Sportliche Exhibitionisten
Doris Knecht, 17.06.2008, 15:00
Erreicht der "Naked Bike Ride" durch entblößte Radler sein Ziel?
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Der Verkehr ist, – baba Cordoba, grüß Gott Energiekrise – ein Thema und wird eins bleiben. Alte Fragen stellen sich, neue Antworten werden notwendig: Muss ich unbedingt da hin? Wie komme ich dort hin? Was kostet das die Umwelt? Was kostet das mich?
Bei der Personen- und Kleinwarenbeförderung auf kurzen Strecken gibt es eine schon länger bekannte Alternative zum Pkw, die, da fährt der SUV drüber, in nächster Zeit einen gewaltigen Bedeutungsschub erfahren wird. Ja, das Fahrrad. Und, richtig, noch nicht überall, zum Beispiel in Wien nicht, ist man infrastrukturell für eine signifikante Erhöhung des Radverkehrsanteils gerüstet. Zur Betonung dieses Sachverhalts wird kommenden Freitag zu drastischen Mitteln gegriffen: Beim "Naked Bike Ride" soll mit dem Mittel des unbekleideten Drahteselreitens "auf Gefahren für Radler und Fußgänger im Straßenverkehr aufmerksam gemacht werden" und das ist eine ziemlich kontraproduktive Idee.
Nacktheit taugte circa vor 25 Jahren letztmalig als Mittel der Erregung. (Es bedarf ja keineswegs mehr der Entklemmung der Gesellschaft; das akute Problem ist vielmehr, wie man die Leute dazu kriegt, sich wieder großzügiger zu bedecken.) Und falls es nicht provokant gemeint ist, sondern witzig: ujegerl.
Ein Irrweg ist es so oder so, denn welche Botschaft kommt bei Dorli Durchschnitt an? Aha, Radfahren ist etwas für sportliche Exhibitionisten, die gern ihre nackigen Hinterbacken über Radsättel labbern lassen: nichts für mich. Man macht das Radfahren – und die berechtigten Anliegen der Radler – nicht mehrheitsfähig, wenn man es als abseitiges Hobby einer merkwürdigen Minderheiten vorführt. Und auf keinen Fall attraktiver.
6 Kommentare zu "Sportliche Exhibitionisten"
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Jetzt erst Knecht: Doris Knechts Kolumne online. 



Liebe Frau Knecht, die Radfahrer wollen auf ihre Anliegen aufmerksam machen? Finde ich ok, ich war mal selbst Radfahrerin in Wien. Ich finde es auch ok, wenn man über rote Kreuzungen fährt und/oder gegen die Einbahn. Nur sollte man dann jederzeit stehen bleiben können und dem, der sich an die Verkehrsregeln hält, sein Recht auch lassen.
Radfahrer fordern von Autofahrern zu recht Rücksicht. Sind jedoch nicht bereit, auf Fußgänger Rücksicht zu nehmen. Meine 6jährige Tochter wurde bereits 4x von Radfahrern fast und 1x tatsächlich über den Haufen gefahren - weil wir bei grün über die Straße gingen!!!
Ganz ehrlich: MIR reichts. Radwege gehören ausgebaut keine Frage, aber ich fordere in erster Linie Rücksicht auf Fußgänger, das sollte den Radfahrn ebenfalls ein Anliegen sein, rein menschlich, einfach so.
autsch. schon wieder erwischt. schon wieder tun erwartete 300
radlerInnen was, weils spass macht *und* auffällt. Und verlässlich zwar
nicht nur Erregung, sondern vor allem Medienecho provoziert. Sogar die
Doris Knecht, die unseres Wissens noch nie über uns geschrieben hat, hat
uns erwähnt. Und das heisst doch was und ist nicht nix.
