Letztes Update am 25.04.2012, 10:27
Designklassiker: Stuhl "SE 68".
Manche Möbelstücke lassen sich einfach nicht mehr aus Wohn- und Büroräumen weg denken, so wie der Stuhl "SE 68" von Egon Eiermann.
Stiefbruder
Der „SE 68“ wurde vom deutschen Architekten Egon Eiermann entworfen. Der Stuhl besticht durch klare Linien und hohe Einsatzbereitschaft.
Mindestens ein Jahr hat es einst gedauert, bis sich innovative Entwicklungen aus Übersee auch in Europa verbreiteten. Bestes Beispiel dafür ist ein Stuhlentwurf des berühmten Designer-Ehepaares Charles und Ray Eames. Sie konstruierten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges einen dreidimensional gebogenen Sperrholzstuhl auf einem Stahlrohrgestell. Inspiriert von dem Modell war der deutsche Architekt Egon Eiermann im Jahr 1950 einer der Ersten, der sich dem neuartigen Herstellungsverfahren widmete und den „SE 68“gestaltete. Reduziert und streng präsentiert sich der Entwurf. Dank seiner Stapelbarkeit wurde er schnell zum Mehrzweckstuhl und kam häufig in Schulen, Seminar- und Vortragssälen zum Einsatz. Das leichte Möbelstück wurde zeitgleich zum Sinnbild des neuen Aufbruchs und somit auch ein beliebter Einrichtungsgegenstand für modern Gesinnte. …
Ein Multitalent
Das Profilsystem von Flötotto wurde im Jahr 1975 entworfen. Die Suche nach Alterserscheinungen ist vergeblich.
Einfach und praktisch. Mitte der 1970er-Jahre entwickelte der deutsche Hersteller Flötotto ein variables Einrichtungssystem. Entstanden ist das „Profilsystem“. Das zentrale Herzstück der Serie: patentierte Eckverbindungen. Dieses innovative Herstellungsverfahren kam erstmals ohne Leim und Verzapfung aus. Außerdem wurde nur eine geringe Anzahl von Normteilen benötigt. Die dadurch entstehenden Holzprofile waren der Grundstein für die außergewöhnliche Rahmenstruktur. Das universelle Kastenmöbel besticht durch eingefasste farbige Flächen aus Glas oder Kunststoff. Der Container lässt sich beliebig reihen und stapeln. Eine Grundeinheit für Schrankwände, Raumteiler, Regale und Vitrinen. Später wurde das innovative Möbelprogramm mit Tischen, Sessel und Betten ergänzt. Der Einsatzbereich reichte vom Wohnzimmer bis hin zum Büro. Das System punktet nicht nur mit …
Im Körbchen
Die gehobene Kunst des Flechtens: Der Sessel "E10" des deutschen Architekten Egon Eiermann.
Wie eine Blüte öffnet sich die tiefe Sitzschale des Sessels "E 10". Der deutsche Architekt Egon Eiermann hat den Entwurf vier Jahre nach Kriegsende im Jahr 1948 gestaltet. Während einer Möbelausstellung in Stuttgart konzipierte Eiermann eine Vierzimmerwohnung, für welche er Möbelstücke in unterschiedlichen Materialien wie Stahlrohr, Holz und Sperrholz verwendet. Darunter befand sich auch der Korbsessel "E10". Markantes Merkmal ist der zentrale, stammartige Fuß. Der formal konsequente Sessel wird in reiner Handarbeit hergestellt. Er besteht ausschließlich aus Rattan. Die Stangen gewinnen durch das Verflechten an Steifheit und gleichzeitig an Belastbarkeit. Eine Versteifung im Inneren des Sockels stabilisiert die gesamte Konstruktion des Sessels. Schaft, Sitzmulde, Armauflage und Rückenteil sind wie aus einem Guss geformt. Der Stuhl wird heute noch vom deutschen Hersteller Richard …
Kantinenparty
Klar, einfach und frei von jeglichen Verzierungen – das Kompaktgeschirr "TC 100" von Hans Nick Roericht.In den 1960er- und 1970er-Jahren war das Service "TC 100" in einigen Haushalten, aber vor allem in Gastronomiebetrieben häufig vertreten. Der Entwurf stammt aus der Examensarbeit des Systematikers Hans "Nick" Roericht. Viele hatten sicherlich schon das ein oder andere Mal eine dieser Tassen in der Hand und irgendwie ist einem das Service auch in Erinnerung geblieben. Das lag sicherlich nicht nur an der einfachen Form, sondern an der Funktionalität. Das Service beruht auf strikt abgestimmten Doppelzylinderformen. So konnte man das Geschirr mühelos und kompakt aufeinanderstapeln. Dadurch entstand ein unheimlich perfektes Gesamtbild. Das Service landete auch in der Vitrine des Museums of Modern Art in New York wie auch in dessen Cafeteria. Roericht ging beim Entwurf nicht zuerst auf die Formgestaltung ein. Er konzentrierte sich im Vorfeld eher auf Markt-, Material- und …
Schön + Einfach
Der Stuhl "SE 42" wurde von Egon Eiermann für das deutsche Möbelunternehmen Wilde + Spieth entworfen. Nun wurde der Stuhl wieder ins Programm genommen und reeditiert.
