Letztes Update am 09.03.2012, 15:15
Wien trifft Mailand: Die jungen Wilden.
IMMO präsentiert heimische Designer, die heuer auf der Mailänder Möbelmesse iSaloni ausstellen.
Die Außenwirtschaft Österreich veranstaltet im Rahmen der Mailänder Möbelmesse vom 17. bis 22. April die Sonderausstellung "Austrian Design – raw and delicate". IMMO zeigt heimische Möbel- und Produkt-Designer, die ihre Koffer schon gepackt haben.
Sandra Haischberger, feinedinge*Fein, elegant und filigran – die Stücke aus dem Atelier feinedinge* sind außergewöhnlich und zeitgenössisch poetisch.Eine Konstante lässt sich bei den Arbeiten von Sandra Haischberger immer wieder finden – Porzellan.
Egal, was sie entwirft – dem Material bleibt sie immer treu. Ihre Entwürfe überraschen mit wundervollen, teils fantasievollen und femininen Formen.
Sie wird heuer zum zweiten Mal an der österreichischen Sonderausstellung in Mailand während der Möbelmesse teilnehmen.
Vor Ort wird sie unter anderem das Service "Alice" präsentieren. "Ich finde die Idee als Gesamtheit aufzutreten fantastisch. Das Image des österreichischen Designs ist noch immer ein bisschen verstaubt, mit solchen Veranstaltungen sorgen wir dafür, dass wir es nun endgültig verabschieden."
Katharina Mischer und Thomas Traxler, Mischer TraxlerDas Design-Duo beweist Experimentierfreude und sorgt mit seiner Arbeit für Denkanstöße. Außergewöhnlich, innovativ – Katharina Mischer und Thomas Traxler haben sich auf das Entwickeln von Gebrauchsgegenständen, Möbeln, Installationen und vielem mehr spezialisiert.
"Für uns beginnt das Thema Design nicht erst bei der Formgebung. Es fängt darüber hinaus bei Fragen an wie: Warum entsteht ein Objekt? Welche Hintergründe birgt der Herstellungsprozess?"
Im Gegensatz zu anderen Studios stellt das Duo gemeinsam mit stilwerk limited edition design gallery by Engelhorn & Turkiewicz kein Massenprodukt vor, "Collective Works" ist ein Statement, welches Produktionsprozesse hinterfragt und beleuchtet.
Fragen wie: Müssen Prozesse immer Menschen weg rationalisieren, stehen dabei im Vordergrund.
Dejana KabiljoEs ist alles ganz anders und nichts ist so, wie es scheint – die Entwürfe von Dejana Kabiljo bestechen durch Extravaganz.
Experimentierfreude und Ideenreichtum. Die Arbeiten von Dejana Kabiljo sind alles andere als gewöhnlich.
Egal, ob es um einen Hocker mit Haaren, wie etwa das Modell "PRETTYPRETTY" oder die Sitzmöglichkeit ...
... "LetThemSitCake!", die aus echten Mehlsäcken mit falschem, saftigem Schokoguss, handelt – nichts scheint einfach nur zu sein –, der Zugang ist avantgardistisch. Und was macht für Dejana Kabiljo gutes Design aus? "Gutes Design, ein Begriff der Nachkriegszeit, ist verantwortungsvoll und durchdacht. Alles nüchterne und aufrechte Attribute, die dem oberflächlichen Styling, das der Steigerung der Verkaufszahlen dient, entgegengesetzt werden."
Auf der österreichischen Sonderausstellung präsentiert sie unter anderem Fatty – ein softes Sitzmöbel.
Peter und Bernd Kohlmaier, Kohlmaier WienMaßgeschneiderte Lösungen für Designer und Architekten zählen zur Spezialdisziplin der Wiener Polsterei.
Der Kundenkreis zieht sich von privaten zu großen Auftraggebern aus Gastronomie und Hotellerie bis hin zu Architekten und Designern. Die Brüder Peter und Bernd Kohlmaier haben das Unternehmen im Jahr 1989 gegründet.
Damals verfolgten sie den Gedanken einer klassischen Werkstatt für Raumausstattung mit dem Hauptaugenmerk auf die Renovierung von Polstermöbeln. Im Jahr 1993 hat man begonnen, eigene Möbel zu entwerfen.
Der Wunsch, sich künftig mehr mit der Entwicklung von ästhetischer Gestaltung auseinanderzusetzen, endete in engen Kooperationen mit Designern und Architekten. Auf der Messe werden sie heuer den Entwurf "Neubau Chair" des österreichischen Designers Thomas Feichtner präsentieren.
