Seit 20 Jahren ein glückliches Paar
Doris Knecht, 18.11.2009, 15:00
Trotzdem dürfen die beiden nicht vor dem Standesamt heiraten.
DruckenSenden
Freunde von mir haben kürzlich ihr Beziehungsjubiläum gefeiert: Sie sind seit zwanzig Jahren ein Paar. Auf den Fotos ihrer Facebook-Alben sieht man sie meistens zu zweit, und auf fast jedem Foto sehen sie glücklich aus; ein glückliches Paar. Vor drei oder vier Jahren haben sie sich gemeinsam eine Wohnung gekauft, mit einem Garten und einer Katze. Ihr Jubiläum haben sie in Venedig gefeiert. Und, nein, verheiratet sind sie nicht.
Weil: Sie durften bisher nicht heiraten. Und falls sie jetzt heiraten wollen - sie wollen nicht, wollen's aber dürfen - können sie es zwar, aber nicht am Standesamt: Das hat die Regierung am Montag so beschlossen. Sie dürfen es nicht, weil sie Mann und Mann sind, statt, wie es sich gehört, Mann und Frau.
Kanzler Werner Faymann hat diese eingeschränkte Homo-Ehe ernsthaft als "Erfolg der SPÖ" gefeiert. Und das ist nun eine ernsthafte Verhöhnung mündiger Wählerinnen und Wähler, homo- wie heterosexueller. Denn das ist es nicht. Es ist ein Erfolg der ÖVP, dass ihre Ressentiments und Vorurteile jetzt in einem Gesetz festgeschrieben sind, das längst überfällig war. Immerhin: Das Gesetz verschafft endlich, endlich endlich auch in Österreich gleichgeschlechtlich Liebenden ein Recht auf eine gesetzlich verankerte Partnerschaft. Und natürlich ist die Tatsache, dass es dieses Gesetz jetzt gibt, weitgehend den jahrelangen, sturen Bemühungen von SPÖ-Verhandlern zu verdanken.
Aber: Es ist ein Kompromiss, mit diskriminierenden Einschränkungen, die dem Koalitionsfrieden geschuldet sind. Ein Kompromiss, der, ja, besser ist als gar nichts und auf dessen Basis man - und so hätte Faymann das glaubwürdig argumentieren können - man weiterarbeiten kann und muss, bis das Gesetz wirklich gut und gerecht ist. Aber ein Erfolg für die SPÖ? Bitte gar schön.
7 Kommentare zu "Seit 20 Jahren ein glückliches Paar"
Kommentar schreiben


Jetzt erst Knecht: Doris Knechts Kolumne online. 



"Was wären die großen Erfolge ohne die kleinen?" denkt der Kanzler hier wohl, und wartet nach diesem kleinen Erfolg (nämlich den eines vermiedenen erneuten Gesichtsverlusts) auf den damit zukünftig verdienten großen.
Was immer der auch sei... - es fällt ja zunehmend schwer, sich an ein Betätigungsfeld des Kanzlers zu erinnern, das er mit Verve beackert.
Wirklich eine Zumutung, wie bei uns Homosexuelle diskriminiert werden. Ich empfehle dringend eine gemeinsame Reise in den Iran, mit Doppelzimmer und öffentlichem Austausch von Zärtlichkeiten. Die Todesstrafe ist aber auch ein bissl diskriminierend, nicht?
Ich kann nicht verstehen, dass es Menschen gibt (Wolfgang N. z.B.) denen bei Homosexualität die Todesstrafe einfällt. Widerlich und menschenverachtend.
@Johannes M.@ Dieses Nicht-Verstehen scheint mir bei Ihnen was Chronisches zu sein. Mir fällt zu Homosexualität auch die Ermordung von Homosexuellen im Nationalsozialismus ein. Das, lieber Herr, bedeutet NICHT, daß ich es gut heiße. Trotzdem kann man sagen, daß es den Leuten in Österreich sehr gut geht.
Das beruhigt mich.
Wolfgang N., warum regen wir uns dann über Klimawandel, Arbeitslosigkeit oder Preissteigerung auf? Früher war es noch viel schlimmer! Also Maul halten und froh sein, dass es uns heute besser geht als früher? Auch eine Lösung! "Früher" durften Frauen auch nicht wählen, also sollen wir Frauen jetzt unsere Pappn halten, weil wir heute ohnehin mehr dürfen als früher?
Sara H.
Thema verfehlt,
auch gut!