Nein, es handelt sich nicht um den Stuhl DCW (Dining Chair Wood) vom amerikanischen Künstlerehepaar Ray und Charles Eames. Der "SE 42" von Egon Eiermann wurde früher sehr oft mit dem DCW verwechselt, denn die Ähnlichkeit ist verblüffend. Beide Modelle beeindrucken durch die organische Formensprache der Sitz- und Lehnplatten. Die Version von Eiermann besteht aus formgepresstem Sperrholz, welches auf möglichst wenigen Befestigungspunkten auf ein Gestell aus gebogenen, montierten Sperrholzstreifen aufgelegt wurde.Der Unterschied zwischen den beiden Modellen liegt, wie so oft, im Detail. Die sichtbaren Schrauben sind ein charakteristisches Merkmal: Bei der Eames-Version wurden sie nur am Gestell verschraubt. Beim "SE 42" gehen die Schrauben durch beide Sperrholzteile hindurch. Weiters verzichtete Eiermann …
Sitzlandschaft
Das Polstermöbelsystem von Tata Ronkholz-Tölle besticht durch zeitloses Design und dezente Niveauunterschiede.
Ende der 1960er-Jahre war es so weit – das deutsche Möbelunternehmen Habit präsentierte auf der Kölner Einrichtungsmesse, der IMM Cologne, die erste begehbare Wohnlandschaft. Der Entwurf stammt vom Designer Tata Ronkholz-Tölle. Als Vorbild für das Modell galt das Baukastensystem. Die einzelnen Sitzelemente wurden einfach aufeinandergestapelt. Herausnehmbare Polster hatte es bis zu diesem Zeitpunkt allerdings auch nur einzeln gegeben und nicht im Ensemble. Durch die vertikale und horizontale Kombination entstand eine Landschaft mit unterschiedlichem Höhenniveau. Als Käufer gleichzeitig auch interaktiv mitgestalten zu können, war ein weiterer Vorteil des Modells. Die Trennung von sitzen und liegen wurde mit diesem Entwurf aufgehoben. Durch den Verzicht auf ein Gestell bildete der Entwurf eine Einheit mit dem Boden. Viele Hersteller entwickelten damals ihr …
Klappe!
Mehr Ordnung in überfüllten Büroräumen: Das Möbelprogramm "Confair" von Wilkhahn ist eine multifunktionale und elegante Lösung.
Flexibilität ist im Büroalltag immer gefragt. Sei es bei Terminabstimmungen oder auch bei Konferenzen. Doch nicht immer ist ein überdimensional proportionierter Besprechungstisch die passende Lösung. Der Entwurf "Confair" wurde für den deutschen Büromöbelspezialisten Wilkhahn im Jahr 1994 gestaltet und beweist, dass auch die Einrichtung vielseitig sein kann – ohne den Verlust von Ästhetik. Die Designer Justus Kolberg, Fritz Frenkler und das Büro Wiege haben zu diesem Thema ein ganzes Möbelprogramm entworfen. Der Konferenztisch auf Rollen zählt neben einem Raumteiler, der als Pinnwand und Schreibtafel benutzt werden kann, einem dreistöckigen Servierwagen sowie einem fahrbaren Rednerpult, zu den zentralen Entwürfen der Serie. Die geteilte Arbeitsplatte lässt sich in der Klappvariante leicht zusammenfalten. Gestalterisches Highlight sind unter anderem …
Aufsteiger
Farbenfroh und eine schlichte Holzkonstruktion: die Satztische des Bauhaus-Künstlers Josef Albers.
