20 Jahre Phantom
Bernhard Degen, 28.10.2009, 04:00
Jubiläum eines Kultweines, eine historische Vertikale und was Hermann Maier und Markus Kirnbauer gemeinsam haben.
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Es war tatsächlich eine historische Verkostung am Montag dem 19. Oktober 2009. Die Familie Kirnbauer aus Deutschkreutz lud zu einer Vertikale mit allen bisherigen Jahrgängen der Kult-Cuvée Phantom ins Hotel Imperial. So einen Abend wird es tatsächlich nie wieder geben. Einerseits weil von manchen Jahrgängen tatsächlich die allerletzte Flasche (zumindest aus dem Archiv der Kirnbauers) ausgetrunken wurde, und andererseits weil die Winzer pure Leidenschaft und sympathische Sentimentalität zeigten.
Ein Lebenswein
Vor kurzem wurde eine Studie veröffentlicht, der zufolge Frauen vier Mal so viel weinen wie Männer. No na, Männer weinen nicht. Außer vielleicht, wenn jemand etwas mit Herzblut und echter Passion betreibt. So wie Hermann Maier leben auch die Kirnbauers für ihre Berufung. Und so wie beim Skistar kamen auch bei Jungwinzer Markus Kirnbauer die Emotionen durch, als er dem kleinen geladenen Kreis aus Freunden und langjährigen Begleitern einen besonderen Wein präsentierte: den Forever 1997.
Ein Fass dieses großartigen Weines von einem Traum-Jahrgang bekam Markus Kirnbauer von seinen Eltern zu seiner Sponsion geschenkt. Die Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot durfte 38 Monate im Barrique reifen, nicht nur weil der Wein absolut davon profitiert hat, sondern auch weil Markus doch etwas länger als geplant studiert hat. Dieser Wein ist nicht nur wegen seines symbolischen Werts unbezahlbar, er ist es auch wegen einem einzigartigen Charakter. Der 12 Jahre alte Tropfen zeigte ungemeine Vielschichtigkeit, tolle Raffinesse und überraschte mit einer Jugendlichkeit und Lebendigkeit, die dem Wein noch eine große Zukunft ermöglichen. Sollte Markus auch einmal Vater von erfolgreichen Studenten sein, können sie zu deren Sponsion sicher auch noch mit diesem Wein anstoßen. Auch weil der Deutschkreutzer diese Flaschen hütet wie seinen Augapfel, seine Tränen zeigten, welchen Stellenwert der Forever 1997 für ihn hat. Es war eine Ehre für mich, etwas davon probieren zu dürfen.
Der Phantom
Aber eigentlich ging es ja um den Phantom, eine burgenländische Erfolgsgeschichte auf die die Kirnbauers zu Recht stolz sind. Mit dem Phantom wollte Walter Kirnbauer nach dem Weinskandal ein Zeichen setzen und einen Wein nach dem Vorbild eines großen Bordeaux erschaffen. Schon die Erstausgabe, der 87er Phantom, war ein erstaunlicher Wein, der auch heute noch zu überzeugen weiß. Auch wenn Kirnbauer Senior mit den harten Tanninen des noch jungen Cabernets haderte: "Da hast glaubt, die Zähne fangen zum wachsen an, so hat sich der ang'legt". Mit den Jahren wurde der Cabernet runder, der Pinot Noir der ersten beiden Jahre wich dem Merlot, 2004 kam Syrah dazu. Nur Blaufränkisch war immer der wichtigste Bestandteil des Phantom.
Manche Jahrgänge sind heute in unglaublicher Form und liefern eine beeindruckende Performance. Meine persönlichen Favoriten waren 2002 und 1997. Mit so einem Wein im Glas geht die Sonne auf und nicht nur Weinfreunde hätten gerne einige Flaschen davon im Keller, sondern auch der Winzer selbst, der aufgrund der enormen Nachfrage die meisten Jahrgänge komplett ausverkauft hat. Er tauscht gerne mit der vielfachen Menge des aktuellen Phantom, aber wer gibt solche Schätze schon freiwillig her?
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Bernhard Degen steckt seine Nase gerne in vinophile Angelegenheiten und erzählt im Blog, was er dabei erlebt. Provokant, polemisch & polarisierend. 


