken verursacht. Wie lange kann sich die Bevölkerung eines kleinen Landes gegen die schleimigen Biester zur Wehr setzen, ohne den Hungertod zu erleiden? Werden genmutierte Monsterschnecken auch auf schlafende oder sich sonnende Menschen losgehen? Nur einer hat die Gefahr im Griff: Ex-Cop Ray "Die Faust" Stevens (Chuck Norris) ist dem Killerkommando aus dem All auf der Schleimspur. Doch sein eigener Ex-Boss sabotiert seine Mission. Wird Ray seine Alkoholprobleme in den Griff bekommen und Österreich befreien? Ab 7.10. 2012 im Kino!

Der Titel ist noch in Arbeit, Vorschläge sind "Schneckophobia" (statt Arachnophobia), "Die Schnecke" (statt: "Die Fliege") oder "Die Schnecken" (statt "Die Vögel"). Das Hitchcock-Zitat wurde allerdings wegen fehlender Geschwindigkeit und Mobilität der Monster wieder verworfen. Die Persiflage soll angeblich "Schnek" ("Shrek") heißen.

Plan 2 "Alarmstufe Schleim" mit Steven Seagal

Plan 3 "Der Schneckenkönig", die neue ORF-Hauptabendserie: Ein skrupelloser Gemüsegroßhändler aus Niederösterreich mit mafiösen Beziehungen zur Landesregierung (Harald Krassnitzer) will sich an den Kleingärtnern bereichern. Im Geheimlabor züchtet er mit spanischen Wissenschaftlern (Miguel Herz-Kestranek [fies-freundliche Version] oder Jürgen Prochnow [schweigsamer Killer]) einen besonders gefräßigen Schneckentyp. Doch seine Tochter (Mavie Hörbiger), frisch verheiratet mit einem romantischen Biobauern (Serge Falck), den sie bei "Bauer sucht Frau" kennengelernt hat, kommt ihm auf die Schliche und sagt sich von ihm los. Wird er Reichtum oder die Liebe seiner Tochter wählen? Und was sagt seine plötzlich aus Bolivien zurückgekehrte Ex-Frau dazu?

PS: Der Name des Verfassers des oben zitierten inspirierenden Leserbriefs fand sich übrigens ganz traditionell nicht im Telefonbuch.


3 Kommentare zu "Killerschnecken greifen an"
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  1. Karl S.

    naja - wenn man die generelle Aktualität der "Krone" (nicht die der Weinpolter-Leserbriefe, denn dieser Poltergeist muß gegebenenfalls ja einen Platz zwischen den Druckwalzen haben) als Grundlage nimmt, könnten die Killerschnecken schon das Geriatriezentrum Muthgasse 2 gefährlich bedrohen. Aber vielleicht funktioniert's einmal auch umgekehrt: Michael Jeanee schreibt der Schnecken-Armada einen geharnischten Brief - und schon sind sie fort! Und die Maggie Entenfellner könnte auch ihrem Namen gerecht werden und ein paar Leihviecher zur Verfügung stellen.

  2. Barbara B.

    Man beachte: Es handelt sich um AUSLÄNDISCHE Schnecken. Spanien! Lampedusa! Sind garantiert aus Afrika, wo ja alles Böse herkommt. Typisch: Einschleichen, alles kahl fressen, resistent gegen alle Mittel und sich durch Kreuzung mit den harmlosen heimischen Schnecken auch noch einbürgern, wahrscheinlich mit Hilfe von Ostbanditen, die ihre Standln am Naschmarkt als Verstecke (Kost und Logis) für die nächtens über die Grenze geschmuggelten Schleimer zur Verfügung stellen. Verdächtig auch die Bio-Bauern, die ihnen auf ihren nicht gespritzten Feldern Unterschlupf gewähren.

  3. Walter L.

    Das Allerwichtigste wird von den Wallstreet- und EU-hörigen Globalistenmedien verschwiegen:

    Die Wurzel alles Schneckenübels liegt in Brüssel!!!!!
    Dort wird die trübe Schneckenbrühe angerührt und auf die bedauernswerte, einheimische Bevölkerung losgelassen.
    Es gibt jedoch noch Medien (denen dafür die Krone gebührt), die sich mit Verve diesem diktatorischen Moloch entgegenstemmen. Es wird eine Volksabstimmung geben müssen, die das Ziel hat, alle Brüsselschnecken auszuweisen, damit wieder Platz wird für unsere anständigen, ehrlichen und aufrechten einheimischen Schleimerchen. Gerüchten nach (wie komme ich zu dieser Assoziation?) soll schon ein Leserbrief eines bekannten, designierten Parteivorsitzenden an den Herausgeber des fairsten und objektivsten Kleinformates unseres Planeten unterwegs sein.

    Wenn sich jetzt noch Superman H.C. in die Schlacht wirft und seine Paintball-Bataillone aufmarschieren lässt, wird unser schönes Österreich sicher bald schneckenschleimfrei sein.

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Artikel vom 31.07.2008, 09:10 | KURIER | Julia Pühringer


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