Unter anderem produziert die Firma auch die berühmten Enzi-Möbel der ppag Architekten für den Innenraum.
Thomas und Oskar Maitz, PerludiDie Entwürfe von Perludi sind schlicht. Designer Thomas Maitz will Kindern Neues bieten und Werte schaffen.
Möbel für den Nachwuchs kommen eigentlich fast immer zu kurz. Selten widmet man den kleinen Stücken viel Aufmerksamkeit. Doch Unternehmen wie Perludi arbeiten daran, dies zu ändern. Die Entwürfe von Thomas Maitz (mit seinem Sohn Oskar) stehen für Authentizität, Einfachheit und Funktionalität, ohne dabei den ästhetischen Anspruch zu verlieren.
"Es darf keine Erwachsenen-Fantasiewelt im Mini-Format entstehen. Wir versuchen keinen Trends hinterherzulaufen, wir wollen Wertigkeit schaffen." Als Marke ist das Grazer Unternehmen bereits sehr gut etabliert. Entwürfe wie etwa das Schaukelpferd "Constantin", ...
... der Schreibtisch "Caspar" oder das Sitzmöbel "Pauli", welches zum Regal umfunktioniert werden kann, sind nur ein kleiner Auszug aus dem Perludi-Portfolio. "Mein Ziel ist es, in zehn Jahren die Marke Perludi weltweit unter den Top-Five-Brands der Kindermöbel zu finden."
Die gemeinsame Präsentation auf der Sonderausstellung in Mailand sieht Thomas Maitz als angenehme Notwendigkeit: "Vor Ort geht es darum, Kontakte zu knüpfen, neue Händler kennenzulernen und neue Produkte zu positionieren."
Mario Erhart, Tischlerei ErhartMario Erhart inszeniert Zweck mit Design und Kunst mit Natur. Typische ländliche Charakteristik wird von ihm neu interpretiert.
Seit Generationen ist die Tischlerei Erhart im tirolerischen Gnadenwald in Familienhand. Der jüngste Nachwuchs, Mario Erhart, hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, dem alteingesessenen Betrieb mit zeitgenössischen Entwürfen ein frisches Facelift zu verpassen.
Seine Entwürfe sind ausdrucksstark (im Bild Modell "Jogl"). Mario Erhart verarbeitet ausschließlich Massivholz: "Für mich ist das Material wichtig. Es ist natürlich, ehrlich und gleichzeitig sehr dominant."
Sein Stil steht für eine Kombination aus typisch ländlichen Einflüssen mit modernen Elementen.
Wo wird der gelernte Tischler in zehn Jahren sein? "Das weiß ich nicht, meinem Holz werd’ ich auch noch in zehn Jahren treu bleiben."
Patrick StreitlerVon der Kunst zum Design – der gebürtige Vorarlberger gestaltet außergewöhnliche Lichtobjekte.Ursprünglich kommt Patrick Streitler aus dem Bereich der Kunst und arbeitete früher im skulpturalen Bereich, doch irgendwann wurden dann daraus Lichtobjekte und schlussendlich entstanden Entwürfe ...
... wie "Schindel". Der Designer hat jedoch einen kleinen Heimvorteil, da er selbst auch in Mailand lebt und arbeitet. "Das Designverständnis ist hier einfach mehr ausgebildet, sie haben die Ästhetik im Blut. Österreichisches Design in Mailand zu präsentieren ist eine gute Idee, da man sich hier als Einheit sehr gut präsentieren kann."
Valentin VodevValentin Vodev verbindet Praktisches mit Ästhetik und achtet darauf, dass die Funktionalität dabei nicht zu kurz kommt, sondern viel mehr im Vordergrund steht.
Der Designer kombiniert Innovation mit angewandter Produktlogik. "Es ist mir wichtig, dass jedes Stück etwas Einzigartiges aufweisen kann. Nur dann hat es für mich einen nachhaltigen Mehrwert – das macht für mich einen guten Entwurf aus."
Seine Ausbildung absolvierte er auf der Angewandten in Wien und am britischen Royal College of Art in London. Vodev arbeitete bereits mit international bekannten Designern wie Ron Arad oder Sebastian Conran zusammen. Mit seinem Entwurf "Victoria" will er auf der diesjährigen Möbelmesse in Mailand punkten. Die Inspiration für das Modell entstand in London.
Die mobile Hausbar ist eine Hommage an die britische Picknick-Kultur, das Modell kann man unter anderem auch an einem Fahrrad anhängen.