Praktisch und schön zum Ansehen – Satztische lagen Mitte der 1930er-Jahre im Trend. Namhafte Designgrößen wie Marcel Breuer oder auch Josef Hoffmann haben sich dem damals gehypten Möbeltypus verschrieben und ebenfalls welche für ihr Repertoire entworfen. Das Modell "Albers" wurde jedoch vom Künstler Josef Albers gestaltet. Sie stammen aus einer Wohnungseinrichtung, die Albers für das Berliner Psychoanalytikerpaar Fritz und Anna Moellenhof in der Bauhaus-Tischlerei konzipierte. Die geraden Linien der Holzkonstruktion und die einfache Formensprache verleihen dem Ensemble Schlichtheit. Eine weitere Besonderheit sind die von der Tragkonstruktion eingefassten Glasplatten. Josef Albers wählte hier verschiedenfarbige Lacke und setzte neben Weiß auf die beliebten Grundfarben des Bauhaus – Blau, Rot und Gelb –, welche unter anderem von den deutschen Architekten Herbert Bayer oder …
Heiße Stunde
Vor mehr als hundert Jahren entwickelt, bis heute unerreicht: der Wasserkessel "Behrens".
Peter Behrens war einer der bedeutendsten Vertreter des modernen Industriedesigns und Mitbegründer des deutschen Werkbundes. Der deutsche Architekt war ursprünglich Maler und Typograf, von ihm stammt unter anderem auch die Behrens-Schrift. Vor dem ersten Weltkrieg widmete er sich vermehrt dem Produktdesign und gestaltete einige Entwürfe für den international renommierten, deutschen Elektrohersteller AEG. Der Wasserkessel "Behrens" wurde 1909 erstmals präsentiert und galt damals als eine kleine Sensation. Das Modell gab es in drei Grundformen (Achteck, Flachoval und Tropfenform), drei Materialien (Messing, Messing vernickelt, Messing verkupfert) und in drei unterschiedlichen Größen. Diese Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten ergab 81 Produktvarianten, wobei nur 30 tatsächlich in Serie gingen. Heute wird der Wasserkessel leider nicht mehr produziert, doch seine Form gilt für viele …
Formwandler
Das ungewöhnliche Design und die knallbunten Farben der Sitzskulptur "TV-Relax" von Luigi Colani sorgten damals wie heute für Furore.
Ein wenig Science-Fiction steckt wohl in allen Entwürfen des deutschen Star-Designers Luigi Colani. Als Vorreiter biomorpher Formen experimentierte Colani, der zuvor unter anderem Karosserien für die Auto-Industrie gestaltete, mit neuen Kunststoffen. Resultat waren weich fließende, runde und freie Formen, ungewöhnliche Proportionen und Möbelstücke, die gleichzeitig Gebrauchsgegenstand und Skulptur sind. Im fast schon mythischen Revolutionsjahr 1968 beauftragte der deutsche Objektausstatter Kusch + Co den Designer mit dem Entwurf einer Liege und dazu passender Sessel. Ergebnis war die Kreation "TV-Relax" – eine Hommage an die kulturelle Rebellion jener Zeit, die auch Elemente der Pop-Art aufgreift. Die aerodynamische form der Möbel gelang durch die Verwendung von Schaumgummi, der bis dahin hauptsächlich in der Autoindustrie zum Einsatz kam. …
Federleicht
Der elegante Klubsessel "B 35" von Marcel Breuer besticht durch klare Ästhetik und funktionales Design.
Beim Fahrradfahren soll dem Bauhaus-Architeken und Designer Marcel Breuer angeblich die Idee gekommen sein, die Stahlrohr-Konstruktion seines neuen Rennrads als Basis für seine Arbeiten zu verwenden. Die Entdeckung dieses Materials inspirierte Breuer zu einer Reihe von Möbeln aus kalt gebogenem Stahlrohr, darunter auch der Klubsessel "B 35". Ab 1930 wurde dieser von der deutschen Firma Thonet produziert. Das einfache und funktionale Design des Modells steht in der Tradition der Bauhaus-Bewegung und der neuen Sachlichkeit in Architektur und Design jener Zeit. Der Clubsessel "B 35" steht auf Kufen und ist eine Weiterentwicklung des Freischwingers, der die Funktionen eines bequemen Stahlrohrsessels in einer einzigen Stangenlinie realisiert. Der bei Freischwingern übliche Federeffekt beim Sitzen wird beim "B 35" noch weiter verstärkt, weil hier auch die Armlehnen frei …
Zitronenfalter
Der Sitzkubus "F 51" des Bauhaus-Architekten Walter Gropius besticht durch seine einfache, geometrische Form. Zum Ausgleich darf es dafür dann auch ein bisschen mehr Farbe sein.
