In jeder Lage im Einklang mit der Natur

In jeder Lage im Einklang mit der Natur
Mit der Umstellung auf organisch-biologischen Weinbau erfüllte sich Georg Lunzer einen Herzenswunsch und ist nun Herr über sein eigenes Ökosystem.

Willkommen im Weinanbaugebiet Neusiedler See, steht auf einer grünen Tafel kurz nach der Abfahrt von der A4. Die Straße nach Gols wird zu beiden Seiten von Rebstöcken flankiert. Die Lagen von Georg Lunzer befinden sich ein Stück weiter entfernt, einige auch in klassischer Lage. Am Gold- und Altberg sind die erhöhten, auch in der Ebene reiht sich Zeile an Zeile, insgesamt sind es rund 60.000 Rebstöcke in einem Radius von 25 Kilometer rund um Gols. Lagen auf verschiedenen Ebenen zu haben, bedeutet auch Risikominimierung. Während bei Frost eine Hanglage von Vorteil ist, ist sie heftigen Gewittern und Regenfällen stärker ausgesetzt als jene in der Ebene. Heuer waren es vor allem die jungen Lagen, die unter der lang anhaltenden Hitzeperiode gelitten haben. "Das Wurzelsystem der Rebstöcke ist noch nicht so tief und so verzweigt, sie können noch zu wenig Wasser ziehen oder speichern", so Lunzer. Die jungen Stöcke sind etwa sechs Jahre alt, die älteren gehen zum Teil zwei Generationen zurück. Die Leidenschaft ist dem Winzer in die Wiege gelegt worden. "Bevor ich noch überlegen konnte, war ich schon mittendrin", meint er. 1989 hat er den Betrieb übernommen, sechs Jahre später auf organisch-biologischen Weinbau umgestellt.

In jeder Lage im Einklang mit der Natur

Das bedeutete nicht nur eine komplette Neuorientierung, sondern auch einen härteren Weg einzuschlagen, als beim konventionellen Weinbau üblich. Kein Einsatz chemischer Dünger, keine Herbizide. Gedüngt wird regelmäßig mit organischem Dünger, der Boden wird begrünt und dadurch wird die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren im Weinberg gefördert. Ein Mit-der-Natur-Arbeiten, statt maximalen Profit aus den Böden zu holen – für Georg Lunzer der richtige Weg. "Das Bild in den Weingärten hat mir nicht gefallen. Ich wollte diese braun-schwarze Landschaft wegbringen. Mit natürlichem Bewuchs habe ich dann den Boden und den Humusgehalt wieder aufgebaut", so der Winzer. Kein leichtes Unterfangen. Viele Böden waren durch die jahrzehntelange Mechanisierung ziemlich ruiniert. Nach jedem kleinen Gewitter waren sie sofort verschlämmt, dann kamen Kultivator oder Scheibenegge zum Einsatz, um zu verhindern, dass danach allzu große Risse entstehen und eine zu starke Verdunstung einsetzt. Zudem zeigten nach kürzesten Trockenperioden die Reben Welk-Erscheinungen. Die Blätter wurden sofort gelb. Die Natur arbeitet langsam, erholt sich nur gemächlich, wenn man ihr vorher zugesetzt hat. "Mittlerweile haben wir das einigermaßen im Griff. Allerdings sind 25 Jahre in diesem Bereich auch nicht gerade viel. Ich habe es für mich ins rechte Lot gerückt; jetzt habe ich ein eigenes, kleines Ökosystem", so Lunzer.

Ein System, in das er nur gezielt eingreift, beispielsweise, um die richtigen Beikräuter und Gräser zu fördern. Zum Teil wachsen sie wild, zum Teil werden sie ausgesät. Der Bio-Winzer achtet vor allem darauf, dass nicht zu viele Gräser wachsen, die nur Wasser zehren. Gut sind Stickstoffsammler, die den Boden auflockern, wie Lupinen, Luzerne und Kleearten. Um dieses Ökosystem in Balance zu halten, braucht es viel Liebe zum Detail und vor allem Erfahrung. Deshalb erledigt er manche Arbeiten lieber allein, als sie seinen Mitarbeitern zu überlassen. Die Unkrautbekämpfung am Unterstock mit dem Mähmesser vom Traktor aus etwa. Zu heikel, dass dabei die Rebstöcke verletzt werden, Schaden angerichtet wird. Sorgen von einem, der alles aufgebaut hat, viel Schweiß und Herzblut investiert hat. Von einem, der weiß, wie hart man sich den Erfolg erkämpfen muss. Wie die Generationen vor ihm.

Pferdewagen & Erntezeit

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Das hat Georg Lunzer mitbekommen, auch die Erinnerung an unzählige Stunden am Traktor des Vaters, wo alles noch ein großes Abenteuer war. Die Aufregung zur Erntezeit, das Pressen und Abfüllen in die Flaschen. Die Erzählungen des Großvaters, der ein paar Holzfässern voll Wein auf den Pferdewagen lud, damit nach Wien fuhr und erst nach einer Woche wieder zurückkam. Damals war die Verantwortung noch weit weg.

Eine Verantwortung, die er nicht nur gegenüber seiner Familie, sondern auch gegenüber zwei Mitarbeitern, die er das ganze Jahr über beschäftigt, trägt. Zur Erntesaison sind es zusätzlich zehn Helfer. Dann werden die Trauben von den Feldern im Anhänger in die Halle nach Gols gebracht, in einen großen Trog gekippt und von einer riesigen Metallschnecke weitertransportiert. Die Weißen in die Presse, die Roten in den Rebler und von dort in den Maischetank. Rotwein wird auf der Maische vergoren, Weißwein abgepresst und danach vergoren. Die Gärung dauert zwei bis drei Wochen, danach geht es in den Keller zum biologischen Säureabbau. Dafür wird der Wein mit Bakterien beimpft und bei konstanter Temperatur, rund 20 Grad, der richtige Ph-Wert entwickelt. Durch den Säureabbau wird der Wein milder, harmonischer. Ob er abgeschlossen ist, stellt ein Labor im Ort fest. Abgefüllt und verpackt wird auch im Betrieb. Und auch bei der Kellerarbeit gibt es in einem biologischen Betrieb andere Regeln. Kein Einsatz von chlorhaltigen Reinigungsmitteln etwa. Die Flaschen werden mit Sterilwasser ausgespült und danach mit Stickstoff ausgeblasen. Sogar den stellt der Winzer mit einem Generator selbst her. Alles aus einer Hand. Ganz wie es der Philosophie von Georg Lunzer entspricht.

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