Spinnst du, Oma?!
Doris Knecht, 28.10.2009, 15:00
Die Kinder finden mich unhöflich.
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Die Kinder fragen, warum ich immer "spinnst du?" zur Oma sage, sie finden das sehr unhöflich. Stimmt. Aber wie die Oma jetzt da war, war das einerseits Lobet-den-Herrn wegen der ganzen läusebedingten Wäsche; die Oma war eine unglaubliche Hilfe. Und andererseits eine Prüfung in Demut, weil die Oma ihr Ich-brauche-nichts-ich-bin-gar-nicht-da-Dings wieder einmal auf die Spitze getrieben hat. Wo ich doch schon dachte, wir hätten ihr das abgewöhnt. Haben wir nicht.
"Oma, spinnst du?" ist, erkläre ich den Kindern, eine angemessene Antwort auf die Oma-Frage, ob sie mir das Geld für ein Packerl Papier-Taschentücher auf den Tisch legen soll. Und völlig geeignet als Reaktion auf ihre Idee, sie könnte ihr Bettzeug schon am Abend, bevor sie wieder heimfährt, abziehen und waschen, damit sie es noch bügeln kann, bevor sie auf den Zug geht: Sie braucht ja eigentlich kein Bettzeug zum Schlafen; es ist eh warm. Heiliger. Geht's noch, Oma?!
Ich habe ein frisches Brot gekauft, es extra angeschnitten (die Oma schneidet aus Prinzip nichts an und öffnet auch nichts, um sich nicht der Beschädigung fremden Eigentums schuldig zu machen) und es vorne in die Brotlade gelegt. Aber die Oma fand ganz hinten in der Brotlade ein acht Tage altes Scherzerl, auf dem kaute sie sich gerade ihre neuen Implantate locker, als ich in die Küche kam. Oma!!, da liegt ein frisches Brot! Sie isst aber natürlich viel lieber altes. Und sie wäscht zu Hause auch immer im Dunkeln ab.
Niemals benutzt sie die Fächer, die ich ihr im Schrank freigeräumt habe, sie hängt ihre Sachen stur ins Gästeklo. Und wie jedes Mal blieb auch diesmal das Handtuch, das ich ihr wie jedes Mal auch diesmal aufs Bett gelegt habe, unbenutzt. Ich will gar nicht wissen, wie die Oma trocken wird: Ich werde sonst vielleicht wieder sehr unhöflich.
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