Wir verstehen uns nicht unbedingt als politische Demonstration, die
versucht, ihre mühsam basisdemokratisch erarbeiteten Forderungen bei
Dorli Durchschnitt (so durchschnittlich man halt als Kolumnen-Dorli ist)
und michael bürgermeister anzubringen. Das haben schon die Grünen und
die Ökos und die Greenpeacer 30 Jahre vor uns getan. Mit ein bisschen
Erfolg und viel Frust.
Viele von uns finden dass wir als RadlerInnen zu wenig Platz in der
Stadt haben und wollen sich nicht mehr an den Rand drängen lassen. Viele
von uns finden dass es in der Stadt zu sehr nach Autos stinkt. Und
andere finden was anderes. ... FORTSETZUNG FOLGT IN TEIL2
Gemeinsam fahren wir aber jeden dritten
Freitag im Monat Rad.
Wir fordern nicht, sondern wir tun es einfach. Wir fahren Rad. Das ist auch schon unsere Message. Und das tun wir friedlich, kraftvoll, selbstverständlich und sehr lustvoll. Und diesen Freitag schon zum
3.Mal teilweise nackert. Weils lustig ist (ujegerl, wir erleben
das wirklich so ...) und weil dann sogar die Dorli über uns schreibt. Es
funktioniert so einfach. Wirklich. Haben wir schon letztes Jahr auf der
CM-Page festgestellt, wie einfach es ist die Medienkuh zu melken.
Und was uns sonst noch gelingt, wenn wir grad nicht nackt fahren, das
ist seit über 2 Jahren zu sehen.
Zwischen 100 und 500 RadlerInnen auf der Strasse, die viel Spass haben,
radzufahren. Und es werden mehr. Und es bilden sich viele andere
Fahrradinitiativen in Wien, die ganz andere Sachen machen. Mit, auf und
für Fahrräder.
www.criticalmass.at
www.bikekitchen.net
www.ig-fahrrad.org
Wir freuen uns echt, wenn sich Dorli dort meldet. lg peter
Sehr geehrte Frau Knecht
Habe ihren Artikel über Naked Bike Ride gelesen und hätte nicht erwartet das sie dagegen sein werden da sie ja sonst immer Pro Rad sind.
Ich finde alles was man für das Rad unternehmen kann sollte gemacht werden. Jede Initiative die Pro Rad ist hat meine Unterstützung. Da wir zum Teil morgen nackt fahren und die letzten zwei Male die Äkschn von der Bevölkerung eigentlich überwiegend positive (auch Weltweit) Rückmeldungen waren hätte ich nicht gedacht das sie so negativ über uns schreiben. Wir brauchen positive Werbung damit wir größer werden als wir es eh schon sind. Gerne würde ich sie bei einer der nächsten Ausfahrten einladen mit uns zu fahren und um ihnen die Möglichkeit zu geben danach über uns zu Berichten.
Mehr Infos unter: http://www.criticalmass.at/ Weltweit: http://critical-mass.info/
Vielen Dank!
Mit freundlichen Grüßen
Weutzi
Großes Lob an Doris Knecht; ...endlich mal ein vernünftiger Bericht über dieses Thema !
Lediglich das Wort "Exhibitionisten" verschleiert wieder einmal die Tatsache, dass dieses (nicht nur hier, sondern v.a. ganz besonders in "Theater", "Kunst", u. Gesellschaft, ... ! ) auch Frauen zuzuordnen ist !!
Es müsste also (gemäß der "neuen Regelung") korrekter und gerechter Weise lauten: "ExhibitionistInnen" !!
(mit diesem anliegen für die zukunft und aber nochmals lob des gesamten berichtes wegen
hinterlasse ich freundliche grüße... )
(noch geschwind für alle leser angehängt...)
...natürlich nehme ich an, dass an dieser aktion weitaus mehr männer als frauen teilgenommen haben, denn frauen "exhibitionistischer art" benötigen dazu nicht solcher "aktionsgemeinschaften", man findet sie überall...
(mfg)