Letztes Update am 22.06.2012, 15:05
Landschaftsarchitektur mit Herzblut.
Sensibles Naturerlebnis für alte Menschen: Das neue Geriatriezentrum in Wien Liesing überzeugt durch die Planung der Landschaftsarchitekten.
Sensibles Naturerlebnis für alte Menschen: Das neue Geriatriezentrum in Wien Liesing überzeugt auch durch die Planung der Landschaftsarchitekten vom Büro 3:0.
Was bleibt , wenn man kaum mehr mobil ist und die Welt einem nicht mehr das große Abenteuer bedeutet? Am Ende seines Lebens angekommen, freut man sich vielleicht mehr als jeder andere über den zarten Anblick von Narzissen.
Hört den Vögeln vor dem Fenster beim Singen zu. Oder sitzt zwischen blühenden Obstbäumen und erinnert sich an die eigene Kindheit.
In Würde altern und Abschied nehmen dürfen – dieses Grundrecht wollen öffentliche Institutionen heute immer öfter mit besonderem Bedacht umsetzen.
Dem Wiener Krankenanstaltenverbund ist dieses Vorhaben jetzt mit seinem neuen Geriatriezentrum in Liesing gelungen: Ein klares, übersichtlich und luftig gestaltetes Gebäude (Riepl Kaufmann Bammer Architektur) ...
... wird getragen von liebevoll bepflanzten Gartenanlagen, unterschiedlichen Grüntönen und zarten Blütenfarben.
Das Konzept, welches beim Wettbewerb eingereicht wurde, war so einfach wie überzeugend: Der Altbaumbestand auf dem Grundstück vis-à-vis vom Bezirksamt bildete die Grundlage, Gebäude und Außenräume wurden rundherum errichtet.
Von allen Blickwinkeln aus soll die Natur hier Inspirationsquelle, Erholungsraum und Ruhepol sein.
"Wir haben viel Herzblut in die Gestaltung gelegt", erklärt der Landschaftsarchitekt Daniel Zimmermann. Er ist einer der drei Teilhaber vom Wiener Büro 3:0, welches mit der Planung und Umsetzung der Außenanlagen betraut worden war.
Eine Hainbuche und eine Dreiergruppe von Ahornbäumen wurden so zum bestimmenden Element der Anlage, ergänzt durch neue Bäume wie Zierbirne, -apfel, -kirsche und Magnolie. "Damit haben wir den Blühaspekt im Frühjahr", sagt Zimmermann, "und später gibt es dann das Obst zu sehen."
Und so können Bewohner und Besucher heute im Hof Ost zwischen Spitzahorn, blühenden Wildbirnen und kugelig geschnittenen Sträuchern wie Stechpalme, Liguster, horstigen Gräsern und Buchs spazieren gehen. Und praktische Sitzgelegenheiten wie das sogenannte Gartensofa laden zum Verweilen ein.
Im Unteren Bereich des Gebäudes ist viel verglast, dazwischen steht ein witterungsgeschützter Raum auf Säulen frei. So kann von allen Seiten hinaus in den Park geschaut werden. "Die Pflanzen sollen eine Verbindung zwischen drinnen und draußen herstellen", so Zimmermann.
Drei Tage lang hatten sich die mit dem Projekt betrauten Mitarbeiter von 3:0 ins Geriatriezentrum gesetzt, um eine Gefühl dafür zu entwickeln, was alten Menschen wichtig ist und worauf es im Tagesablauf ankommt.
Jetzt können Bewohner und Tagesgäste im Therapiegarten Pflanzen und Erde angreifen. "Aus Rücksicht auf die sehbehinderten Patienten haben wir hier Pfefferminze und Erdbeeren gesetzt", sagt Zimmermann. "Diese kann man gut riechen."
Ein breiter Holzsteg, der sogenannte Boardwalk, soll das Grundstück in Zukunft mit dem angrenzenden Park verbinden und nach dem Umbau für die Öffentlichkeit zugänglich machen. "Der Gedanke war hier, dass die Bewohner des Zentrums von ihren Zimmern aus Kindern beim Spielen zusehen und so am Leben draußen teilhaben können."
Leider hat die Stadt das Büro 3:0 nicht auch, wie ursprünglich vorgesehen, mit der Realisierung des Parks betraut. So bleibt zu hoffen, dass alles zusammen trotzdem ein homogenes Bild ergeben wird. Landschaftsarchitekt Daniel Zimmermann gibt sich auf jeden Fall zuversichtlich.
(kurier)
Erstellt am 22.06.2012, 17:00