Letztes Update am 09.04.2012, 13:56
Seelsorgestelle Voestalpine Linz: Geistliche Beratung in Unternehmen war in den 1960er-Jahren populär. Gefragt ist sie bis heute. Der Neubau von x architekten zeigt, wie eine solche Institution im 21. Jahrhundert funktionieren kann.
David Birgmann im Interview
KURIER: Katholizismus hat in Europa keinen leichten Stand. Kann Architektur Kirche wieder schmackhaft machen?
David Birgmann: Wir haben uns bemüht mit den Räumlichkeiten der Kirche eine zeitgemäße Antwort zu liefern. Vom architektonischen Standpunkt her haben wir versucht, jede Schwelle und den Eindruck des monumental Göttlichen hinten anzustellen. Zum anderen hat sich die Pfarrgemeinde eingebracht: Die fünfeckige Form des Feierraumes ist etwa eins zu eins aus den Wünschen der Nutzer entstanden.
Kirchen sind ein Ort der Ruhe. Wie gelingt das in einem der größten Industriegebiete Österreichs?
Die Absenkung trägt wesentlich zum Funktionieren des Ortes bei. Das Gebäude liegt zirka drei Meter tiefer als das restliche Gelände. Das blendet den Lärm aus und bietet Sichtschutz. Und es ist gelungen, den alten Baumbestand zu erhalten.
Muss sich die Architektur der Liturgie unterordnen?
Viele Bedürfnisse stehen und fallen mit der Gemeinde und dem Pfarrer. Aber es gibt auch Bestimmungen der Diözese. Der Altar muss etwa fest mit der Erde verbunden sein. In diesem Punkt haben wir die Grenzen ausgelotet und einen drehbaren Klapptisch auf einer Säule entworfen. Man kann ihn je nach Bedarf verkleinern oder vergrößern.
Gibt es Konflikte zwischen Kirche und Arbeiterschaft? Wie kann man sie architektonisch lösen?
Das Spannungsverhältnis existiert und daraus resultiert ein Schutzbedürfnis. Leute, die ins Seelsorgezentrum gehen, werden schief angeschaut nach dem Motto "Aha, warst wieder beim Pfarrer". Durch das Absenken des Gebäudes muss sich ein möglicher Spion bis an die Grenze der Böschung vorwagen, um zu sehen, wer drinnen ist. Dadurch wird er selbst präsent und muss sich als Beobachter outen. Viele leben ihren Glauben offen. Aber die, die es nicht tun, erfahren durch die Architektur Anonymität. Wer mit der Kirche nichts am Hut hat, aber über etwas reden möchte, kann hierherkommen ohne gebrandmarkt zu sein.
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