Der Deutsche Architekt und Bauhaus-Begründer Walter Gropius gilt auch heute noch als einer der bedeutendsten Wegbereiter der modernen Architektur. Für sein Arbeitszimmer im Bauhaus Dessau entwarf Gropius in den 1920er-Jahren eine Sitzgruppe. Die Form des dazugehörigen Sessels "F 51" ist eine Kombination untereinander verschränkter Quader: Ein dunkler Rahmen aus rot-braun gebeiztem Kirschbaumholz bildet beim Original den Kontrast zum Sitzpolster mit zitronengelbem Wollbezug. Der Sitzraum ist eingeschnitten in die Gesamtform des Würfels; die freitragende Bauweise deutet bereits auf die späteren Freischwinger, etwa "F 51" (Reedition) von Ludwig Mies van der Rohe und Marcel Breuer, hin. Das Design des "F 51" folgt der Philosophie, dass moderne Möbel schön aussehen und gleichzeitig Form und …
Teezeit
Das Modell "Mono Classic" wurde vom deutschen Produktdesinger Tassilo von Grolmann entworfen. 30 Jahre später besticht dieser noch immer durch Ästhetik und Eleganz.
Stück für Stück nahm der deutsche Designer Tassilo von Grolmann die Teekanne auseinander, bis er schließlich im Jahr 1981 das Modell "Classic" dem deutschen Desingunternehmen Mono präsentierte. Neben dem modularen Aufbau besticht die Kanne durch das filigrane und dünne Gestell aus Edelstahlstangen, das an die Generation früherer Stahlrohrmöbel erinnert. Die Glaskanne und das Teesieb werden bei dem offenen Gestell oben eingehängt. Diese Formgleichheit hat aber auch funktionale Vorteile: Im Vergleich zu anderen Modellen bietet "Classic" mit dem großen Sieb Teeblättern mehr Raum zum Ziehen. Der Deckel besteht aus einer Metallscheibe und ist so konzipiert, dass er auch bei einem großem Kippwinkel nicht herunterfallen kann. Die Einzelteile der unterschiedlichen Stövchen wurden ebenfalls nicht fixiert und müssen so …
Stabilität: Der Bofingerstuhl
Einer der ersten aus einem Guss produzierten Plastik-Sessel stammt aus Deutschland und ging in die Geschichte ein.
So lange, wie man glauben könnte, gibt es sie noch gar nicht: Kunststoffsessel aus einem Guss. Dass 1966 auf der Kölner Möbelmesse ein aus einem einzigen Stück geformter Stuhl präsentiert werden konnte, lag – wie so oft – allein daran, dass ein innovativer Designer auf einen risikofreudigen Unternehmer traf. Der Architekt Helmut Bätzner hatte für das Karlsruher Stadttheater eine Sitzgelegenheit entwickelt, die aussieht, als wäre über ein imaginäres Gestell eine Haut gespannt. Dieser Entwurf brachte viele Vorteile: Obwohl nur vier Kilogramm schwer, war der Polyester-Stuhl stabil, witterungsbeständig und zu enormer Höhe stapelbar. Der Möbelproduzent Bofinger war vom Entwurf des Architekten so überzeugt, dass er ihn in acht plakativen Farben mit beachtlichen 120.000 Stück in Serie gehen ließ. Heute wird der berühmte "Bofingerstuhl" leider …
Heiß
Mit dem Wasserkessel "9091" von Alessi revolutionierte der deutsche Designer Richard Sapper den Pfeifton.
Produktreformer Richard Sapper störte der nervtötende Ton seines Wasserkessels. Grund genug für den deutschen Designer für dieses Problem eine Lösung zu finden. Die Entwicklung eines neuen Pfeiftons stand beim Entstehen des Entwurfs "9091" für den italienischen Haushaltswarenhersteller Alessi im Vordergrund. Mithilfe eines Handwerkers aus dem Schwarzwald wurde der gewünschte Dreiklang, der einer Stimmflöte entsprechen sollte, hergestellt. Auf den üblichen Deckel wurde verzichtet, dadurch entstand die Kuppelform. Der Kunststoffgriff erinnert an einen Hahnenkamm, die verchromte Oberfläche spiegelt die Umgebung wider. www.alessi.com
Mikado
Der Garderobenständer "Hut ab" besticht durch Klarheit und wurde vom deutschen Designer Konstantin Grcic für Nils Holger Moormann entworfen.
