Weingärten als Selbstbedienungsladen
Bernhard Degen, 12.08.2009, 16:00
Gefladert wird alles, was irgendwie verwertbar ist: Nicht nur Weintrauben (auch im großen Stil), sondern auch Weinblätter.
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Wenn man mit Winzern über Traubendiebstahl spricht, dann kommen rasch die Emotionen hoch. Manche würden sich sogar wieder die "Hiata" wünschen, die die Weingärten in den vorigen Jahrhunderten mit Waffengewalt verteidigt haben. Gerade bei Trauben, die für hochklassige Weine gedacht sind, geht viel Wertschöpfung verloren. Man muss dabei bedenken, dass die Anzahl der Trauben schon auf 3-4 pro Stock reduziert wurden. Wenn dann Ausflügler kommen und sich gleich ganze Plastik-Sackerln vollpacken, dann kann man keinem Weinbauern verübeln, wenn er in Rage gerät.
Echte Weinfreunde sollten sich den Appetit lieber für die vergorenen Trauben aufheben und nach dem Spaziergang bei einem Heurigen einkehren. Nicht einmal einzelne Beeren sollte man naschen, weil das unsaubere Abreißen beschädigt die Traube und lockt Wespen an. Diese wiederum beschädigen die Trauben weiter und Botrytis kann entstehen. Im schlimmsten Fall sogar Botrytis-Nester, wovon sich die Fäulnis weiter ausbreiten kann.
In Schönbrunn hatten die WienWein-Winzer einen Versuchsweingarten angepflanzt. Welche Reifegrade dort erzielt werden können, konnte aber nicht eruiert werden, weil sogar schon die unreifen Trauben restlos aufgenascht wurden.
Zahlreiche Wiener Winzer klagen außerdem über die neue Popularität von gefüllten Weinblättern, wie sie in der griechischen und türkischen Küche geschätzt werden. Viele Hobbyköche haben offenbar die Qualität der Laaer-Berger Weinblätter entdeckt, denn betroffene Winzer klagen, dass aus ihren Weingärten säckeweise Weinblätter davongekarrt werden. Ein Eingreifen der Winzer sollte wohl überlegt werden, denn es soll schon zu handgreiflichen Attacken der dreisten Diebe gekommen sein. Zurück bleiben aber in jedem Fall verletzte Pflanzen, die die Trauben oft nicht mehr ausreichend ernähren können und krankheitsanfällig sind.
Ob Blätterzupfen schon gewerbsmäßiger Diebstahl ist, ist noch nicht geklärt. Als Franz Landauer-Gisperg im Ausnahmejahrgang 2006 in einer Nacht- und Nebelaktion fast ein ganzer Weingarten abgeerntet wurde, stellte sich diese Frage nicht mehr. Denn gleich 800 kg bester St. Laurent-Trauben, die für seinen großartigen "St. Laurent Best Of" gedacht waren, haben über Nacht den Besitzer gewechselt.
3 Kommentare zu "Weingärten als Selbstbedienungsladen"
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Bernhard Degen steckt seine Nase gerne in vinophile Angelegenheiten und erzählt im Blog, was er dabei erlebt. Provokant, polemisch & polarisierend. 



Liebe Winzer ! Schützt euer Eigentum und hauts den Dieben eins auf die Finger.
Scheinbar wird es nach der Ostöffnung der ehem. kommunistischen Länder und der verstärkten Zuwanderung aus dem Süden und Osten Europas notwendig Weingärten einzuzäunen und mit Hunden zu bewachen. Die Menschen aus diesen Ländern haben halt größtenteils ein völlig anderes Rechtsverständnis und glauben offenbar, daß alles was nicht bewacht oder eingezäunt ist zu ihrem neuen Besitz gehört (frei nach der Lesart mancher Kommunisten: Was Dir gehört gehört auch mir, Und was Mir gehört geht dich an Sch.... an!)
Ein altes und bewährtes Wundermittel ist nach wie vor: Eine Ladung Schrott in den Hintern für all jene, die glauben MEIN und DEIN ignorieren zu können. Übrigens, hilft auch bei Einbruchsversuche in Häusern.