Warum wir uns auf den Herbst freuen

Die Tage werden kürzer, die Mahlzeiten länger. Freuen Sie sich auf Weinlesen, Sturmtrinken, Ganslbraten, weiße Trüffel und Wildgerichte. Alexander Rabl tut es auch.

Für den Genießer von Speis und Trank hat der Herbst viel zu bieten. Weshalb wir uns - trotz kürzerer Tage, geschlossener Freibäder und Nebel - auf den Herbst freuen dürfen. Vom Teller aus betrachtet, gehört der Herbst zu den schönsten Jahreszeiten.
Zum Beispiel Reh und Hirsch. Sie schmecken am besten mit Beeren, Pilzen, Kraut und Knödel, also Dingen, die besonders gut in die Herbstzeit passen. Wie auch kräftige Rotweine aus dem Burgenland oder gehaltvolle Smaragde aus der Wachau, dem Kamptal oder vom Wagram. Weil gerade vom Wein die Rede ist. Was wäre der Herbst ohne den Sturm, der uns hin- und herwirft und nächtens die Ruhe kostet  (was niemanden wirklich stört). Freuen wir uns also auf stürmische Spaziergänge in der Steiermark wie auch in anderen wenig windgeschützten Regionen. In Südtirol heißt der Sturm Federweißer, wirkt aber gleicht wie sein österreichischer Verwandter. Erntezeit für Kürbisse
Es gibt so viel, was man mit ihnen anstellen kann. Zum Beispiel mit Gewürzen aus fernen Ländern im Rohr braten. Leider fällt vielen Wirten immer noch bloß die Kürbissuppe ein. Nicht mehr lange, bis es den Gänsen an den Kragen geht. Wenn sie nur nicht aus der ungarischen Massenzucht kommen, sonst liegen sie dem Esser auch aus ethischen Gründen im Magen und nicht nur, weil die Küche sie zu lange im Rohr hatte. Was ist schon der Duft von Herbstlaub und nebelfeuchten Wäldern gegen den einer weißen Albatrüffel? Mit dem Preisverfall von ebendieser wird es leider auch heuer wieder nix werden. Zu den preiswerteren kulinarischen Vergnügungen gehört immer noch der Spaziergang zum Mostheurigen. Das Bratl wird dann auch noch drin sein. Endlich ist es wieder Zeit für eine heiße Suppe. Ob aus Japan, China, Thailand, Italien oder Österreich. Warm und kräftig muss sie sein, dass sich die Butzenscheiben der Stube beschlagen oder wenigstens die Brillengläser. Wer Suppe sagt, sagt auch gerne gekochtes Rindfleisch. Die ideale Begleitung zum Kürbisgemüse. Der Vacherin ist der Grund, warum an eine Abschaffung des Herbstes und des Winters nicht zu denken ist. Dieser herrliche Käse, der aus der Schweiz und Frankreich kommt, ist suchtgefährdend. Besonders, wenn er mit heißen Kartoffeln serviert wird und dazu eine geöffnete Flasche Gewürztraminer oder Barolo parat steht. Das Thema Käse verfolgt uns den ganzen Herbst. Denn viele Sorten, die aus der Milch von Schafen, Ziegen und Kühen gewonnen werden, welche den ganzen Sommer nur frische Wiesenkräuter gefressen haben, sind jetzt zu haben. Außerdem: bei über 30 Grad ging außer Burrata eh nicht wirklich was. Wenn sich dann der Altweibersommer endgültig in den Süden vertschüsst hat, kommt auch die Lust am Gebackenen wieder auf. Maronibrater mischen sich unters Straßenvolk, Maroni unter Desserts, zum Hirschragout und zum Ganslbraten. Wenn es auf der Straße dann doch sogar zum Maroni essen zu grausig wird, flüchtet man ins nächste Kaffeehaus auf einen Apfelstrudel. Später dann, nach unzähligen heißen Schokoladen, ist es Zeit für Würstel mit Senf und Kren. Der Würstelstand ist der Austernstand des kleinen Mannes, während der Austernstand der Würstelstand des großen Mannes ist. Dementsprechend übersteigt die Zahl der Würstelstände in Österreich die Zahl der Austernstände. Ab November besonders gut. Im November wird es dann Zeit den neuen Wein. Die Franzosen werden für ihren Beaujolais Nouveau immer gerne gebasht, was ihnen aber vollkommen egal ist. Ob Nouveau, Novello oder Jungwein ist den neugierigen Genießern gleichl. Dass die guten Winzer keine Freude damit haben, wenn ihre Weine oft viel zu früh getrunken werden, sei hier nur am Rande erwähnt.
Im Bild: Zwei Weinkenner stoßen mit zwei Martiniganslhaxen auf den neuen Jahrgang an. Die Zeit davor gehört aber auch zu den schönsten des Jahres. Die Weinlese. Bewaffnet mit Butten und guten Vorsätzen helfen wir den Winzerfreunden bei der Lese und bei der nachfolgenden Dezimierung der mitgebrachten Jause.
(kurier) Erstellt am
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