Lediglich sechs dünne Stäbe aus rohem Eschenholz waren notwendig, um den berühmten Garderobenständer "Hut ab" herzustellen. Bekannt für seine schnörkelfreie und durchaus auch gewollt polarisierende Produktwelt, besticht auch dieser Grcic-Entwurf durch funktionale Klarheit. Die Holzlatten sind über drei Gelenke miteinander verbunden, wodurch eine simple Scherentechnik entsteht. An den oberen Enden der Stangen wurden kleinere Ausformungen sowie ein paar Haken angebracht, um unterschiedliche Aufhängemöglichkeiten zu bieten. In der zentrierten Beuge, zwischen den langen und kurzen Stäben, sollen auch Taschen geeigneten Halt finden. Durch die flexible Scherentechnik des Garderobenständers kann "Hut ab" jederzeit zusammengeklappt und platzsparend verstaut werden. Zwar wirkt die Konstruktion auf den ersten Blick instabil, doch genau das …
Überflieger
Die "Akari"-Tischleuchte aus den 1950er-Jahren ist die berühmteste Papierlampe der Welt. Sie wird bis heute produziert und vielfach kopiert.
Isamo Noguchi gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts, beeinflusste die Kunst der Landschaftsgestaltung entscheidend mit und entwarf darüber hinaus Möbel und Lichtobjekte, die nach wie vor unsere Haushalte zieren: Der 1904 in Los Angeles geborene Sohn einer amerikanischen Schriftstellerin und eines japanischen Dichters ist einer der ganz Großen in der Welt des Designs. Zu seinen berühmtesten Objekten zählen die "Akari"-Leuchten, einfache Lampen aus Papier, deren Grundmodell Noguchi in der japanischen Stadt Gifu entdeckt und entscheidend verbessert hatte. Es gibt sie in allen möglichen Formen, manche sehen wie kleine Leuchtsteine aus, andere bauschen sich wie Wolken empor. Die Firma Vitra führt sie bis heute in ihrem Programm. Das besondere an der Kollektion ist, dass sie auch nach 60 Jahren immer noch …
Stoßdämpfer
Harter Stahlrahmen trifft weiche Polsterung: Der Freischwinger "Sinus" von COR.
Bereits 1976, als der Sessel "Sinus" entworfen wurde, war er seiner Zeit voraus: Während sich andere Designer noch mit bunten, vorzugsweise braun-gelb gemusterten Plastikentwürfen herumschlugen, versuchten Reinhold Adolf und Hans-Jürgen Schröpfer erst gar nicht gegen die Nüchternheit des Bauhaus zu rebellieren. Stattdessen entwarf das Duo für das deutsche Design-Unternehmen COR den schlichten, akkurat gepolsterten Sessel „Sinus“, der seinen Namen den schwingenden Kufen verdankt, auf denen er steht. Diese Füße tragen maßgeblich zum hohen Sitzkomfort des Klassikers bei. Die Form des eleganten Stahlrahmens scheint weniger mathematisch ausgeklügelt, als von Künstlerhand mit einem sicheren Strich gezogen. Stellt man den passenden Hocker dazu, schließt sich diese zu einer ergonomischen Kurve. Die identischen Polsterelemente werden mittels Druckknöpfen an Gurten befestigt, die im Rahmen eingezogen …
Einfach pur
Nackte Tatsache: Die Geschirr-Serie "Berlin" von Hans Theo Baumann präsentierte Porzellan frei von jeglichem Schnörkel.
Seine Entwürfe haben Geschichte geschrieben und er selbst zählt zum Urgestein des deutschen Designs: Hans Theo Baumann, geboren 1924 in Basel, gilt als einer der herausragendsten Vertreter seiner Zunft. Sein Anspruch war ganzheitlich und das Ergebnis seiner Denkprozesse ist bis heute überall anzutreffen: in Küchen, Ess- und Wohnzimmern, in Form von Möbeln, Geschirr, Glas und Besteck. Die von ihm entworfenen Objekte zeichneten sich durch klare Linien und hohe Funktionalität aus. Was heute nicht mehr produziert wird, findet man in abgewandelter Form vielfach kopiert im Handel. Seit 1954 war Baumann für die deutsche Porzellanmanufaktur Rosenthal tätig. Eine seiner schönsten und am heftigsten diskutierten Entwürfe für das Haus war das Service "Berlin": Es kommt ganz ohne Schnörkel aus, das gewohnt Bauchige, Runde und Verspielte war hier einer bisher kaum …
(KURIER/Ela Angerer, Michaela Hubweder, Christina Leitner, Ankica Nikolic)
Erstellt am 25.04.2012, 10:30