Wie schmeckt's im neuen 3-Sterne-Restaurant Frankreichs?

Der Michelin Frankreich hat ein neues 3-Sterne-Restaurant, diesmal in Saint Tropez. Konsi-Küche für eine krisenfeste Klientel.

Terrassenflair für die oberen 1000 von Saint Tropez. Die Residence de la Pinede gehört zu den schönsten und besten Hotels des Ortes, der alle Klischees vom guten Leben in Südfrankreich auf sich vereint. Das Restaurant des Hotels zählt auf seine Art zu den besten an der Côte d'Azur. Der 35 Jahre alte Chefkoch Arnaud Donckele, der bei den französischen Größen Michel Guerard in Eugenie les Bains und Alain Ducasse in Monaco gearbeitet und gelernt hat, bietet unverfälschte südfranzösische Haute Cuisine. Edles Material, perfekt herausgeputzt. Dafür wurde das Restaurant "La Vague d'Or" (was für ein Name!) im neuesten Guide Michelin mit den begehrten 3 Sternen ausgezeichnet. Das bedeutet im Michelin-Deutsch: "eine Reise wert". (Das Restaurant öffnet erst wieder Mitte April.) Die Hauptdarsteller des Menüs im Restaurant, das seine Gäste nur abends empfängt (was extrem schade ist), sind Gemüse und Fisch. Zum Beispiel dieser dem Thunfisch ähnlicher Fisch aus lokalem Fang. Unvergesslich zart und seidig fett. Ja. Und es gibt wieder Suppe. Diese hier ist aus dem Schalen von Langoustinos, die weniger stark im Aroma sind als die des Hummers oder anderer Krustentiere. Dazu ein Langoustino (Kaisergranat) und Pilze. Ein hervorragendes Gericht. Hier war ich nicht sicher, ob das jetzt wirklich das Ende des Möglichen ist. St.Pierre mit Paprika und Gnocchi. Das kann jetzt aber nicht ihr Ernst sein, Monsieur Donckele. Schönes Zwischensorbet mit Fenchel, über das man nicht zuviele Worte verlieren muss. Und die Küche erhörte die stillen Gebete des Gastes aus dem Binnenland, der zu Hause keinen guten Fisch kriegt und machte ihm als Hauptgang noch einmal Fisch. Mit Sommertrüffel umrandet, der Steinbutt, phantastische Sauce, reines Glück. Ein Soufflé als Abschluss. Das gefällt den Gästen, die aus dem Noma panikartig flüchten würden, aber dafür auch nicht zu lange für ein Essen dieser Art zur Seite liegen müssen. (Ich war der einzige Gast mit Durschschnittseinkommen, vermute ich und wurde von den durchwegs älteren Damen und Herren trotz ordentlicher Garderobe mit anfänglichem Mißtrauen gemustert.) Zum Essen gibt es inklusive den ortsüblichen Sonnenuntergang ... ... und etwas vom nächtlichen Golf-von-Saint-Tropez-Ambiente. Bonsoir. Den dritten Stern muss sich das Restaurant beim nächsten Besuch erst noch verdienen. Mein Bankberater verhüllt sein Haupt.

L1140862.JPG Foto: Alexander Rabl Während der rote Michelin in Frankreich während der letzten Jahre durchaus das Molekulare hoffierte, scheint damit fürs erste einmal Schluss zu sein.

Wie auch im vergangenen Jahr, als mit Emanuel Renaut in Megève ein alpiner Regionalist mit der Höchstwertung ausgezeichnet wurde, zeigt der neueste 3-Sterner eine dezidierte Hinwendung des Michelin zur französischen Klassik, ein erstarkendes Selbstvertrauen einer kulinarischen Nation, die sich weder von den Skandinaviern noch von den Spaniern so schnell die Schneid abkaufen lässt.

Dies zum einen.

Zum anderen fand ich bei meinem letzten Besuch in der Residence de la Pinede ein hervorragend geführtes Hochrestaurant alter Schule vor, das sich allerdings während der letzten Monate extrem gebessert haben muss, um die 3 Sterne im Michelin-Führer auch wirklich verdient zu haben.

Der französische Gault Millau vergab zuletzt 18 Punkte.

(Kurier) Erstellt am
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