"Bei der iSaloni geht es nicht so sehr um den Verkauf. Viel mehr geht es um neue Kontakte und darum, zu sehen, womit sich die Designwelt im letzten Jahr beschäftigt hat."
Valentine Troi, superTEX CompositesNeuer Werkstoff, neuer Wind und neue Werte: superTex Composites.
Der Zugang zum Design war für die Tiroler Architektin Valentine Troi ein ganz untypischer. Begonnen hat alles mit der Entwicklung eines neuen Werkstoffes – splineTEX®.
Mit ihrem vierköpfigen Team war sie auf der Suche nach einem neuen, frei formbaren Strukturelement. "Anfangs haben wir das Material für unsere eigenen Bedürfnisse entwickelt. Nun sind wir in der Lage, selbst Entwürfe wie etwa den "splineTextable" zu gestalten. Mit der Fertigung von Möbelstücken können wir den Werkstoff effizient präsentieren und hervorheben."
Gutes Design hat für sie mit Überraschungen zu tun – ohne Mehrwert ist sie schwer zu begeistern.
Ihre Zukunftsvision? Den Werkstoff weiterentwickeln und damit immer komplexer und anspruchsvoller zu gestalten.
Peter HusslDie zweite Generation des Traditionsunternehmens sorgt für frisches Design.
Gemeinsam mit seiner Schwester Beate trat Peter Hussl in die Fußstapfen seines Vaters. Der Betrieb war einst nur Zulieferer, bis man sich Mitte der 1990er-Jahre dazu entschloss, eigene Stühle und Tische zu produzieren.
Die Gestaltung übernimmt der Chef, in Zusammenarbeit mit externen Designern selbst. Der Stil steht für zeitlose, elegante Modelle wie etwa der Stuhl "ST6N-2".
"Wir bleiben bei dem, was wir können, und dem Material Holz treu. Es geht uns viel mehr darum, dass unsere Entwürfe nachhaltig und qualitativ hochwertig sind."
Das Tiroler Unternehmen wird heuer das erste Mal in Mailand während der Möbelmesse ausstellen. "Ich finde es spannend und fahre mit vielen Wünschen nach Italien. Die Erwartung liegt klar darin, dass wir neue Kontakte knüpfen und unser Produkt einem breiten Publikum präsentieren können."
Sascha Mikl, Martin Schnabl und Michael Tatschl, breadedEscalopeDas Wiener Gestaltungskollektiv überrascht und provoziert. Ihre Entwürfe sind geprägt von experimentellen Ansätzen. Sascha Mikel, Martin Schnabl und Michael Tatschl (von links) sind breadedEscalope. Die Gruppe bewegt sich zwischen angewandten und bildenden Praktiken und versucht dabei, vor allem die soziale Relevanz in den Vordergrund zu stellen.
Sie schaffen spannende Zugänge zu ihren Projekten, wie etwa der Stuhl "Love me Bender" oder die "Inefficient Vase".
Mailand findet das Kollektiv spannend: "Wir haben viele vielversprechende Talente, die auch international gezeigt werden müssen. Wer mitreden will, darf sich nicht verstecken. ...
... Es ergibt sich durch die Gemeinschaftsausstellung zusätzlich eine seltene Gelegenheit, auch einmal die österreichische Szene untereinander besser kennenzulernen."
Andreas Wolsegger und Romed Brugger (Tischlerei Forcher), Horst Philipp, Nina Mair und Georg Öhler (Pudelskern)Kreativität trifft Handwerk: "auí alpine living" von Pudelskern für die Tischlerei Forcher.
Gerhard Forcher leitet nun seit über zehn Jahren das 83 Jahre alte Familienunternehmen – die Tischlerei Gabriel Forcher. Um nicht nur ein klassischer Handwerksbetrieb zu bleiben, ...
... versuchte Forcher, traditionelle Fertigungstechniken mit Ästhetik und funktionellem Design zu verbinden und entschloss sich dazu, selber produzierte Möbelserien ins Sortiment aufzunehmen.
Die Idee, das talentierte Tiroler Kreativ-Trio Pudelskern zu engagieren, stammt von Romed Brugger, Produktentwickler, und Andreas Wolsegger, Verkaufsleiter. Durch diese spannende Kooperation entstand die innovative Möbelserie "auí alpine living".
Das Designbüro Pudelskern ist heuer unter anderem auch für die Gestaltung der Sonderausstellung in Mailand verantwortlich.
(kurier)
Erstellt am 09.03.2012, 17:00